Grenchen

Zweiter Weltkrieg: Als man sich um den Radiohörer stritt

Hans Frauenfelder präsentiert seine vier Dienstbüchlein. amg

Hans Frauenfelder präsentiert seine vier Dienstbüchlein. amg

Hans Frauenfelder aus Grenchen erinnert sich an seine nicht immer einfache Kinder- und Jugendzeit - auch während dem Zweiten Weltkrieg. «Damals gab es keinen Fernseher, unser einziges Medium war das Radio», blickt Frauenfelder zurück.

Wie lebten die Kinder Grenchens in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges? Welche Erinnerungen haben sie an die damalige Zeit? Was war damals besser, was heute? Diesen Fragen stellten sich der 84-jährige Hans Scheurer und der 88-jährige Hans Frauenfelder. Beide sind in Grenchen aufgewachsen und leben heute im Alterszentrum am Weinberg. Hans Scheurer hat das az Grenchner Tagblatt im Februar vorgestellt, heute ist die Reihe an Hans Frauenfelder.

«Ich wuchs als jüngstes von vier Kindern in der Nähe des Südbahnhofes auf», erzählt Frauenfelder. «Mein Vater war Schlosser und hatte ein eigenes Geschäft.» Wegen der Krise musste sein Vater allerdings das Geschäft aufgeben, und die Familie zog in die Nähe der Assa Décolletage. «Dort habe ich meine Lehre als Mechaniker gemacht.»

Ausbildung war «sehr militärisch»

1939 erinnert er sich, sei der Südbahnhof voller Soldaten gewesen, die wegen des Krieges einrücken mussten. Auch Frauenfelder selbst musste zur Ausmusterung. «Normalerweise hätte man 19 Jahre alt sein müssen, doch aus Soldatenmangel wurden bereits wir 18-Jährigen eingezogen.»

Eigentlich hätte er in die Flugtruppe gewollt, wurde jedoch für untauglich erklärt. «Ich hatte zwei oder drei Zentimeter zu wenig Brustumfang, deswegen wollten sie mich nicht», lacht Frauenfelder. «Ich wurde nur als ‹hilfsdiensttauglich› eingestuft und absolvierte die Rekrutenschule beim Luftschutz. Ich bin übrigens einer der wenigen Grenchner, glaube ich, die insgesamt vier Dienstbüchlein besitzen.»

Frauenfelder besitzt ein Dienstbüchlein vom Luftschutz, das normale vom Militär, das Büchlein vom Zivilschutz sowie das der Ortswehr. «Im Dienst selbst war ich nicht, ich war aber in der Ortswehr, eine Art Schutzpatrouille innerhalb Grenchens. Wir hatten auch Schützengräben, die Ausbildung war sehr militärisch. Die Ortswehr wurde nur gegründet, falls es tatsächlich zum Angriff kommen würde.» Nachdem er seine Lehre beendet hatte, arbeitete er als Werkzeugmacher.

Er erinnert sich: «Damals gab es keinen Fernseher, unser einziges Medium war das Radio. Es hatte einen Hörer, ähnlich wie bei einem Telefon. Meine grossen Schwestern und ich haben uns regelmässig darum gestritten, wer denn nun den Hörer haben kann, um Radio zu hören.»

Als es keine Wegweiser mehr gab

Das Leben als Jugendlicher und junger Erwachsener spielte sich, so Frauenfelder, in den Restaurants «Bad» und «Bellevue» ab. «Dort gab es Theateraufführungen oder Konzerte vom Gesangsverein. Oder der Turnverein gab eine Vorstellung.» Doch besonders kann er sich an die jeweiligen Sonntage erinnern: «Sonntags musste man zum Fussballmatch gehen. Das war Pflicht, sonst konnte man montags nicht mit den Arbeitskollegen diskutieren», lacht Frauenfelder. «Zu dieser Zeit war Erwin Ballabio am Beginn seiner Karriere.»

Auch an die Zeit während des Krieges, als die ganzen Wegweiser entfernt wurden, um Spione zu verwirren, erinnert er sich. «Oh, da habe ich selbst etwas erlebt: Wir wollten ins Lötschental, doch weil keine Wegweiser mehr da waren, haben wir uns komplett verlaufen. Nachdem wir stundenlang umhergeirrt waren, trafen wir auf Einheimische, die uns sagten, dass wir komplett in die falsche Richtung gegangen waren. Ich habe mich gefühlt wie HD Läppli im gleichnamigen Film.»

Und doch eine schöne Kindheit

Doch auch ein paar Erinnerungen aus der Kindheit sind dem 88-Jährigen geblieben: «Das Leben war nicht immer einfach, aber ich erinnere mich, wie zum Beispiel die Strassen nach Biel selten bis nie von Autos befahren wurden. Als Kinder haben wir im Winter gerne auf der Strasse Eishockey gespielt. Zementsäcke waren unsere Netze fürs Tor. Im Sommer spielten wir Fussball, ebenfalls auf der Strasse. Gefahr drohte uns nur gegen Feierabend, weil dann die ganzen Fahrradfahrer kamen.»

Mit einem Kindergartenfreund von damals ist Frauenfelder heute noch befreundet. «Ich lernte Alberto Gorbetti im Kindergarten kennen und wir telefonieren heute noch miteinander.» Die Konditionen damals seien hart gewesen, aber dennoch könne er sagen, eine schöne Kindheit in Grenchen verbracht zu haben.

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