Swatch/ETA
Zifferblattfabrik lässt Wünsche des Grenchner Gemeinderats offen

Die Grenchner Stadtbehörden bemängeln die Ausführung der Zifferblattfabrik der Swatch. Diese hält jedoch dagegen. «Vielleicht stören sich auch einige Leute daran, dass wir in Biel momentan ein so schönes Gebäude bauen», so Konzernchef Nick Hayek.

Patrick Furrer
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Die Zifferblattfabrik nimmt bereits Formen an – schneller, als man zuschauen kann. Hanspeter Bärtschi

Die Zifferblattfabrik nimmt bereits Formen an – schneller, als man zuschauen kann. Hanspeter Bärtschi

Die Grossbaustelle der ETA steht direkt am Bahngleis, nahe dem Bahnhof, an einer wichtigen Verbindungsstrasse. Viele hundert Menschen fahren und gehen tagtäglich daran vorbei. Seit Ende September 2011 wird fleissig an der Zifferblattfabrik gearbeitet, welche spätestens Dezember 2012 bezogen werden soll. In den letzten Wochen hörte die Öffentlichkeit aber nichts mehr Genaueres zum Projekt und dem Baufortschritt.

Gerüchten zufolge, könnte diese zurückhaltende Informationspolitik damit zusammenhängen, dass die Swatch nicht so baut, wie es der Gemeinderat von Grenchen gewünscht hätte. Das jedenfalls lassen Aussagen von Stadtbaumeister Claude Barbey und Reto Mosimann, Präsident der Bau- und Planungskommission (Bapluk), vermuten. Allerdings äussern sich beide nur sehr vorsichtig zum Thema, keiner will die hinter vorgehaltener Hand aufgekommene Kritik wiedergeben. Sicher ist: Auch im Gemeinderat sitzen einige Architekten, von denen nicht wenige am Projekt teilhaben wollten.

Ein Geschoss mehr gewünscht

Doch worum geht es überhaupt konkret? Gewünscht hatte der Gemeinderat seinerzeit eine architektonisch ansprechende Optik und Qualität sowie einen zeitgemässen, sparsamen Energiehaushalt, allenfalls mit Solaranlagen, wie er im Sommer diskutierte. Eine konkrete Anregung der Stadt war eine Überarbeitung der Fassadengestaltung. Allerdings sei die Swatch auf diese Anliegen leider bisher nicht eingegangen, erklärt Stadtbaumeister Claude Barbey. «Dabei hätte man mit demselben Budget und wenigen Retouchen sicher mehr für den Zweckbau erreichen können.»

Ebenfalls taube Ohren habe die Swatch für das Anliegen, ein Geschoss höher zu bauen, um Bauland zu sparen. «Stadt und Kanton hätten sich planerisch gesehen ein Geschoss mehr gewünscht», so Barbey. Bapluk-Präsident Reto Mosimann sieht das ähnlich: «Ein reiner Zweckbau und kein repräsentatives Gebäude», sei die entstehende Produktionsstätte. Eines immerhin hat die Stadt erreicht: Die Erschliessung der Fabrik wird ausschliesslich von Osten über die Niklaus-Wengistrasse erfolgen, nicht von Norden und auch nicht von Süden durch das Wohngebiet.

Hayek: «Ein hochwertiges Gebäude»

Swatch-Konzernleiter Nick Hayek reagiert auf das mehrmalige Nachhaken dieser Zeitung persönlich. Er scheint enttäuscht und konsterniert. Er könne sich denken, dass es im Wettbewerb unterlegene Architekten seien, die nun zu negativer Kritik neigen, sagt Hayek. «Vielleicht stören sich auch einige Leute daran, dass wir in Biel momentan ein so schönes Gebäude bauen. Für ein Produktionsgebäude bauen wir in Grenchen allerdings sehr hochwertig», erklärt der Swatch-Chef. Gerade das Thema Fassadengestaltung sei noch nicht abgeschlossen, hält er fest.

Kommunikationschefin Serena Chiesura ergänzt: «Der Fassadengestaltung wird eine sehr hohe Aufmerksamkeit beigemessen.» Auch die anderen Punkte seien aus Sicht der Planer völlig unbedenklich. Es bestehe eine Option auf ein weiteres Stockwerk, worüber die Stadt informiert sei. Und: Dank fortschrittlicher Wärmerückgewinnung auf den Druckluftkompressoren und der Kühlmaschine wäre die Installation von Solarpanels sogar ineffizient. «Das Projektteam ist überzeugt, dass dieses Gebäude das attraktivste Industriegebäude in Grenchen wird», so die Kommunikationschefin weiter.

Ein ehrgeiziges Projekt

Letztlich, so scheint es, dürfte die Fabrik sich doch ansprechender präsentieren, als derzeit befürchtet wird – falls die erwähnten Versprechen auch eingehalten werden. Geplant ist eine Fabrik für Zifferblätter, Datumsringe und Uhreneinzelteile, von wo aus in Zukunft die Zifferblätter für Uhren des Basis- und mittleren Sortiments für sämtliche Marken der Swatch Group produziert werden. «Ein ehrgeiziges Projekt», geht aus deren Geschäftsbericht 2011 hervor.

Fest steht auch, dass in ersten Phase rund 360 Arbeitsplätze geschaffen werden. Der aktuelle Neubau besteht aus einer Stahlbaukonstruktion mit einer Bruttogeschossfläche von rund 15 000 Quadratmetern. Die Produktionswerkstätte ist als dreigeschossiges Industriegebäude konzipiert. Das Gebäude mit den Grundrissabmessungen von 80 mal 80 Metern wird ein Flachdeckenbau mit vollautomatischem Hochregallager.