Die Stadt möchte die im Frühjahr begonnenen Gespräche mit den Grenchner Fussballvereinen weiterführen, mit dem erklärten Ziel, eine Fusion innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre anzustreben.

Valesca Zaugg ist Spezialistin für Projektleitung und Konfliktmanagement, Mediation und Gesprächsführung. Und sie ist Geschäftsführerin der Stiftung RoadCross Schweiz. Sie hat im September bereits erste Gespräche mit einigen der Präsidenten der Grenchner Fussballvereine geführt und wird den gesamten Prozess begleiten.

Das az Grenchner Tagblatt hat sie zu ihrer Rolle in Grenchen befragt. Sie wolle sich nicht in den Vordergrund stellen, betont die Mediatorin gleich zu Beginn. «Ein solcher Prozess lebt nicht von der Person, die so ein Projekt leitet.» Ihre Aufgabe sei es, in erster Linie Freiräume zu schaffen für diejenigen Beteiligten, die zu möglichen Lösungen beitragen können, dafür zu sorgen, dass diese auch gehört würden. «Nicht alle sind nämlich gleich laut.»

Unabhängig und neutral

Valesca Zaugg versteht zwar etwas von Fussball, aber mit Grenchen sei sie in keinster Weise verbandelt. Das sei auch für die Stadt, welche sie engagiert hat, wichtig. Man wollte eine aussenstehende und neutrale Person, welche die Gespräche mit den möglichen Fusionskandidaten führt und koordiniert. Warum Grenchen sie interessiere? «Hier geht es um ein Anliegen, das die Menschen in der Stadt bewegt. Und um ein spannendes Projekt, ein spannendes Setting.» Sie habe keine «Fussballlösung» in der Schublade. Aber je komplizierter eine Situation sei, desto grösser sei die Herausforderung, vernünftige Lösungen zu finden. Deshalb habe sie auch nicht gezögert, diese Aufgabe zu übernehmen, als sie von der Stadt angefragt wurde.

Ob im Fall der Grenchner Fussballvereine, bei KMUs oder beim Coaching von Führungspersonen, im Grunde gehe es bei jeder Konfliktlösung um dasselbe: Vier bis fünf Meinungen treffen aufeinander. Und oft verstehe man sich einfach nicht, die Gründe dafür seien heterogen. Nun gehe es darum, ein einfaches Prinzip transparent zu machen: «Es gilt zu bestimmen: Welches sind die Positionen? Wie gross ist der Verhandlungsspielraum? Wo sind die Grenzen? Also eigentlich, was geht und was geht gar nicht.» Der Kontext sei eigentlich immer derselbe, die Konfliktlösung relativ simpel. «Es geht darum, dass die Beteiligten in erster Linie darlegen können, was sie sich wünschen.» Ihre Rolle sei es, dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Inhalte kämen von den Beteiligten.
Nicht hetzen aber beschleunigen

Im Fall der Grenchner Fussballvereine gelte es auch, den einzelnen Beteiligten genügend Zeit zu lassen. «Wir dürfen nicht hetzen. Und doch müssen wir die Sache beschleunigen, denn die Ausgangslage ist ja schon lange dieselbe.» Dabei sei wichtig, dass alle Beteiligten egalitär zum Zuge kämen. Keiner sei wichtiger als der andere. «Wir müssen aber den Clubs auch genügend Zeit geben, um ihre internen Strukturen zu bereinigen, wie jetzt gerade der FC Grenchen, der ja erneut ohne Geschäftsführer dasteht. Also fehlt auch der Ansprechpartner. Solche Probleme müssen zuerst bereinigt werden.» Nur dürfe es keine «never ending story» geben.

Sie sei nicht die Zauberin, die von aussen käme und alle Probleme löse, sagt Valescia Zaugg. «Die Probleme sind schon länger da. Ich verstehe mich eher als Dirigentin, welche eine Hilfestellung beim Prozess geben kann.»

Die Stadt an sich sei ebenfalls Player im Prozess, sagt Zaugg. Nur habe sie natürlich als Besitzerin der Sportanlagen und Auftraggeberin eine spezielle Rolle.

Valesca Zaugg ist überzeugt, dass sie etwas zum guten Gelingen des Fusionsprojekts beitragen kann. «Hätte ich kein gutes Gefühl, hätte ich das Angebot der Stadt Grenchen auch nicht angenommen.»