Seit einigen Tagen fehlt an der Friedhofstrasse 15 der altbekannte Schriftzug einer Grenchner Traditionsfirma. Nicht mehr die Bildhauerei Krebs AG ist dort zu finden, dafür aber das Logo der Bargetzi Burgdorf GmbH. Nach wie vor wirkt hier aber Ronald Krebs, denn: Wie der Handelsregistereintrag zeigt, gehört dem Geschäftsführer der ehemaligen Krebs AG seit 2011 auch die Bargetzi Burgdorf GmbH. Seit April nicht mehr im Grabsteingeschäft aktiv ist hingegen die Krebs AG selbst. Auf Anfrage gibt Ronald Krebs bekannt, es sei «aufgrund einer leichten Überschuldung» zum Konkurs gekommen.

Nun aber konnte er das Geschäft selbst dank seiner anderen Firma Bargetzi Burgdorf GmbH aus der Konkursmasse retten und diesem Unternehmen als Aussenstandort hinzufügen. «So konnten wir weiterarbeiten, ohne Mitarbeiter entlassen zu müssen.» Dass es zum Konkurs gekommen ist, dürfte insofern erstaunlich sein, als dass Krebs noch im Mai 2011 (wir berichteten) einen Marktanteil von schweizweiten sieben Prozent innehatte und diesen bis heuer auf 20 Prozent ausbauen wollte.

Wird das Haus verkauft?

Weitere Auskünfte wollte Ronald Kunz, der in dritter Generation die Krebs AG in Grenchen führte, dem Grenchner Tagblatt allerdings nicht erteilen. Offen bleibt somit insbesondere die Frage, wie dauerhaft der Standort Grenchen ist: Ist doch ein «Zu verkaufen»-Schild an Krebs’ Liegenschaft zu entdecken. Zudem ist aktuell auch (noch) ein entsprechendes Verkaufsinserat für das Mehrfamilienhaus in Online-Immobilieninseraten abrufbar. Demnach ist die Werkstatt zurzeit «vermietet an Bildhauerei». Weiter preist Krebs auf der Homepage www.grabmalkunst.info den Lagerausverkauf in bestimmten Kategorien an.

Fest steht lediglich, dass sich das Grundstück und das Haus selbst nicht in der zu liquidierenden Konkursmasse befanden. Ob sich nun Roland Krebs nach traditionsreichen Jahren dennoch aus Grenchen verabschiedet, darüber schweigt er sich aus.

Streitbare Marketingmethoden

Weitere Fragezeichen bestehen auch hinsichtlich seiner aktuellen oder künftigen Geschäftsstrategie. So hat er doch unter der Firma Krebs ungewöhnliche und in der Steinmetzbranche nicht unumstrittene Werbemethoden angewandt, um an potenzielle Käufer zu gelangen: Aus rund 50 Tageszeitungen wurden von mehreren Mitarbeitern täglich die Todesanzeigen erfasst und zur telefonischen Kundengewinnung verwendet. Laut dem Branchenkenner und ehemaligen Präsidenten des Verbands Schweizer Bildhauer- und Steinmetzmeister VSBS, Andrea Bianchi, gelten Marketingmassnahmen dieser Art als verpönt, wenn nicht gar untolerierbar: «Wenn die Leute das Gefühl bekommen, dass mit dem Tod ein Geschäft gemacht wird, dann finden sie sich schnell eine andere, individuelle Bestattungsform.» Eine, die der Branche und den Verbandsmitgliedern nicht zuträglich ist. Allerdings ist Ronald Krebs selbst auch nicht mehr Mitglied des VSBS.

Inwiefern er am Standort Grenchen unter dem Namen Bargetzi, der nichts mehr mit der Solothurner Urfirma Bargetzi zu tun hat (siehe Kasten), nun reüssieren wird, bleibt abzuwarten.