Hessigkofen
Treffen sich ein alt Bundesrat, eine Brennerin und ein Moderator im Buechibärg

Der Buechibärger Talk vom Montag konnte live vor Ort in Hessigkofen oder via Stream bequem vom Sofa aus verfolgt werden. Zu Gast waren die Brennerin Manuela Schwab und alt Bundesrat Adolf Ogi.

Lucilla Mendes
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Live in Hessigkofen und erstmals auch via Stream: Brennerin Manuela Schwab und alt Bundesrat Adolf Ogi im Gespräch mit Simon Eberhard.

Live in Hessigkofen und erstmals auch via Stream: Brennerin Manuela Schwab und alt Bundesrat Adolf Ogi im Gespräch mit Simon Eberhard.

Michel Lüthi

Montag, 19.45 Uhr. In 15 Minuten startet in Hessigkofen der Buechibärger Talk mit der Oberwiler Brennerin Manuela Schwab und Alt-Bundesrat Adolf Ogi. Ich sitze zu Hause vor dem Bildschirm. Das Hübeli-Bier steht - wie von Organisator Simon Eberhard im Vorfeld gewünscht – gekühlt bereit. Ein Link in seiner Mail führt mich zur Übertragung. Luftaufnahmen sowie die Jerusalema-Challenge vom Blumenhaus Buchegg stimmen in den Abend ein.

Punkt 20 Uhr betritt Eberhard die Bühne. Der Ton ist etwas leise, aber genau hinhören schadet eh nie. Eberhard begrüsst die Zuschauer – und… auch die Schreibende der Solothurner Zeitung. Ein Novum sei das, meint Eberhard – und meint damit wohl vor allem die Tatsache, dass der Talk neu auch gestreamt wird.

Sind Politik und Alkohol miteinander vereinbar?

Manuela Schwab, Brennerin.

Manuela Schwab, Brennerin.

Michel Lüthi

Als sich Manuela Schwab und Adolf Ogi zu Eberhard gesellen, startet der Moderator den Abend mit: «Freude herrscht!» Ob Ogi diesen Spruch nicht satt hat, frage ich mich bei einem Blick auf Ogis Mimik. Den ersten Ball spielt Eberhard Manuela Schwab zu. Auf die Frage, wie sie ihren Beruf beschreibe, antwortet sie:

«Brenner sind Tüftlertypen und ‹eigelig›.»

Kein Wunder, meinte der Moderator, verbringe sie ja die meiste Zeit in Alkoholdämpfen. Dass Schwab aber nicht benebelt ist, sondern weiss, was sie tut, beweist sie mit kurzen, ruhigen aber klaren Statements. Wie zum Beispiel: «Ein Williams ist erst perfekt, wenn man beim riechen und schmecken die reife Frucht vor sich sieht.»

Adolf Ogi, Alt Bundesrat.

Adolf Ogi, Alt Bundesrat.

Michel Lüthi

Wie Politik und Alkohol vereinbar seien, möchte Eberhard wissen. Ogi erzählt, dass er sich im Bellevue oft – für ihn in Rotweinflaschen abgefüllten – Grapillon habe ins Glas giessen lassen. Immerhin seien ja Ausfahrt Bern immer Verkehrskontrollen durchgeführt worden. Auch bei allen kommenden Geschichten taucht Ogi in die Vergangenheit ein. So erzählt er von seiner Nationalratskandidatur 1979, als aus Ogi das Wortspiel «Offen gut integer» wurde. Eberhard -– noch etwas nervös, versucht ein Wortspiel mit seinem Namen, hört aber nach «e wie eloquent» auf. «Eberhard ist etwas schwieriger», lacht Ogi.

Und kommt in Fahrt. Erzählt von seinem Einsatz für die drei grossen Tunnel: Gotthard, Lötschberg und Ceneri. Darauf scheint er besonders stolz zu sein. Ogi wickelt mit seinem Charisma alle um den Finger, plaudert aus dem Nähkästchen.

Da ist viel Herzblut mit dabei

Ab und zu frage ich mich: «Ist das nun real oder Seemannsgarn?» Aber es wird deutlich: Ogi politisierte mit Herzblut. Ihn aus nächster Nähe zu erleben, muss speziell sein. Das Publikum in Hessigkofen scheint jedenfalls gefesselt und amüsiert. Aber auch vom Sofa wird klar, dass Ogi kein Schreibtisch-Politiker war. Er tauschte sich mit Staatsmännern auf Wanderungen, Helikopterflügen oder bei einem Glas Wein in einer Beiz aus.

Auch wenn mir Manuela Schwab leid tut, die definitiv zu wenig zu Worte kommt: Ogi könnte man stundenlang zuhören. Immerhin – und da sind sich am Schluss Ogi und Schwab einig: Der Buechibärg ist etwas besonderes. Während die 33-Jährige von Kindheitserinnerungen schwärmt, bleibt für Ogi das Feldschiessen in Bibern unvergesslich. Da habe er seinen ersten Kranz geschossen. Und er ergänzt:

«Wäre der Zusammenhalt überall so gut spürbar, wie hier im Buechibärg, dann hätten wir eine bessere Welt».

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