Und dass sich aus einer Kakophonie von Meinungen unmöglich ein Beschluss mit klaren Vorgaben für das weitere Vorgehen herausdestillieren lässt, ahnte die Sitzungsleitung wohl schon im Vorfeld und beraumte für das Geschäft zur Gestaltung des Südbahnhofareals vorerst eine erste Lesung an.

Zu den fünf Varianten - vier aus der Bauverwaltung plus eine mit einer Perimeteröffnung hinsichtlich eines Agglomerationsprogramms gesellte sich am Dienstag  Abend noch die alt-neue Variante von Vize-Stadtpräsident Remo Bill (SP). Dieser forderte nämlich, dass das (überarbeitete) Wettbewerbs-Siegerprojekt von 2009 wieder aus der Schublade genommen wird. Im Gegensatz zu den zur Diskussion stehenden «rudimentären Planunterlagen» habe man nämlich bereits ein Projekt, meinte Bill.

Favorit Entflechtung

Stadtbaumeisterin Drazenka Dragila gab allerdings zu bedenken, dass man dieses offenbar wegen der Kostenfolgen von 8 Mio. Fr. nicht weiterverfolgt habe. «2014 fassten wir nämlich den Auftrag, ein bezahlbares und rasch realisierbares Projekt vorzulegen. Unter diesem Motto präsentieren wir Ihnen diese vier Vorschläge.» Offenbar war auch die Sitzung der vorbereitenden Baukommission turbulent verlaufen, so dass keine eigentlichen Anträge der Kommission vorlagen. Tiefbau-Chef Thomas Rüegger, der die Varianten seitens der Baudirektion vorstellte, liess immerhin durchblicken, dass die Stadt die Variante drei mit einer vollständigen Verkehrsentflechtung favorisiert.

Es folgte eine workshop-artige Diskussion, was auf dem Südbahnhof-Areal machbar sei, was wohl eher nicht, ob man jetzt mit einem einfacheren Projekt vorwärts machen soll oder doch lieber eine (unsichere) Einbindung in ein Agglomerationsprogramm abwarten. Politische Fronten waren dabei durchaus spürbar. So plädierte Marc Willemin (SVP) mit Verve für die so genannte «SVP-Variante», wo Autos weiterhin über den Bahnhofplatz fahren, während Reto Gasser (FDP) ebenfalls riet, die Architekten des Siegerprojekts nochmals zu begrüssen und nicht zu fest auf ein Aggloprogramm zu hoffen. «Jenes Projekt hat aber einfach keinem gefallen», darum verschwand es in der Schublade, erinnerte sich Ivo von Büren (SVP) und mahnte: «Plant einfach etwas, das den Grenchnern gefällt und nicht nur auswärtigen Experten.»

Auf den Punkt brachte es schliesslich Nicole Hirt (GLP): «Ich kann eigentlich nicht entscheiden, ich verstehe zu wenig davon. Wir alle können nicht entscheiden.»
So wird jetzt weiter geplant: Unter Beizug eines Fachexperten, unter Beizug der ssm-Architekten des Siegerprojekts und «und unter Berücksichtigung der heutigen Voten», wie Stadtpräsident François Scheidegger es formulierte. Und auch die Lösung über das Agglomerationsprogramm soll weiterhin planerisch warm gehalten werden.

Altglas: Sowohl - als auch

Nachdem die Gemeindeversammlung sich gegen eine Einstellung der Glassammlung ausgesprochen hatte aber gleichzeitig im Investitionskredit auch eine erste Tranche Geld für die geplanten Sammelstellen gesprochen wurde, schlägt die Stadtverwaltung jetzt ein pragmatisches Vorgehen vor.

Es soll nun die Glassammlung bis auf weiteres beibehalten werden und gleichzeitig «zentral an den Einkaufsorten» 2-3 Glassammelstellen eingerichtet werden. Damit kommen beide Lager zu ihrem Recht. Der Gemeinderat zeigte sich einstimmig mit diesem Vorgehen in Sachen Glassammlung einverstanden.