Wer an die Grenchenberge denkt, denkt automatisch auch an die Bergrestaurants, wo zweifellos alle kulinarischen Bedürfnisse von Touristen und Berggängern bestens abgedeckt werden.

Wer am Sonntag unterwegs und mit einer bescheidenen Verpflegung zufrieden ist, hat noch eine weitere Option: dann nämlich wird in der Hütte des Schweizerischen Alpenclubs SAC, Sektion Grenchen, Suppe für alle gekocht.

Ein eingespieltes Team

«Wenn die Fahne weht, ist die Hütte offen», erklärt Richard Kaufmann die einfache Regel. Zusammen mit Camille Vuilleumier und Hansjörg Michel ist er dieses Wochenende für den Empfang der Gäste in der Hütte verantwortlich. Die drei SAC-Mitglieder lassen sich drei bis viermal im Jahr für diesen Dienst einteilen und sind im Lauf der Jahre ein eingespieltes Team geworden.

«Wir machen inzwischen etwa 10 Prozent des Hüttenumsatzes», verkündet Kaufmann nicht ohne Stolz. Denn oft kombinieren die drei ihr Hüttenwochenende auch noch mit einem gesellschaftlichen Anlass aus ihrem privaten Umfeld . «Wir machen jährlich eine Klassenzusammenkunft und auch der Höck der Hilari-Musig Grenchen findet bei uns statt.»

Dieses Jahr gabs am 27. Juli noch ein besonderes Fest. Das «Klassentreffen Hirt-Moll» feierte den 70. Geburtstag des 1943er-Jahrgangs. Das Hüttenwarte-Trio liess sich aus diesem Grund ein edles Diner einfallen, inklusive Cüpli-Apéro eines Sponsors.

Eine Suppe für 3 Franken

Deutlich bescheidener, aber nicht weniger gesellig, ging es am Sonntag danach zu und her. Die obligate Suppe (Preis 3 Fr., sie ist sogar im Reglement des SAC Schweiz verankert) lockte wohl an die zwei Dutzend Gäste an den Mittagstisch. «Es ist manchmal etwas schwierig, die richtige Menge zu schätzen. Wir haben auch schon einen grossen Topf gekocht und kein einziger kam», erzählt Kaufmann.

Nun, diesen Sonntag wurde die selbstgemachte Tomatencremesuppe bestimmt aufgegessen. Und zum Dessert gabs noch reichlich Kuchen vom Klassentreffen am Vorabend.

«Ich fühle mich sehr wohl hier, und gehe auch noch regelmässig auf SAC-Touren», berichtet Romi Albisetti (88) aus Bettlach, der mit einer Gruppe Senioren an einem Tisch sitzt, unter anderem mit Willi Renfer (93) aus Lengnau, einem weiteren SAC-Urgestein. Auch Liselotte Aubry und Myrta Perinat aus Grenchen sind immer wieder in der Hütte anzutreffen.

Phänomenale Fernsicht

Auch jüngere Besucher kommen vorbei. Urs Schwab und Anita Schwab (beide Arch) loben die gemütliche Hüttenatmosphäre und die schöne Aussicht, ebenso Linda und Roland Hürzeler aus Studen. Draussen auf dem Vorplatz spielen Julia (12) und Michael (15) Zeller mit dem Hund Charlie.

In der Tat sieht man von der Terrasse der Hütte an einem klaren Tag die Bergspitzen zwischen Säntis und Mont Blanc, dazu die Juraseen. Die Hütte, die auf 1300 Metern über Meer liegt, wurde ursprünglich als Bergchalet vom Grenchner Uhrenpatron Adolf Schilt gebaut, der das Gebäude aber 1945 dem SAC Grenchen verkaufte, der in diesem Jahr gegründet wurde.

Sanfte Renovation

Vor 13 Jahren wurde das Chalet umfassend renoviert, leicht vergrössert und den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Eine Hüttenkommission sorgt dafür, dass baulich alles im Schuss bleibt, genug Getränke und Heizmaterial vorhanden sind.

Patrick Angéloz aus Grenchen ist Mitglied der Kommission und hat es sich unter dem Sonnenschirm auf dem Vorplatz eingerichtet. Er sei fast jedes Wochenende am Wandern, berichtet er, was seine Gesichtsfarbe unterstreicht. Oft dabei ist seine Profi-Kamera, mit der er Erinnerungen von seinen Touren festhält.

Nach einigen Minuten stösst mit Matthias Kunz aus Bettlach ein weiteres SAC-Mitglied dazu. Auch der Aktuar der SAC-Sektion mit über 400 Mitgliedern hat auf Schusters Rappen an diesem schwülheissen Sommertag etwas kühle Bergluft gesucht und gefunden. Mit Angéloz tauscht er Details über die begangenen Wanderrouten aus. «Mein GPS zeigt mir an, dass ich 10.2 km gelaufen bin», kann er detailliert Auskunft geben.

Inzwischen serviert Maggie Vuilleumier den Wanderern kühle Getränke. Hier oben könnte man es wirklich noch länger aushalten. - Was manche auch tun. Das Nachtlager böte Platz für 20 Personen.