Gewerbe
Zum 100. Geburtstag gibts eine Zeitreise

Der Handwerker- und Gewerbeverein (hgv) Lengnau, Pieterlen und Meinisberg feierte sein Jubiläum.

Anke Eckardt
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Beim Aufbau
12 Bilder
Blick in die Mehrzweckhalle
Die MG Meinisberg sorgt fürs Ambiente
Festakt zum Jubiläum des Handwerker- und Gewerbevereins Lengnau, Pieterlen und Meinisberg
Sehen und gesehen werden auf dem überdachten Schulhausplatz
Handels- und Gewerbevereins-Präsident Bruno Stauffer lud zur Zeitreise
Das OK der GEWA
Der Shuttle
Verbindung zwischen den drei beteiligten Dörfern
Kinder halfen als Schauspieler mit
Die Handwerker und das Gewerbe präsentierten sich
OK Präsident Martin Reber mit Ehrendamen

Beim Aufbau

Anke Eckardt

Der Präsident des hgv, Bruno Stauffer, ging während der Festansprache mit den Besuchern auf eine Zeitreise, beginnend mit der Gründungsversammlung an einem heissen Julitag anno 1917. Der erste Weltkrieg wütete noch bedrohlich in den Nachbarländern, die wirtschaftliche Situation war alles andere als einfach und existentielle Ängste prägten das Leben der Menschen. Zwischen März und Dezember stiegen die Lebenshaltungskosten um 15 Prozent. 35 Handwerker und Gewerbetreibende der drei Gemeinden kamen damals zusammen, um diesen Widrigkeiten tatkräftig etwas entgegenzusetzen.

Ein weiteres, sehr wichtiges Anliegen war die Eröffnung einer Handwerker- und Gewerbeschule, welches in den 20-er Jahren umgesetzt wurde. Somit war eine gute Grundausbildung, welche mit zum qualitativ hohen Erhalt der Arbeitsleistung beiträgt, gewährleistet. Der Jahresbeitrag betrug 5.- Franken und monatlich fanden die Vereinsversammlungen statt. Aus den detaillierten handschriftlichen Protokollen der Versammlungen geht hervor, dass viel diskutiert und zum Teil auch recht gestritten wurde. In den 30-er, sehr konjunkturschwachen Jahren, fand manch hitzige Debatte darüber statt, wie die Wirtschaft in der Region angekurbelt werden könnte.

Ein weises Mitglied meinte zu später Stunde nach solch einer Sitzung, dass die Männer doch heimgehen und das Thema erst einmal mit ihren Frauen diskutieren sollten. Nach der ersten Gewerbeausstellung (GEWA) 1948 in Lengnau wurde kritisch erwähnt, dass die Tombolapreise miserabel gewesen seien. Etwas bizarr wirken die Massnahmen gegen auftauchende Konkurrenz, zum Beispiel gegen die von Blumenverkäufern ohne Hausiererpatent, welche von zwei Dorfpolizisten verhaftet wurden oder die Einreichung einer Klage eines Bäckermeisters gegen einen Kollegen wegen nicht bewilligten Glaceverkaufs. Heiss wurde darüber diskutiert, ob Bäckereien und Molkereien artfremde Produkte anbieten dürfen.

Keine Zeit zum Feiern

Später dann, in den 60-iger Jahren florierte die Wirtschaft, sodass man zum fünfzigsten Jubiläum sogar auf eine Ausstellung verzichtete, da niemand Zeit hatte, eine solche zu organisieren. Um der wachsenden Bevölkerung zu zeigen, was die KMUs der Region zu bieten haben, beschloss der Verein ab 1975 alle 3-5 Jahre in einer der Gemeinden eine grosse Ausstellung durchzuführen.

Vereinzelt werden Betriebe der 127 heutigen Vereinsmitglieder bereits seit mehreren Generationen von einer Familie geführt, so zum Beispiel in 5. Generation die Ischer AG in Pieterlen. Die rhetorische Zeitreise des Präsidenten wurde durch schauspielerische Einlagen von fünf Kindern untermalt sowie von den klangvollen Tönen der Meinisberger Musikgesellschaft umrahmt.

Toni Lenz, KMU-Präsident des Kantons, präsentierte in seiner Rede statistische Kuriositäten aus dem Gründungsjahr und gratulierte zum hohen Geburtstag. OK-Präsident Martin Reber war wie wohl die meisten der Aussteller, welche zum Teil trotz hoher Auftragsrate viel Zeit in diesen Anlass investierten, sehr zufrieden mit dem Verlauf der dreitägigen GEWA.

Erstmalig wurde diese im Frühling durchgeführt und trotz sonnig-warmem Wetter war das Interesse der Bevölkerung gross. Auch die Rahmenveranstaltungen, wie die Präsentation der Vereine, die Möglichkeit der Besichtigung des Werkhofs von Pieterlen, sowie die Konzerte am Abend wurden rege wahrgenommen.