Die Katze ist aus dem Sack: Die Pächter des Restaurant Parktheater haben gekündigt. Noch bis Ende Juli 2012 werden Rolf und Marietta Meier den Betrieb führen, danach soll er in neue Hände übergehen. Drei Dinge sind sicher: Mit viel Herzblut haben Meiers sich während 17 Jahren um die Gäste gekümmert; kein Wirt vor ihnen hat den Betrieb je so lange Zeit geführt; und der nächste Wirt (oder Wirtin) wird bestimmt einen einfacheren Start haben als das Pächterpaar Meier.

Rolf und Marietta übernahmen das Parktheater am 1. Juli 1995. Das Haus war gerade für knapp 5 Mio. Franken umgebaut worden. Küche, Restaurant, Gemeinderatssaal und Konferenzräume, alles war neu. Der Einstieg im heute 56 Jahre alten Gebäude war dennoch nicht ganz ohne, erinnert sich Wirt Rolf Meier, gelernter Koch und Hotelfachmann. «Zu Beginn hatte ich am Mittag gerade mal zwei regelmässige Gäste.» Er lacht. Immerhin seien ihm diese Gäste über all die Jahre erhalten geblieben.

Rolf und Marietta Meier waren aus Fulenbach zugezogen, wo sie zuletzt im Familienrestaurationsbetrieb mitgearbeitet hatten. Einerseits dauerte es eine Weile, bis die Grenchner die «Neuen» akzeptierten, andererseits waren die beiden erst vier Jahre verheiratet, hatten zwei kleine Kinder und Rolf Meier war als selbstständiger Unternehmer erst 28 Jahre alt. «Es gab schon Zweifler und ein paar böse Worte und Gerüchte», sagt er heute. «Aber heute sind wir akzeptiert. Wir fühlen uns daheim.» Wegen der Kündigung aus Grenchen wegzuziehen, kommt nicht in Frage. Rolf Meier möchte wieder als Küchenchef arbeiten, als Angestellter, mit festen Arbeitszeiten und sicherem Einkommen. Früher sieben Tage die Woche, heute noch sechs und jeweils bis zu 14 Stunden habe er gearbeitet. Er (45) und seine Frau (41) spüren die Belastung in den Knochen. Auch gesundheitliche Gründe führten zum Entscheid, sich vom Betrieb zu trennen.

Guten Ruf aufgebaut

Fünf Jahre dauerte es, bis Meier das richtige Konzept gefunden hatte. Erst wollte zuerst er ein wenig mehr Gourmet und «Schickimicki» ins Parktheater bringen, realisierbar und gefragt war das aber nicht. Er landete letztlich beim Konzept «gutbürgerlich und für alle zugänglich», das bis heute funktioniert. Ein bunt gemischtes Publikum, viele Senioren und die Vereine hat Rolf Meier ins Haus geholt. «Zwar gab es Höhen und Tiefen», sagt er.

Aber wenn das Restaurant mal eine Flaute hat, sind da immer noch die Bankette und Anlässe, die ein zentrales Standbein darstellen, sie bringen fast die Hälfte des Umsatzes ein. Das Parktheater als Ganzes ist ein gesellschaftlicher, kultureller und politischer Pol der Stadt. Der Weg dahin war nicht einfach: Der Wirt vor Rolf und Marietta Meier hatte den Betrieb in den Konkurs getrieben, Meiers mussten «bei null» anfangen. Für den nächsten Pächter wird es um einfacher. Manfred Rüefli, Präsident der Genossenschaft Parktheater Grenchen, sagt, es sei das Verdienst des Wirtepaars Meier, dass sich der Betrieb profilieren und positionieren konnte. Meiers verlassen den Betrieb nicht unbedingt gerne. «Es wird schon richtig wehtun. Bereits jetzt beschäftigt uns das Abschiednehmen», sagt Rolf Meier. Danach geht es in eine neue, eigene Wohnung, mit den Kindern, die heute 17 und 20 Jahre alt sind.

Durchziehen bis zum Schluss

Natürlich gab es nicht immer nur Lob. Mal war das Essen nicht gut genug, mal zu teuer, mal der Service zu langsam. Vor zwei Jahren kam das Restaurant in der TV-Sendung «Bumann, der Restauranttester» ziemlich schlecht weg (wir berichteten). Das sieht Meier heute als Erfahrung. Er sei sogar ein wenig wachgerüttelt worden. «In den Jahren davor war nämlich langsam der Trott aufgekommen.» Vom TV-Auftritt sind nur das Salatbuffet und der rote Streifen an der Wand geblieben. Andere Vorschläge, wie das Entfernen der halben Mittagsmenüs, stellten sich als «fast geschäftsschädigend» heraus.

Rolf und Marietta Meier haben sich niemals beirren lassen und sind ihren Weg gegangen. Nur, jetzt sei es Zeit für etwas Neues. «Es war eine schöne Zeit, aber irgendwann ist es genug», sagt Meier. Wie es genau weitergeht, wisse er noch nicht. Aber so viel ist klar: Die Gäste will Rolf Meier bis zum Schluss in gewohnter Manier bewirten und bekochen. Eine saubere Übergabe und zufriedene Gäste wolle er. «Wir ziehen das voll durch, bis zum Schluss.»