Irene Arni führt die Besucher ins Museumscafé und zeigt auf den alten Fernsehapparat in der Ecke. «Immer, wenn sich die Familie am Sonntag vor dem Fernseher versammelt hatte, mussten wir unsere schönsten Kleider anziehen und mucksmäuschenstill sein», erinnert sich Arni, «denn die Eltern haben uns erzählt, dass die Leute da drinnen im Kasten uns auch sehen können.»

Zusammen mit Paul Rickli trat Irene Arni am Samstag als Zeitzeugin im Kultur-Historischen Museum auf und erzählten den interessierten Besuchern, wie das Leben in der Region Grenchen früher war. Wie man gewohnt, gearbeitet und seine Freizeit anno dazumal verbracht hatte.

Nostalgische Erinnerungen

Das Betrachten des im Stile der 50er Jahre mit zeitgetreuen Originalregegenständen ausgestatteten Museumscafés löste bei den Besuchern eine Welle der Nostalgie aus. Sätze wie: «Das hatten wir ebenfalls zu Hause» oder «So sah es damals bei uns auch aus» fielen beim Begutachten zuhauf. Vom alten Teppich bis hin zum Rössler-Geschirr – viele Gegenstände waren für die Gäste mit Kindheitserinnerungen aus der elterlichen Wohnung verbunden.

Es herrscht eine lockere Atmosphäre, wo die Zeitzeugen frisch von der Leber weg erzählen können, wie sie die damalige Zeit erlebten. Die Besucher löchern die Zeitzeugen mit neugierige Fragen und bringen aber auch eigenen Anekdoten in die Gespräche mit ein.

Während Arni die Besucher in einem Rundgang durch die Stockwerke und verschiedenen Räumlichkeiten des Museums führt und dabei allerlei selbst Erlebtes zu jener Zeit erzählt, fachsimpelt Rickli mit Gleichgesinnten über die Uhrenindustrie und lässt so Aufstieg- und Fall der Grenchner Uhrenindustrie nochmals Revue passieren.

Auch Arni kennt die Branche gut, da sie lange Zeit für die A. Schild SA (ASSA) tätig war. Sie zeigt auf ein altes schwarz-weiss Foto, welches das Gelände der ASSA in einer Luftaufnahme zeigt. «Das ist die Lehrwerkstatt, welche auch heute noch in Betrieb ist und dank seiner Dachkonstruktion massgeblich daran beteiligt war, dass Grenchen den Wakkerpreis erhielt.» Die ersten zwei Jahre verbrachten die Lehrlinge dort, bis sie das Handwerk gut genug beherrschten, um in den effektiven Betrieb aufgenommen zu werden.

Arni arbeitete bei der ASSA im Büro und hatte sich dort mit den Tücken der alten «Hermes Schreibmaschinen» herumschlagen dürfen. «Das war ein riesen Möbel von einer Maschine». Fehler konnten dazumal noch nicht korrigiert werden, auch nicht mit Tipp-Ex, da die Durchschläge der Schreibmaschine durchgingen. Selbst beim kleinsten Fehler blieb einem nichts anderes übrig, als das Dokument wegzuschmeissen und nochmals ganz von vorne zu beginnen.

Für den Fall, dass es technische Schwierigkeiten mit den Maschinen gab, hatte die ASSA extra zwei Schreibmaschinenmechaniker angestellt. «Die waren einzig für das Reparieren der Schreib- und Rechnungsmaschinen zuständig», erläuterte die Zeitzeugin.

Aus der Not ins Bachtelen

Arni verbrachte sechs Monate ihres Lebens im Kinderheim Bachtelen. «Meine Eltern waren frisch nach Grenchen gezogen, hatten aber noch keine Wohnung. Daher mussten meine ältere Schwester und ich ins Bachtelen», so die Zeitzeugin. Die Gepflogenheiten des katholischen Kinderheims mutete den reformierten Kindern indes kurios an.

Geweckte wurde bereits morgens um sechs Uhr früh, um sich zu waschen und für die morgendliche Andacht in der Kapelle bereit zu machen. Besonders das Knien während des Gottesdienstes ist noch immer frisch in den Erinnerungen präsent. «Das kannten wir bis dahin gar nicht», so Arni.

Anschliessend ging es zum Frühstück in den Speisesaal – Jungen und Mädchen streng separiert. Alles erfolgte nach einem straffen Zeitplan. «Nach der Andacht hast du schnell das Essen runtergeschlungen und bist anschliessend sogleich weiter in die Schule ins Kastels», erzählt die Zeitzeugin.