Die letzte Zeit sei schon herausfordernd gewesen, erklärt Hanspeter Zumstein. Das Projekt «Effibau» habe dazu geführt, dass mehr Arbeit auf weniger Leute verteilt werden musste: «Wir konnten teilweise Leistungen nicht mehr erbringen, obwohl wir dies gerne getan hätten. Dazu haben sich Überstunden bei den Mitarbeitenden merklich angehäuft.» Aber eigentlich sei es ein toller Job mit viel Abwechslung. «Man wusste bei Arbeitsbeginn selten, was einem der Tag bringen wird», gibt der Vater zweier erwachsener Kinder zu Protokoll.

Die Hochbau-Abteilung ist für die «nichtproduktiven Liegenschaften» verantwortlich. Für die Schulen und Kindergärten also, für die kulturellen Institutionen, die Freizeit- und Sportanlagen, Verwaltungsbauten, sowie für diverse weitere Objekte wie Werkhof, Feuerwehrgebäude, Schiessanlage, Friedhof etc. «Man ist viel draussen, im Kontakt mit verschiedensten Personen», verweist er auf einen weiteren Vorzug seiner Tätigkeit. Wichtig sei für ihn und seine Mitstreiter immer gewesen, dass man die zu unterhaltenden Gebäude so betrachtet und behandelt habe, als wären es die Eigenen.

In der Woche vor der Pensionierung beispielsweise war Zumstein im Haldenschulhaus anzutreffen, wo er längst fällige Anpassungen für die Sicherheit vornahm: Fluchtwege markieren und dafür sorgen, dass alle Türen auch von innen ohne Schlüssel geöffnet werden können, selbst wenn geschlossen ist. Dafür mussten neue, spezielle Schliesszylinder eingebaut werden.

Mit Kindergärten gestartet

Hanspeter Zumstein erinnert sich noch gut an seine Anfänge auf der Baudirektion. «Die meisten Kindergärten waren damals in einem desolaten Zustand. Also machten wir uns an die Arbeit, nahmen uns vor, alle zwei Jahre ein Objekt zu sanieren. Der Zufall wollte es, dass wir uns zuerst um den «Bodenrain» kümmerten, den ich selber noch besucht habe», schmunzelt der Ur-Grenchner.

Seine Lehre als Hochbauzeichner hat er seinerzeit beim Architekten Hans Dietziker absolviert, danach Erfahrungen bei Hans Peter Gutknecht und der Baufirma Hirt gesammelt, ehe ihn der damalige Personalchef Max Obrecht als Bauleiter zur Stadt lockte. «Ich hatte allerdings schon einen Vertrag bei einem Architekturbüro unterschrieben und tat dies auch kund», entsinnt er sich. Aber irgendwie sei dies ohne sein Zutun geregelt worden.

Erstaunt über Wakkerpreis

Natürlich ist auch der Gewinn des Wakkerpreises 2008 ein spezielles Ereignis gewesen: «Zuerst einmal habe ich ziemlich gestaunt, da ich der Meinung war, die Auszeichnung gehe vor allem an Gemeinden mit einer intakten Altstadt. Dann hat sich aber auch Stolz eingestellt, dass wir mit unserer Arbeit zur Erhaltung der Bausubstanz von einmaligen Gebäuden einen Teil zu diesem Erfolg beigetragen haben.»

Es ist kein Geheimnis, dass ihm das Stadion Brühl immer am Herzen gelegen ist. Als der Uhrencup wiederbelebt wurde, hat er sich dann auch mächtig ins Zeug gelegt, Leute um sich geschart und so mitgeholfen, einige unvergessliche Fussballmomente nach Grenchen zu bringen.

Überhaupt kennt man Hanspeter Zumstein in der Stadt als einen, der oft zupackte, wenn es etwas zu organisieren galt. Sein augenfälligstes Engagement ist sicher jenes als Wagenbauchef (32 Jahre) der Hilari-Zunft gewesen, mit welchem er Tausenden von Grenchnerinnen und Grenchnern jeweils ein besonderes Spektakel am Fasnachts-Umzug bot. Trotz oder wohl vielmehr dank seiner gradlinigen Art gelang es ihm jeweils auch «zunftfremde» Personen einzubinden und so für aufsehenerregende Wagen mit viel Betrieb und Personal zu sorgen.

Will aktiv bleiben

Die meisten seiner «zivilen» Ämter hat der 65-Jährige abgegeben, die Pension ist Realität. Keine Angst, in ein Loch zu geraten? «Nein, überhaupt nicht. Ich habe mich bewusst zurückgezogen, werde nun auf Reisen gehen, Bekanntschaften auffrischen und mit Kollegen Ausflüge unternehmen.»

Und die Tür sei ja nicht zu. Er sei schon angefragt worden für die eine oder andere Aufgabe, die er gerne auch wahrnehmen werde. Nur in der obersten Verantwortung sieht er sich im Moment nicht.

Und noch etwas liegt ihm am Herzen: «Ich habe mich immer gewehrt, wenn Grenchen von aussen schlecht gemacht wurde. Nun müssen wir aber aufpassen, dass wir uns nicht selber schlecht machen, müssen zu unseren Errungenschaften Sorge tragen.» In dieser Hinsicht bereite ihm die vorherrschende «Sparwut» schon einige Bauchschmerzen. «Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Rechnung aufgeht. Wenn wir nämlich wegen fehlenden Personals und Kapazitäten, vermehrt Aufträge extern vergeben müssen, kann dies schnell einmal ziemlich teuer werden», bemerkt Hanspeter Zumstein abschliessend.