Serie

Hoch zur Sonne

Hoch zur Sonne – mit Familie Marti im Postauto auf den Weissenstein

Hoch zur Sonne – mit Familie Marti im Postauto auf den Weissenstein

Mit Familie Marti im Postauto auf den Weissenstein. Unsere Serie mit Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Der Postautofahrer betätigt das Horn, bewältigt die Haarnadelkurve sicher und taucht dann endlich auf aus dem Nebelmeer. War zuvor links und rechts alles in trübes Grau gehüllt, erglänzen Bäume, Wiesen und Felder nun plötzlich in der goldenen Herbstsonne. Leon und Luca Marti machen grosse Augen. «Schau mal den schönen Wald», staunt Drittklässler Leon. «Wir hoffen, dass oben die Sonne scheint», hatte Mutter Verena Marti nach dem Einsteigen bei der Talstation in Oberdorf gesagt. Und die Sonne scheint tatsächlich an diesem Samstagmittag. Der lange Weg hat sich gelohnt: Aus Rodersdorf, wo das Schwarzbubenland an Frankreich grenzt, ist die Familie angereist, um der Jurakette entlang Richtung Grenchenberg zu wandern. Angeregt hatte die Wanderung der achtjährige Leon, er wünschte sich einen Ausflug in die Berge. Leon und sein zehnjähriger Bruder wandern gern – aber nur, wenn sie nicht stur geradeaus stapfen müssen: Deshalb mag es Leon, wenn er auf Steine klettern oder irgendwo runterrutschen kann. Und Bruder Luca sagt, er möge «spezielle Sachen» wie den Planetenweg, den sie heute begehen wollen.

Den Bezug zur Natur haben die beiden Primarschüler offensichtlich von ihrer Mutter vermittelt bekommen. Verena Marti sagt, die Natur sei für sie eine Kraftquelle. «Ich verbringe möglichst viel Zeit im Grünen.» Dass sie dies zusammen mit der Familie tun kann, ist nicht immer eine Selbstverständlichkeit: Die Behindertenbetreuerin arbeitet oft auch an Samstagen und Sonntagen. «Wir geniessen die Wochenenden, an denen wir als Familie etwas unternehmen können», sagt Verena Marti. Heute fehlt zur Komplettierung einzig der Vater – er zieht nach einer anstrengenden Arbeitswoche einen Ruhetag ein. Zieht es Familie Marti nicht in die Berge, findet man sie auf der Ostseeinsel Hiddensee, oder auch in Schweizer Städten: Luca und Leon übernachten gern in Jugendherbergen. Leon sagt, ihm gefielen vor allem die gemütlichen Betten in der Jugi. Bruder Luca findet die Jugi-Betten zwar nicht gemütlicher als jene zu Hause, dafür hat er mit Schaffhausen zuletzt seine momentane Lieblingsstadt kennen gelernt.

Eine Besichtigung der Stadt Solothurn ist für heute nicht vorgesehen. Dabei ist der Weissenstein-Ausflug für Verena Marti eine Art Rückkehr: In Breitenbach aufgewachsen, kam sie einst nach Solothurn, um hier das Lehrerseminar zu absolvieren. Nach der Ausbildung zog es sie wieder zurück auf die andere Seite des Juras. Einer der Gründe für den damaligen Wegzug, sagt Verena Marti, sei der Nebel am Jurasüdfuss gewesen. Umso zufriedener ist sie, dem Grau heute abermals entkommen zu sein. Und um der Sache auch sicher zu sein, macht sich Familie Marti nach der Ankunft oben daran, hochzusteigen zum Kurhaus, wo die Sonne den Anfang des Planetenwegs markiert.

Serie Ob auf dem Weg von und zur Arbeit, zum Tête-à-Tête, zum Ausflugsziel oder einfach so – täglich sind Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. In lockerer Folge begleiten wir einige von ihnen und stellen sie vor.

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