Ende März verschickte François Scheidegger, Stadtpräsident Grenchens und Verwaltungsratspräsident der SWG, ein Schreiben an die Gemeinden, die Aktionäre der Gemeinschaftsantenne Grenchen GAG sind. Inhalt des Schreibens: Der Verwaltungsrat der SWG sei der Ansicht, «dass eine enge Kooperation mit der GAG aufgrund des artverwandten Geschäftsfelds von grossem gegenseitigem Nutzen wäre.» Man denke an Synergien im Zusammenhang mit Bau, Unterhalt und Nutzung von Netz-Infrastrukturen sowie in den Bereichen Administration und Marketing.

Auch die Gemeinderatskommission der Stadt Grenchen würde eine Kooperation begrüssen und möchte nun von den anderen Aktionärsgemeinden wissen, wie sie sich dazu stellen und wie eine solche Zusammenarbeit ausgestaltet werden könnte.

Konkret nennt Scheidegger fünf Punkte, zu denen er eine Stellungnahme der Aktionärsgemeinden wünscht: Eine Verstärkung der Kooperation mit zwei gleichberechtigten Partnern, eine massgebliche Beeinflussung der Geschäftstätigkeit durch die SWG, eine Anpassung des Aktionärsbindungsvertrags, die Zustimmung zu einem Verkauf des Grenchner Aktienpakets an die SWG und zuletzt eine mögliche Abtretung der Aktienpakete der restlichen Gemeinden an die SWG.

Man wolle mit einer gemeinsamen Vorwärtsstrategie aus einer Position der Stärke heraus die Chance ergreifen, beide Unternehmen mittel- und langfristig zu stärken. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer zunehmend aggressiv auftretenden Konkurrenz.

Leibundgut: «So nicht»

Barbara Leibundgut, Gemeindepräsidentin Bettlachs und Verwaltungsrätin der GAG bezeichnet das Vorgehen als ziemlich fragwürdig. «Dieses Schreiben hat eine Vorgeschichte, denn vor ein paar Monaten erhielten die Gemeindepräsidien der Aktionärsgemeinden Besuch. SWG-Geschäftsleiter Per Just und Vize-Stadtpräsident Urs Wirth hätten versucht, sie davon zu überzeugen, ihre Aktienpakete der SWG zu übertragen.»

Alles habe unter strengster Vertraulichkeit stattfinden müssen. «Ich bin doch als Verwaltungsrätin der GAG verpflichtet,» so die Bettlacher Gemeindepräsidentin. Und so etwas gehe gar nicht. Sie habe ihr Missfallen damals bei Scheidegger auch zum Ausdruck gebracht. Nach einer Aussprache von Teilen der Verwaltungsräte und dem jetzigen Schreiben, sei das Geschäft für den nächsten Gemeinderat traktandiert. «Der Finanzausschuss, der das Schreiben und die damit verbundenen Fragen im Vorfeld geprüft hat, empfiehlt dem Gemeinderat, nicht darauf einzugehen und das Aktienpaket der Gemeinde nicht aus der Hand zu geben.»

Max Wolf, der Gemeindepräsident von Lengnau, meint auf Anfrage, die GAG laufe ja gut. Er persönlich sei gegen eine vertiefte Kooperation oder gar Übernahme der GAG durch die SWG, aber im Gemeinderat habe man noch nicht darüber diskutiert. «Ein Verkauf unserer GAG Aktien war in Lengnau auch schon einmal Thema, als wir finanziell so schlecht da standen, wie jetzt die Stadt Grenchen.» Jetzt gebe es keinen Grund dazu, denn die ausbezahlten Dividenden seien in Ordnung. «Aber wenn die Stadt Grenchen ihr Aktienpaket verkaufen will, wäre Lengnau gerne bereit, es zu übernehmen.»

Dafür wäre höchstwahrscheinlich auch die Gemeinde Selzach zu haben, sagt deren Gemeindepräsidentin Silvia Spycher. Sie habe das Geschäft für den Gemeinderat vom 18. Mai traktandiert und noch keine Stellungnahme des vorberatenden Gremiums erhalten.

«Persönlich bin ich aber der Meinung, dass man nicht darauf eingehen sollte, wenn es auf eine Übernahme der Aktien durch die SWG hinausläuft.» Eine Überprüfung möglicher Synergien und eine vertiefte Zusammenarbeit, darin sehe sie persönlich keine Probleme, aber dafür hätten beide Unternehmungen ja ihre Verwaltungsräte, die sich darum kümmern könnten.

«Mir ist nicht ganz klar, was die Stadt Grenchen damit bezweckt, ihr Aktienpaket an eine Unternehmung abzutreten, die eigentlich ihr selber gehört.» Auch sie sei übrigens, wie ihre Bettlacher Amtskollegin, sehr befremdet gewesen durch das Vorgehen im Vorfeld und habe das aufs Schärfste kritisiert.

Rüfli: Voraus denken

Beat Rüfli, Gemeindepräsident von Pieterlen, hat durchaus Verständnis für das Anliegen des Hauptaktionärs, der Stadt Grenchen. «Das Geschäft wurde auch bei uns noch nicht besprochen, sondern ist für den Gemeinderat Ende Mai traktandiert.» Er persönlich sei zufrieden mit der GAG, die sehr nahe am Kunden sei. «Wir haben als Kleinaktionär bisher von unserer Beteiligung profitieren können dank des guten Geschäftsgangs der GAG. Aber ich denke, eine Überprüfung möglicher Synergien ist sicher möglich, beispielsweise im Bereich Marketing.»

Rüfli könnte sich vorstellen, dass die GAG und die SWG gemeinsam ihre Zielgruppe ansprechen, zum Beispiel in einem Shop, in dem ein Top-Produktemix angeboten wird und der sich in erster Linie an KMU’s richtet. «Man darf einfach nicht vergessen: Die Entwicklung geht rasend schnell vorwärts und man muss die künftigen Risiken schon heute absehen.»