Die 18. Grenchner Wohntage stehen vor der Tür. Wieder reisen zahlreiche Fachleute aus der ganzen Schweiz nach Grenchen, denn der Termin ist eine fixe Grösse in ihrem Kalender. Grenchen wird damit zum schweizerischen Zentrum für Wohnungsfragen.

Die Tage dauern vom 31. Oktober bis zum 11. November 2013 und beinhalten fünf verschiedene Anlässe. Zum einen findet am 5. November 2013 eine Fachtagung statt, welche sich an Fachpersonen richtet und anlässlich derer ein eigentlicher Wissenstransfer zu einem interessierten Publikum stattfinden soll.

Zu den anreisenden Fachleuten gehört auch Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann, in seiner Funktion als Chef des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF ist er auch Wohnungsminister. Zum anderen werden im Rahmen der Grenchner Wohntage am 7. November die Solothurner Architekturauszeichnungen vergeben und zum Dritten wird mit einem Lichtspiel und einem Film auch dem breiten Publikum etwas geboten.

«Spannend und intensiv», antwortet Lukas Walter, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundesamt für Wohnungswesen und Koordinator der Grenchner Wohntage, auf die Frage, wie die Vorbereitungen bis jetzt gelaufen seien. «Immer wieder kommen neue Wünsche und Ideen der Teilnehmenden, aber bis jetzt haben wir uns ganz gut geschlagen.»

Fachtagung zu den hohen Preisen

Die Fachtagung widmet sich der Problematik der steigenden Mieten und Immobilienpreise: Die Nachfrage nach Wohnraum hat in den letzten Jahren vor allem in den Städten und zentrumsnahen Regionen stark zugenommen. Der Wohnungsmarkt ist in einigen Städten und Agglomerationen angespannt, was sich durch steigende Mietzinse und Immobilienpreise manifestiert.

Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von gestiegenen Ansprüchen über das tiefe Zinsniveau und der hohen Kaufkraft bis hin zum Bevölkerungswachstum aufgrund der Zuwanderung. «In den letzten Jahren haben die Zentren an Beliebtheit gewonnen. Geschätzt wird das konzentrierte Angebot an Unterhaltung, Dienstleistungen und Arbeit», erklärt Walter.

Jüngere Leute suchten das Stadtleben und die Angebote bezüglich Unterhaltung und Freizeit. Ältere Menschen ziehe es ebenfalls wieder eher in die Stadt, weil sie einfacher einkaufen können, ärztliche Versorgung schneller erfolgt, und andere Dienstleistungen in wenigen Gehminuten angeboten werden. «In den Siebzigerjahren zog es die Menschen eher aufs Land, dieser Trend hat in den letzten zwanzig Jahren gedreht», so Lukas Walter.

An der Fachtagung, an welcher Bundesrat Johann Schneider-Ammann teilnimmt, werden die Mechanismen analysiert, welche hinter der gestiegenen Nachfrage in den Zentren steht. «Zu beachten ist, dass zwischen Angebots- und Bestandesmieten unterschieden werden muss. Während sich die Bestandesmieten nur wenig bewegt haben, sind die Angebotsmieten vor allem in der Region Zürich, in der Innerschweiz und in der Genfersee-Region stark angestiegen», erklärt Walter. Hohe Preise im Zentrum lassen die Wohnungssuchenden auf die Agglomeration ausweichen und so steigt auch dort der Druck.

Bundesrat Schneider-Ammann wird die Wechselwirkungen zwischen Arbeitsmarkt, wirtschaftlicher Entwicklung und Wohnungsmarkt in einen Gesamtkontext setzen. Neben Schneider-Ammann analysieren Fachleute aus verschiedenen Disziplinen die aktuelle Situation. In einem abschliessenden Podiumsgespräch mit ausgewählten Interessenvertretern werden Chancen und Risiken dieser Entwicklung beleuchtet.

Preisverleihung und Ausstellungen

Bereits zum sechsten Mal in Folge werden die Architekturauszeichnungen des Kantons Solothurn im Rahmen der Grenchner Wohntage vergeben. Die Preisübergabe erfolgt am
7. November im Beisein von Regierungsrat Remo Ankli. Der Kanton Solothurn, vertreten durch das Kuratorium für Kulturförderung und der SIA Sektion Solothurn, würdigt im 3-Jahres-Rhythmus mit den Architekturauszeichnungen Kanton Solothurn «Werke aus dem gestalteten Lebensraum».

Die Preisübergabe ist gleichzeitig die Vernissage zu einer zehntägigen Ausstellung der ausgezeichneten Werke im Kunsthaus Grenchen. «Die begleitende Ausstellung vermittelt, warum welche Werke ausgezeichnet wurden und bietet damit auch die Möglichkeit, dass sich Schulen mit moderner Architektur auseinandersetzen können.»

Zusammen mit der kantonalen Denkmalpflege stellen das Historische Museum Olten, das Kultur-Historische Museum Grenchen und das Architekturforum im Touringhaus in Solothurn ab dem 1. November Zeugen der Nachkriegsarchitektur vor. «Eine Ausstellung mit zwei Museen und dem Architekturforum in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege dürfte einmalig sein, eine spannende Sache», sagt Walter. Auf die Vernissage der Ausstellung im Kultur-Historischen Museum wird das Grenchner Tagblatt in einem separaten Artikel näher eingehen.