Wohnen und Arbeiten
Wegen Corona verschoben: 25. Grenchner Wohntage finden ab 2. September statt

Nach den coronabedingten Verschiebungen finden die 25. Grenchner Wohntage nun im kommenden September statt. Der Besuch der Veranstaltungen erfordert ein Covid-Zertifikat gemäss so genannter 3G-Strategie.

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Illustration aus dem Wohntage-Programm.

Illustration aus dem Wohntage-Programm.

Aaron Aebi, Hochschule der Künste Bern

Die Wohntage beleuchten das Verhältnis zwischen Wohnen und arbeiten, ein Thema, das auch im Zusammenhang mit Corona an Aktualität gewonnen hat. «Das Verhältnis zwischen Wohnen und Arbeiten hat sich im Verlauf der Zeit stark gewandelt. In der Vormoderne entsprach der Haushalt einer Produktionsgemeinschaft, mit der Industrialisierung kam es zu Heimarbeit und zunehmend zu auswärtiger Lohnarbeit und spätestens seit der Nachkriegszeit hat die räumliche Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort stark zugenommen», schreiben die Wohntage in einer Mitteilung.

Aktuell tragen verschiedene Entwicklungen dazu bei, dass Beruf und Wohnen räumlich wieder zusammenrücken: Das urbane Leben, mit seinen vielfältigen Möglichkeiten, gewinnt an Attraktivität. Neue Familien- und Lebensmodelle bedingen, dass die Haushaltsmitglieder möglichst einfach vielfältige Bedürfnisse in unmittelbarer Nähe befriedigen können. Wohnstandorte «mit kurzen Distanzen», welche das Durchdringen verschiedener Lebensbereiche zulassen, wo sich Hausarbeit, kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten sowie Erwerbstätigkeit kombinieren lassen sind gefragt.

Home Office und Home Schooling

Planungsbehörden sehen in der Schaffung nutzungsoffener Räume, geeignet für Wohnen und Arbeit, Möglichkeiten zur Innenentwicklung und Aufwertung des öffentlichen Raums. Und immer mehr Unternehmen erkennen in dieser Annäherung auch Vorzüge für sie, so Imagegewinne, Vereinfachung der Kundenbeziehungen oder flexiblere, Selbstverantwortung fördernde Anstellungsverhältnisse.

Die Corona-Krise hat das Verhältnis zwischen Arbeit und Wohnen in ein neues Licht gestellt. Arbeitnehmer und Schülerinnen wurden ins Home-Office geschickt. Die Wohnung wurde plötzlich für alle Haushaltsmitglieder zu einem – bequemen oder beengenden – Operationszentrum, für unterschiedlichste Tätigkeiten und im «24-Stunden-Betrieb». Aus heutiger Sicht sind die Folgen dieses zwangsverordneten «Gesellschaftsexperiments» noch kaum absehbar.

Auf der Homepage der Wohntage beschreiben Schulkinder aus Grenchen und Délémont in einem Video, wie sie den Lockdown und das Home-Schooling erlebt haben.

Die Fachtagung vom 2. September 2021 thematisiert die aktuellen Entwicklungen im Verhältnis zwischen Erwerbsarbeit und häuslichem Leben sowie ihre möglichen Folgen für die Wohnraumversorgung. Sie reflektiert damit verbundene gesellschaftliche Chancen und Risiken, auch aus der Perspektive der Corona-Krise. Sie befasst sich mit Rahmenbedingungen, auf verschiedenen räumlichen Ebenen, welche ein stimmiges Verhältnis zwischen Wohn- und Arbeitsangebot begünstigen und für attraktive Lebensräume sorgen.

Oskar-prämierter Film

Zwei weitere Anlässe ergänzen das Angebot. Der Kinoabend zeigt am 6. September 2021 den Oscar gekrönten südkoreanischen Film «Parasite» (2019), eine Mischung aus Drama, Farce und Parabel. Er erzählt, wie es einer vierköpfigen, in prekären Verhältnissen lebenden Familie gelingt, sich als Bedienstete nach und nach im luxuriösen Anwesen ihrer wohlhabenden Arbeitgeber einzunisten.

Am 9. September 2021 findet im Rahmen der Ausstellung im Kultur-Historischen Museum Grenchen «Von Gemüsebeeten und Einbauküchen: Arbeiterwohnen im 20. Jahrhundert» der Vortrag «Hans Bernoullis Vision der Gartenstadt» statt. Die Ausstellung befasst sich mit der Entwicklung der Lebensverhältnisse in den Arbeiterwohnungen dieser Zeit.

Maskenfreie Diskussionen dank 3G-Strategie

Laut Lukas Walter, Verantwortlicher der Wohntage beim Bundesamt für Wohnungswesen BWO, hat man sich für die Covid-Zertifikatpflicht (Impfung, Genesung oder Test) entschieden, um an den Veranstaltungen auch Apéros, Gespräche und Diskussionen ohne Maskenpflicht zu ermöglichen. «Die übrigen Sicherheitsmassnahmen wie Distanz und Handdesinfektion werden dabei natürlich weiter gelten», betont Walter.

Ab kommendenden November zieht das BWO um nach Bern. Wie es mit den Grenchner Wohntagen weitergeht, ist nach wie vor unklar. Fest steht gemäss Lukas Walter, dass weiterhin eine Fachtagung stattfinden soll. Der Ort der Durchführung ist aber offen. Seitens der Stadt Grenchen habe man noch keine Signale hinsichtlich eines künftigen Interesses an Wohntagen in Grenchen erhalten.

Eine Anmeldung für die Fachtagung und für die beiden anderen Anlässe ist bis 23. August unter diesem Link möglich. Dort sind auch alle Details zu den Programmpunkten aufgelistet

Programm Fachtagung Grenchner Wohntage 2020 D (1).pdf

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