Maturaarbeit

Zur letzten Hinrichtung: Das Theater bietet ein intensives Erlebnis

Tom Muster (Mitte) schrieb und spielte die Rolle des Hans Vollenweider. Michel Lüthi

Tom Muster (Mitte) schrieb und spielte die Rolle des Hans Vollenweider. Michel Lüthi

Tom Muster und Kollegen überzeugen mit ihrem Stück zur letzten Hinrichtung in der Schweiz.

Das ist ein starkes Stück Theater, welches Tom Muster mit Schauspielfreunden und Musikern auf die Bühne gebracht hat. Die Geschichte von Hans Vollenweider, welcher als letzter Mensch in der Schweiz 1940 nach einem zivilen Strafprozess hingerichtet wurde, hat der Schauspieler Tom Muster im Rahmen seiner Maturarbeit als Drama konzipiert.

Die zahlreichen Zuschauenden in der Aula des Schulhauses IV kamen in den Genuss eines packenden, eindringlichen Theaterspektakels. Das lag sowohl an den fein aufspielenden Akteuren, aber auch an einer Inszenierung (Iris Minder), die sich auf das Wesentliche konzentrierte und so ein unmittelbares, intensives Erlebnis bescherte. Karg die Ausstattung, die keine Ablenkung von den meist kurzen, knackigen Szenen erlaubt. Ein dunkler Hintergrund, durchzogen von einem roten Band, verstärkt das düstere Geschehen, welches einigen Blutzoll fordert.

Aufmüpfig, aber intelligent

Hinein ins Geschehen: Hans Vollenweider wird vom Scharfrichter vorgeführt und zeigt sich noch in seinen letzten Minuten uneinsichtig, wünscht trotzig, den zuständigen Richter umzubringen. Anklagend macht er alles Mögliche und so gut wie Jeden für seine Situation verantwortlich. Im Rückblick erfährt der Zuschauende die Geschehnisse. 1908 geboren, erlebt er den Vater als Versager, gibt sich bereits in jungen Jahren aufmüpfig. Trotzdem ist er ein guter Schüler, macht eine Lehre und wird Angestellter.

Dies ist aber das Seine nicht. Er strebt nach Ruhm und Geld. Verschiedene Unternehmungen wollen jedoch einfach nicht gelingen. Er gerät auf die schiefe Bahn, landet im Gefängnis. Seinen ersten Ausgang nutzt er zur Flucht und will sich eine neue Identität verschaffen. Dazu bringt er einen unbeteiligten Arbeitssuchenden mit einer gehörigen Portion Arglist um. Es folgt ein missglückter Überfall auf einen Pöstler, der ebenfalls das Leben lassen muss. Als ihn schliesslich der Polizist Alois von Moos stellt, erschiesst er im Gerangel auch diesen. Er wird in Sarnen OW zum Tode verurteilt, selbst ein Gnadengesuch der Polizisten-Witwe an den Kantonsrat rettet ihn nicht vor der Guillotine.

Tom Muster brilliert als Hans Vollenweider, bringt dessen narzisstisch-psychopathisches Wesen authentisch rüber. Fein arbeitet er die beiden Seiten des Protagonisten heraus: die arrogant-überhebliche ebenso wie die infantil-weinerliche.

Gute Ensemble-Leistung

Sandra Sieber, Mirko Nardini, Kari Amsler, Markus Zahler und Roland Favre zeigen bemerkenswerte Leistungen und lösen die Aufgabe, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, mit Bravour. Das Ensemble mit Susi Reinhart, Rosmarie Schwab und Michael Metzler zeigt sich auch stimmlich auf der Höhe. Die beiden Komponisten Bruno Schaad und Peter Schenker haben eine Musik geschrieben (und tragen sie auch vor), welche unaufgeregt, aber effektvoll die Geschehnisse begleitet.

Abschaffung bereits beschlossen

Tom Muster betont, dass die Hilfe von Iris Minder unabdingbar war. Erst sie und ihre Mithilfe habe seinen Entwurf zu einem echten Theaterstück gemacht.

Entstanden ist eine Art Doku-Drama, welches nicht zuletzt dank geschicktem Einbeziehen von Originaldokumenten auch den historischen Rahmen ausleuchtet. Die Hinrichtung war nämlich umstritten, da die Abschaffung der Todesstrafe in der Schweiz und die Einführung eines gesamtschweizerischen Strafgesetzbuchs bereits per Volksabstimmung am 3. Juli 1938 beschlossen, allerdings noch nicht von allen Kantonen umgesetzt worden war. Das Obwaldnervolk verteidigt im Stück die Todesstrafe, allein ein Kind wagt es, gegen die vorherrschende Meinung anzutreten.

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