Soll die kleine Fee sterben, weil ihr ein Troll die Magie geraubt hat? Es wäre doch viel schöner, wenn die Prinzessin sie retten würde, anstatt nach Hause in den Königspalast zu gehen, um Pouletflügeli zu essen. Es waren die Kinder, die den Verlauf und den Ausgang der Theaterstücke bestimmten, die Tabea Wullimann anlässlich der Schweizer Erzählnacht in der Stadtbibliothek vorführte. Mit Feuereifer spannten die Erst- bis Viertklässler die Geschichten vom bösen Zauberer Langbart und der Fee Mondschein gemeinsam weiter.

Gebannt hingen sie an den Lippen der Protagonistin, die ihre Geschichten in Theaterstücke umsetzte. Sie fieberten mit dem Mädchen mit, das der Zauberer in eine Schlange verwandelt hatte, sie lachten über den Troll, der in der Nase bohrte, und sie gaben der Prinzessin Ratschläge, wie sie die Magie der Fee wieder finden konnte.

Grenzenlose Fantasie

Wullimann stellte die Figuren mit überzeugender Mimik dar, dass das junge Publikum trotz knisternder Spannung immer wieder in heiteres Gelächter ausbrach. «Das hast du super, super gemacht», lobte eine Zuschauerin begeistert, als sich die Darstellerin am Schluss vor ihrem Publikum verneigte.

Die Bibliothekarin Brigitte Stettler ist fasziniert von der Fantasie der Kinder. «Man muss sie nur anstossen», meinte sie, und schon würden die Geschichten aus ihnen heraussprudeln. Sie freut sich, dass man den Kindern mit einfallsreichem Geschichtenerzählen die Welt der Bücher näherbringen kann. Das hatte sie dazu bewogen, dieses Jahr mit einer Gruppe Primarschüler an der Schweizer Erzählnacht mitzumachen.

Als Einstieg durften die 42 Teilnehmer einen Wald zeichnen und sich überlegen, was darin alles leben könnte. Mit einer Geschichte über eine geheime Hütte im Wald nahm Olivia Hunziker die Kinder sinnbildlich an der Hand und führte sie mitten in den «Geschichtenwald», das Motto der diesjährigen Erzählnacht. Die Kinder bevölkerten den Wald mit Gespenstern, Feen und Trollen, mit Eichhörnchen, Bären und Wölfen. Sie versuchten, sich gegenseitig mit Ideen zu übertrumpfen.

Wurst und Marshmallows

Nach einem kurzen Spaziergang hinüber ins Lindenhaus mochten dann aber doch nicht mehr alle Kinder Geschichten hören. Während sie auf die Wurst vom Grill warteten – das Feuermachen war buchstäblich ins Wasser gefallen – scharte sich nur noch eine Handvoll Schüler und Schülerinnen um die Märlitante.

Andere vergnügten sich im Nebenraum am Töggelikasten oder spielten auf dem Klavier. Einige wenige sassen angesichts der fortgerückten Stunde mit kleinen Augen am Tisch und sagten kein Wort mehr. Auch die Marshmallows, die Brigitte Stettler verteilte, konnten sie nicht mehr aufmuntern. Um zehn Uhr nachts holten die Eltern ihre Sprösslinge nach drei erlebnisreichen Stunden ab.