Christian Ambühl
Zwischen den Fronten: Will man den Grenchner Polizeikadi loswerden?

Christian Ambühl, Kommandant der Polizei Stadt Grenchen, wird von der Gemeinderatskommission an die kurze Leine genommen.

Oliver Menge
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Christian Ambühl ist seit viereinhalb Jahren Kommandant der Polizei Stadt Grenchen.

Christian Ambühl ist seit viereinhalb Jahren Kommandant der Polizei Stadt Grenchen.

Hanspeter Bärtschi

Wer mit offenen Ohren durch die Stadt läuft oder die Zeichen der vergangenen Wochen und Monate deutet, könnte zum Schluss kommen, dass vielleicht schon bald die letzten Stunden des amtierenden Polizeikommandanten Christian Ambühl geschlagen haben könnten.

Auch konnte man immer wieder mal den Eindruck gewinnen, dass Stadtpräsident François Scheidegger oft nicht gerade glücklich darüber war, wie Ambühl die Dinge anpackte. Der profilierte und zielstrebige Ambühl ist vielleicht manchen zu selbstständig und sein Gestaltungswille wird vom kleinstädtischen Milieu beargwöhnt.

Auch mit einzelnen der gewählten Volksvertreter gab es regelmässig Zoff, weil sie ihren politischen Einfluss geltend machten und dem Polizeikommandanten immer wieder ins Geschäft pfuschten – beispielsweise bei der Beschaffung neuer Fahrzeuge.

Teilsperrung der Bettlachstrasse erneut ein Thema?

Nervig für den Polizeikommandanten ist auch, dass er beim Traktandum «Sperrung Bettlachstrasse» zum Spielball der politischen Kräfte geworden ist. Er kann tun, was er will, er liegt immer falsch. Selbst der Kompromiss, der diesen Sommer zur Freude Vieler überraschend zu Stande kam und zum Einbezug des Zytplatzes geführt hat, wird hinter den Kulissen weiterhin bekämpft. Womöglich soll das Thema in der GRK erneut aufs Tapet kommen, heisst es aus gut unterrichteter Quelle. Das dauernde Herumflicken des Gemeinderates an den Parkgebühren macht schliesslich die Arbeit für die Polizei auch nicht einfacher.
Zum endgültigen Bruch zwischen Polizeikommandant und Politik scheint es nun, nach der «Affäre Spahr» gekommen zu sein (siehe Kasten).

Diese Affaire führte zum Bruch

Der Lengnauer Adrian Spahr, Co-Präsident der Jungen SVP und ehemals Polizeibeamter bei der Kantonspolizei Basel, der von zwei Instanzen aufgrund der Publikation eines Plakats wegen Rassendiskriminierung verurteilt wurde, die Urteile aber weiter ans Bundesgericht gezogen hat, wo sie noch hängig sind, hatte sich bei der Polizei Stadt Grenchen beworben.

Laut Recherchen erhielt Spahr von der Stadt Grenchen sogar einen Arbeitsvertrag, entgegen anders lautenden Aussagen noch ein paar Wochen zuvor, der dann aber annulliert wurde.
Weder der Polizeikommandant noch die Personalchefin der Stadt wollen von den Verfahren und deren Inhalt gewusst haben. Nun soll eine Untersuchung zeigen, ob und inwieweit hier Ambühl eine unglückliche Figur abgegeben hat oder ob er das Opfer von Inkompetenz an anderer Stelle war. Oder – die dritte Möglichkeit – dass nicht nur Ambühl, sondern auch die Stadt Grenchen von Spahr nach allen Regeln der Kunst über den Tisch gezogen wurden. Die Untersuchung durch den Solothurner Gaston Barth, ehemaliger Personalchef und Chef Rechtsdienst der Stadt Solothurn, hat laut Scheidegger diese Woche begonnen. (om)

Fakt ist: Laut Informationen dieser Zeitung hat die Gemeinderatskommission (GRK) an einer der letzten Sitzungen beschlossen, die Kompetenzen Ambühls zu beschneiden: Am Korpsrapport im Februar dieses Jahres hatte Ambühl angekündigt, dass es organisatorisch in nächster Zeit zu einigen Pensionierungen komme, wie zum Beispiel der von Vizekommandant Hugo Kohler, der auch Leiter der Abteilung Sicherheit ist. Diese Funktionen sollten künftig getrennt werden, liess Ambühl damals verlauten. Er hoffte, die Stellen intern besetzen zu können.

Und offensichtlich lief in den letzten Wochen ein internes Auswahlverfahren zur Besetzung der Stelle des Vize, das nun auf Befehl der GRK gestoppt wurde. Ambühl sah sich gezwungen, vor seine Leute zu stehen und ihnen die unangenehme Botschaft zu überbringen, dass bis auf weiteres das Auswahlverfahren sistiert sei.

Der Stadtpräsident sieht die Umstände anders

Stadtpräsident François Scheidegger indes erklärt auf Anfrage die Sache ganz anders. Auf die Frage, ob man dem Kommandanten die Kompetenz genommen habe, das Auswahlverfahren zu Ende zu bringen und der GRK einen Vorschlag zu unterbreiten, schreibt er: «Das trifft in dieser Form nicht zu: Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Pensionierung des Kdt.-Stv. hat Ambühl eine kleine Reorganisation der Stapo vorgeschlagen, welche eine zusätzliche Kaderstelle vorsieht. Deshalb möchte die GRK das Organigramm nochmals erläutert haben.»

Und weiter: «Im Einvernehmen mit dem Kdt. wurde das weitere Verfahren deshalb sistiert (es braucht ja dann vielleicht einen Chef weniger). Uns kommt dabei entgegen, dass Ambühl den Prozess sehr frühzeitig aufgegleist hat. Immerhin steht die GRK als Aufsichtsbehörde der Stapo in der Verantwortung», so der Stadtpräsident.

Keine Anstellungen mehr

Ein pikantes Detail dazu: Robert Gerber, der ehemalige Polizeikommandant und Vorgänger Ambühls, ist zwar als FDP-Gemeinderat nur Ersatzmitglied in der GRK, «musste» in der Vergangenheit aber anscheinend genau dann einspringen, wenn Polizeithemen auf der Traktandenliste standen. Ob das im Zusammenhang mit der aktuellen Frage steht, sei dahingestellt.

Weiter wurde auch die unbesetzte (Spahr-)Stelle von der GRK bis auf weiteres eingefroren respektive laut der Quelle dürfe Ambühl keine weiteren Anstellungen mehr selber vornehmen respektive vorschlagen. Dazu Scheidegger: «Wer soll das denn sonst machen? Neue Anstellungen sind – dies wurde jedoch bereits kommuniziert – der GRK als Aufsichtsbehörde zur Genehmigung vorzulegen. Für die erwähnte offene Stelle ist der Rekrutierungsprozess auch nach dem üblichen Schema verlaufen.

Indessen konnte Ambühl laut seinen eigenen Aussagen keinen geeigneten Kandidaten rekrutieren. Deshalb folgt die GRK dem ursprünglichen Antrag von Ambühl, nicht nur zwei, sondern drei neue Polizisten selber auszubilden. Die Stelle kann so natürlich erst später ordentlich besetzt werden, laut Ambühl kann er die Situation jedoch managen.»

Anderer Wind weht

Fakt ist auch: Seit Ambühl Kommandant der Stadtpolizei Grenchen ist, weht ein anderer Wind durch den Polizeiposten an der Simplonstrasse. Ambühl bringt einen beeindruckenden Palmarès an Ausbildungen in den Bereichen Sicherheit, Intervention, Observation und Waffentechnik mit. Als Instruktor hat er die Ausbildung der eigenen Truppe intensiviert – beispielsweise mit der Einführung von Tasern oder der Schulung in Intervention – was von seinen Leuten sehr geschätzt wird.

Obwohl Ambühl gegenüber dieser Zeitung zum Thema keine Stellung beziehen wollte, muss man davon ausgehen, dass er mit der aktuellen Situation nicht zufrieden ist. Was also, wenn er der Stadt zuvorkommt und nach mehr als viereinhalb Jahren im Amt abspringt, bevor man ihn in die Wüste schickt?