Drei Tage lang war das Parktheater fest in Zauberhand. Grenchen mutierte zum Hotspot internationaler Zauberkunst. Gleich zwei amtierende Weltmeister – Miguel Muñoz aus Spanien, Bühnenzauberei, und Eric Chien, Taiwan, Close-up-Weltmeister – waren im Rahmen des Internationalen Zauberkongresses als Topacts für die Gala am Samstagabend gebucht worden.

Aber bereits am Freitagabend staunten die Besucher im praktisch vollen Parktheater über die verblüffenden Tricks, die die neun Kandidaten im Wettbewerb «Grand Prix Eterna», einem Close-up Wettbewerb, d.h. Zaubertricks aus nächster Nähe, präsentierten. Unter ihnen auch «Magic eMaxl», ein gerade mal 12-jähriger Knabe aus Deutschland, der die Medaillenränge nur ganz knapp verpasste. Maxl Schmalhofer ist Deutschlands jüngster Zauberer und wurde für seine ausserordentliche Leistung von der Stadt Grenchen mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

Den Sieg davongetragen hat Sergio Starman aus Italien, vor seinem Landsmann Francesco Fontanelli und dem Koreaner Tae Won Kim. Starman bewies mit seiner Nummer, die er am Samstag auch in der Gala zeigte, dass man mit Zauberei durchaus eine Geschichte erzählen kann.

Seine Requisiten: Ein Bild der verflossenen Liebe, der Ring als Symbol für die Verbindung, ein Glas und eine Flasche, mit der der arme Verlassene seinen Trennungsschmerz betäuben möchte. Aber die Gegenstände scheinen ihm alle einen Streich spielen zu wollen: Das Foto verschwindet aus dem Bilderrahmen, um sonst wo wieder aufzutauchen, der Ring, den er unzählige Male vom Tisch entfernt, ebenfalls. Alles scheint sich gegen ihn verschworen zu haben. Eine wirklich sehenswerte und tolle Routine des Close-up-Magiers.

Lüften der Geheimnisse

Nachmittags gaben einige der internationalen Stars an Seminaren Einblick in ihre Tricks und demonstrierten Schritt für Schritt, wie sie Münzen verschwinden und Karten erscheinen lassen. Besonders beeindruckend das Seminar von Weltmeister Eric Chien am Sonntagmorgen, dessen Fingerfertigkeit das Publikum schlicht verblüffte.

Schritt für Schritt erklärte er seine Münzen-Routine, liess den Dollar in Zeitlupe verschwinden und tauschte ihn gegen eine Karte aus. Im Normaltempo führte er den Trick mit einer unglaublichen Präzision und Geschwindigkeit aus, die er sich in jahrelangem Training angeeignet hat und die für das menschliche Auge schlicht zu schnell ist, um überhaupt den Trick zu bemerken: Für das Erlernen einer Routine benötige er mehrere Monate, für ein ganzes Programm rund zwei Jahre, sagte er.

Ständiges Training, austüfteln diverser Hilfsmittel, die für das Publikum unsichtbar sind, gehören zum Alltag jedes Zauberers. Wenig erstaunlich sah man noch eine halbe Stunde vor der Gala am Samstagabend Chien, Starman und Fontanelli am Stammtisch des Restaurants Parktheaters «Magic» spielen: Einer macht einen Kartentrick vor, wer von den beiden anderen ihn nicht nachmachen kann, hat verloren. Die drei Magier hatten ein Riesengaudi und unterhielten die anwesenden Gäste.

Höhepunkt um Höhepunkt

Die Gala selber bot vor ausverkauftem Haus Höhepunkt um Höhepunkt. Moderiert wurde der Anlass, wie schon vor drei Jahren, vom iPad-Zauberer Simon Pierro aus Deutschland, der verblüffende Tricks mit dem Gerät zeigte, digitale Bälle in echte verwandelte und umgekehrt. Pierro zeigte zwischen den Nummern viele Tricks, bei denen er das Publikum miteinbezog. Er überzeugte mit seiner frischen, humorvollen Art. Nach Starman, dem Gewinner des Wettbewerbs, zog die Elfe «Luna» aus Korea mit einer poetischen Nummer das Publikum in ihren Bann.

Die Französin Nathalie Romier zeigte eine sehr amüsante und unterhaltsame Nummer, in der sie atemberaubend schnelle Kostümwechsel zeigte und dabei ihr Faible für ein Huhn demonstriert, das ihr das Leben schwer macht. Das Ganze untermalte sie mit französischen Chansons. Der Japaner Den Den verblüffte das Publikum mit seiner Fingerfertigkeit, wie er aus weissen Karten rote, aus roten weisse und aus beiden Schnipsel fertigte.

Eric Chien zeigte die Routine, mit der er an den Weltmeisterschaften den Sieg holte. Für eine bessere Sichtbarkeit wurde die Nummer live auf die grosse Leinwand übertragen. Chien erntete Standing Ovations für seine Zaubertricks.

Die vier Koreaner, die unter dem Namen «Nyx Shadow Act» auftraten, zeigten ein Live-Schattenspiel mit acht Händen. Die Nummer fiel zwar aus dem Rahmen, vermochte aber doch zu überzeugen. Denn was die Bühnenkünstler aus dem Tierreich auf die Leinwand zauberten, war schlicht genial. Christopher Castellini aus Italien ist ein begnadeter Mentalmagier.

Er sitzt selber gelähmt im Rollstuhl, und seine Nummer schien dem Publikum anfänglich etwas zu langfädig. Das Finale aber riss die Leute von den Hockern. Genauso verblüfft waren auch die vier Leute, die er auf die Bühne geholt hatte. Etwas gewöhnungsbedürftig hingegen war die Nummer des Franzosen Jimmy Delp, eine gewagte Mischung aus Slapstick, Comedy und Zauberei.

Letzter Höhepunkt der Gala war der Auftritt des Spaniers Miguel Muñoz, dessen sehr ruhige und visuell eindrückliche Nummer, in der er Wasser in feste Kugeln und zurück verwandelt, dem Publikum ausserordentlich gut gefiel. Auch er wurde mit einer Standing Ovation belohnt.