Handelskammer
Gipfeltreffen im Landhaus: Wie es der Solothurner Wirtschaft geht – und warum SP-Politiker den Saal frühzeitig verliessen

Zuerst Corona, jetzt Krieg? In der Solothurner Wirtschaftswelt herrschen gemischte Gefühle, das zeigte sich an der Generalversammlung der Handelskammer. Für einen kleinen Eklat sorgte Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder.

Sven Altermatt 3 Kommentare
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Aushängeschild der Solothurner Wirtschaft: Der Kanton weist eine besonders hohe Dichte an Medtechfirmen auf (Symbolbild).

Aushängeschild der Solothurner Wirtschaft: Der Kanton weist eine besonders hohe Dichte an Medtechfirmen auf (Symbolbild).

Keystone

Sie ist ein wichtiges Gipfeltreffen der hiesigen Wirtschaft – allein schon, um die konjunkturelle Grosswetterlage zu spüren: die Generalversammlung der Solothurner Handelskammer. Die Rahmenbedingungen mögen dieser Tage wieder unsicher sein. Dennoch war gestern Abend im Solothurner Landhaus unter den über 160 Gästen die Stimmung erstaunlich optimistisch.

Die Lage präsentiert sich – so lassen sich die Reden und Gespräche dieses Abends zusammenfassen – angespannt bis hoffnungsvoll: Noch sind die Folgen der Coronakrise nicht alle ausgestanden; diese habe zu einer «präzedenzlosen Kombination aus Nachfrageschock und Angebotsknappheit geführt», wie es Handelskammer-Präsident Rolf Riechsteiner formulierte.

Rolf Riechsteiner präsidiert die Solothurner Handelskammer.

Rolf Riechsteiner präsidiert die Solothurner Handelskammer.

Michel Lüthi

Immerhin hätten sich die meisten Branchen der Solothurner Wirtschaft 2021 rasch auffangen können, viele seien gar auf einen «ansehnlichen Wachstumspfad» zurückgekehrt. Positiv ist das Bild auch bei der Beschäftigung.

Doch sorgenvoll beobachtet nicht nur Riechsteiner die «enormen Unsicherheiten» aufgrund des Ukrainekriegs. Diese befeuerten namentlich das Risiko einer Stagflation, also einer Kombination aus hoher Inflation und schwachem Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig lege der Krieg die Verletzlichkeit der Energieversorgung offen.

Wirtschaftsklima «insgesamt noch immer eher günstig»

Erst Corona, jetzt Krieg. Riechsteiner sprach von einer Zeitenwende: «Auch wenn der Krieg morgen vorbei ist, wird nichts mehr so sein wie früher.» Gleichwohl hatte er darauf beruhigende Worte parat. Während Corona die Digitalisierung forciert habe, konstatierte er, könnte der verheerende Krieg die Dekarbonisierung beschleunigen. Just zum gleichen Schluss kam Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss in ihrem Grusswort.

Rolf Riechsteiner zeigte sich schliesslich überzeugt: «Auch die Ukrainekrise wird uns am Ende widerstandsfähiger machen.» Diesen wohl dosierten Optimismus untermauerten er und Handelskammer-Direktor Daniel Probst mit frischen Daten. Ende Woche erscheint das «Solothurner Wirtschaftsbarometer». So viel wollten sie schon verraten: Trotz allgemeiner Abschwächung wird das Wirtschaftsklima für das zweite Quartal als «insgesamt noch immer eher günstig» taxiert.

Eklat: SP-Politiker verlassen Saal

Er sparte nicht mit pointierten Worten: Christoph Mäder, Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, machte an der Generalversammlung der Handelskammer eine Tour d'Horizon durch die Schweizer Wirtschaftspolitik. Das «Filetstück» seiner Ansprache: scharfe Kritik an der, so Mäder, «blinden Referendumswut der Linken». Als jüngstes Beispiel verwies er auf das Referendum gegen die Abschaffung der Stempelsteuer. Mäder sprach wahlweise von «destruktiver», «verantwortungsloser» und «heuchlerischer» Politik.

Allgemein könne man bei einer Steuervorlage die Linken wohl nur noch ins Boot holen, wenn diese mit einem «Sozialausbau» verbunden sei, sagte Mäder. Er vermisse zusehends schweizerische Tugenden wie eine «gesunde Portion Pragmatismus».

Seine Abrechnung richtete er namentlich gegen die Sozialdemokraten. Deren im Landhaus anwesende Vertreter wollten dies offenbar nicht auf sich sitzen lassen. SP-Kantonsrat und Architekt Remo Bill verliess den Saal noch während Mäders Ansprache demonstrativ; SP-Ständerat Roberto Zanetti tat selbiges gleich nach dem Auftritt – und vor dem offiziellen Ende der GV. (sva)

3 Kommentare
Peter Fuchs

Economieswiss Chef Mäder darf seine Standpunkte gerne darlegen. Er kann dies aber auch tun ohne in grobe Klassenkampfpolemik und Gepolter zu verfallen und Andersdenkende zu brüskieren. Die Solothurn Wirtschaft lebt auch von vielen innovativen Unternehmen und Start-Ups auf welche die Handelskammer sehr stolz ist. Diese Mitglieder vor den Kopf zu stossen ist der Sache kaum dienlich. Auch Manager dürfen eine anständige Gesprächskultur pflegen. Nota bene, ich war an der Versammlung dabei, habe diese aber am Schluss von Mäders Ausführungen vorzeitig verlassen.

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