Stadtbummel Grenchen

Wölfe und Blaubärte

Beendete nach 22 Jahren bei YB seine Karriere: Marco Wölfli.

Beendete nach 22 Jahren bei YB seine Karriere: Marco Wölfli.

Ob der Wolf in die Schweiz gehört oder nicht, darüber streiten sich seit Jahren nicht nur die Experten. Ein «Exemplar» zumindest mögen die allermeisten: «Unseren» Marco Wölfli, der bei YB konsequent «Wouf» gerufen wird. Bei der Krönung zum dritten Meistertitel in Folge hütete der 38-Jährige, der schon vor einiger Zeit seinen Rücktritt auf Ende Saison verkündet hat, noch einmal das Berner Tor. Und spielte erneut seine Stärken aus: Unaufgeregt die Mannschaft dirigierend, hielt er, was es zu halten galt. Stupende dazu seine fussballerischen Fähigkeiten. Gefühlte 95 Prozent seiner Pässe und Auskicke fanden den Mitspieler in den eigenen Reihen.

Einzigartig auch seine Ausstrahlung. Inzwischen ein geerdeter zweifacher Familienvater lässt er immer noch hie und da den ihm eigenen Schalk spielen, versprüht dieses «Lausbubenhafte», das ihm so viele Sympathien eingetragen hat. Die Merchandising-Abteilung von YB liess sich nicht lumpen und erstellte ein Shirt mit der Aufschrift «1998-2020-Merci Wouf». Darauf ist stilisiert diese Penalty-Parade aus dem April 2008 gegen Luzern zu erkennen, mit welchem er den Weg zum solange ersehnten Meistertitel ebnete. Der Stadtbummler erinnert sich auch heute noch mit wohligem Schaudern an das Stossgebet und den Dank von Marco Richtung Himmel und seinem kurz vorher verstorbenen Vater, den viele in unserer Stadt als «Ede» kannten.

Dank oder wegen seines nicht mehr ganz jugendlichen Alters hat der Stadtbummler schon so manche Modeströmung bei Kleidern wie Frisuren kommen und wieder verschwinden gesehen. Die jetzige wird jedoch an Extravaganz kaum mehr zu überbieten sein. In und absolut hip sind nämlich blaue Bärte, gerne auch schräg geschnitten, unter oder knapp über das Kinn reichend, getragen von Damen wie Herren. Besonders beliebt ist der Look übrigens bei Pendlern und Rauchenden und natürlich in der entsprechenden Kombination. Intellektuelle und Nostalgiker werden bei diesem «Blaubart» an das Grimmsche Märchen (Original aus dem Französischen) oder an die Erzählung von Max Frisch erinnert sein. «Holzweg» widerspricht da der Bummler, denn Vereinzelte scheren aus dem Blauen aus und tragen den Kinnschmuck in Weiss, Schwarz oder Farben, die ihnen gerade passen.

Nun, werte Leserin, werter Leser, Sie werden wohl längst gemerkt haben, worauf ich hinaus will und mit mir einig sein im Wunsch: «Möge dieser Trend so rasch wie möglich der Vergangenheit angehören!»

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