Ypsilon, das kleine Grenchner Pflegeheim für Demenzpatienten, hat schon länger mit räumlich prekären Verhältnissen zu kämpfen. Ein Umzug an ein zentral gelegenes Gebäude an der Solothurnstrasse soll jetzt drei bisherige Standorte in einem grossen Gebäude zusammenfassen.

«Dies wird unsere bauliche und betriebliche Situation stark verbessern», freut sich Heimleiterin Claire-Lise Leisi. Mit rund 30, mehrheitlich teilzeitlich angestellten Mitarbeitenden betreut sie zurzeit 16 Pensionäre, fünf Tagesstättenplätze und zwei Ferienbetten. Und dies in insgesamt drei Liegenschaften, die zwar an der Central- und Wiesenstrasse in gegenseitiger Sichtweite sind, doch baulich nicht optimal für einen effizienten Heimbetrieb geeignet sind. «Der Kostendruck steigt laufend und wenn wir eine Nachtwache für fünf Personen stellen müssen ist das halt nicht dasselbe wie in einem Grossheim, wo eine Person nachts bis 60 Heimbewohner überwachen kann», schildert Leisi.

Das ehemalige Ateliergebäude der Uhrenfabrik Tschui wurde renoviert.

Das ehemalige Ateliergebäude der Uhrenfabrik Tschui wurde renoviert.

Auch sei die Abgrenzung zwischen Pflege- und Betreuungsleistungen bei Demenzpatienten immer noch Gegenstand von Diskussionen. Es sei zwar beschlossen, dass mehr Leistungen ausgerichtet werden, aber noch nicht, wer sie am Ende bezahle.

Speziell für Demenzkranke

Das vor 10 Jahren gegründete Ypsilon ist als kantonales Pilotprojekt für die Beherbergung von Personen mit Demenzerkrankung gegründet worden. Diese haben besondere Bedürfnisse und können nach Leisis Erfahrung nur schlecht mit «normalen» Altersheiminsassen zusammen wohnen.

«Diese müssten beispielsweise damit rechnen, dass plötzlich jemand in ihrem Bett liegt, weil die oft von Orientierungslosigkeit betroffenen Demenzkranken ihr Zimmer verwechselt haben.» Im «Ypsilon» habe man sich jedoch immer als eine Art Grossfamilie gefühlt, denn Geborgenheit sei für Demenzpatienten umso wichtiger.

«Es herrscht Aufbruchstimmung, gespannte Erwartung», meint Leisi angesichts des bevorstehenden Umzuges an die Solothurnstrasse 57. Bereits im September soll es soweit sein. Beim Umzug werde man darauf achten, dass die Pensionäre ihre gewohnten Möbelstücke wieder vorfinden und damit soweit möglich ein vertrautes Umfeld. Den meisten stehen ab Herbst Einzelzimmer zur Verfügung.

Vernachlässigte Parzelle

Bis dann muss allerdings noch die eine oder andere Bewilligung des Kantons eingeholt werden, Pensionäre der bei den Heimen in verschiedenen Bereichen mitredet. Leisi hat keine Bedenken, dass diese rechtzeitig eintreffen, da sich die Situation am neuen Ort gegenüber heute in jeder Hinsicht verbessere.

Vor allem auch auf dem Grundstück, dass seit 2013 dem Immobilienunternehmer Franz Wolf gehört, muss noch einiges geschehen. Die Parzelle mit drei grossen und für das Stadtzentrum prägenden Gebäuden war in den letzten Jahren nicht gerade eine Augenweide. Und viele fragten sich, wie und wann es dort endlich weitergeht.

Eigentümer Franz Wolf macht mehrere Gründe für die zögerliche Entwicklung der Immobilien geltend. «Ich bin kein Grossunternehmer, der die Mittel hat, um mit der ganz grossen Kelle anzurichten», meint der Inhaber der Sunnehuus Immobilien AG, die den Firmensitz kürzlich von Grenchen nach Pfäffikon (SZ) verlegt hat.

Zudem habe er ursprünglichvorgehabt, das Gebäude, das nun zum Altersheim umgebaut wird, der Stadt als Wohnheim für die Uhrmacherlehrlinge anzubieten. «Es wäre sehr gut dafür geeignet gewesen», meint er. Bekanntlich hätten die Stadt und der Kanton anders entschieden und einen eigenen Neubau beim BBZ erstellt.

Umfassender Umbau

Nach dem Scheitern dieses Vorhabens habe er nun mit dem Wohnheim Ypsilon den Mieter gefunden, der das ganze Gebäude an der Solothurnstrasse 57 langfristig belegen wolle. Bis im Herbst soll das Gebäude nun für einen zweckmässigen Altersheimbetrieb auf vier Etagen hergerichtet werden. Unter anderem wird ein Lift eingebaut und auch die Umgebung soll künftig an die Bedürfnisse der Demenzpatienten angepasst werden, versichert Wolf.

Auf dem Areal der ehemaligen Uhrenfabrik Tschui zwischen Bettlach- und Solothurnstrasse haben zwei der drei Häuser ein schützenswertes Erscheinungsbild. Das Ateliergebäude direkt an der Bettlachstrasse (Nummer 54 aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg) sei sanft renoviert worden, erklärt Wolf. Beim neuen Altersheim (Hausnummer 59, Baujahr 1878/1910) werde man auf die äussere Optik ebenfalls achten müssen, während im Innern aber alles modernisiert werde.

Schliesslich wolle er auch das Wohnhaus Nummer 54 jetzt «Schritt für Schritt vorwärtsmachen», nachdem die ehemalige Besitzerin, die Wohnrecht im Haus hatte, jetzt gestorben sei. Die Liegenschaft aus dem Jahr 1960 war monatelang eingerüstet. Das Gebäude beinhalte «riesige und schöne Wohnungen», die, würden sie umfassend saniert, zu für Grenchner Verhältnisse zu hohem Mietzins führen würden. «In Grenchen ist das immer so eine Gratwanderung», meint Wolf.