Flughafenjobs
«Wir müssen in unserem Job immer topfit sein»

Für Flughafenberufe sind Verantwortungsbewusstsein und psychische Belastbarkeit das oberste Gebot. Die Bewegungen der landenden und startenden Flugzeuge wollen perfekt koordiniert sein.

Lara Eggimann
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Markus Binggeli, Chef Flugsicherung, im Tower des Flughafens. ler

Markus Binggeli, Chef Flugsicherung, im Tower des Flughafens. ler

Solothurner Zeitung

Flugverkehrsleiter ist einer der anspruchsvollsten Berufe auf dem Flughafen. Die Flugbahnen von bis zu 45 Flugzeugen müssen sie bildlich vor Augen haben, damit jedes den Mindestabstand zum anderen einhält. An die Auszubildenden werden deshalb rigide Anforderungen gestellt.

45 Flugzeuge auf einem Radar, die alle mit verschiedenen Geschwindigkeiten und Zielen unterwegs sind, dazu Wind und Wetter, die Einfluss haben – ein Flugverkehrsleiter muss dies alles im Griff haben. Seine Hauptaufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass der Mindestabstand zwischen den Flugzeugen von 9 Kilometern in der Breite und 300 Metern in der Höhe immer gewahrt ist.

Dies ist keine leichte Aufgabe. «Räumliches Vorstellungsvermögen und logisches Denken sind eine Grundvoraussetzung für diesen Beruf. Aber noch viel wichtiger ist die Erfahrung, die man durch die Jahre hindurch sammelt, um die Flugzeuge sicher und effizient lotsen zu können», erklärt Markus Binggeli, Chef Flugsicherung auf dem Flughafen Grenchen.

Hohe Anforderungen

An die Flugverkehrsleiter, auch Air Traffic Controller oder schlicht Fluglotsen genannt, werden dementsprechend hohe Anforderungen gestellt. Ein grosses Verantwortungsbewusstsein ist wichtig, denn jeder Fehler kann schlimme Folgen haben. «Am Tag vor der Arbeit länger in den Ausgang zu gehen und Alkohol zu trinken, geht nicht. Wir müssen immer topfit sein, wenn wir das Büro betreten», mahnt Binggeli.

Auch nach 25 Jahren auf diesem Beruf bereitet er sich jeden Morgen zehn Minuten lang mental auf das Kommende vor, damit er voll konzentriert seine Aufgaben angehen kann. Denn diese verlangen viel Kopfarbeit: «Ich speichere alles bildlich ab, was in den nächsten zehn Minuten passieren wird, und berechne die Flugbahnen der Flugzeuge. Es ist immer unser Ziel, die Flugsicherheit zu wahren und flüssige und effiziente Verkehrsabläufe zu erarbeiten.»

Acht Köpfe und drei Teams

In Grenchen regelt ein achtköpfiges Team den Flugverkehr, welches in drei verschiedene Abteilungen aufgeteilt ist. Die erste Abteilung arbeitet im Tower. Mit Sicht auf den ganzen Flughafen sind sie verantwortlich für den Verkehr im Nahbereich, für Starts und Landungen sowie Rollmanöver. Ausserdem integrieren die drei Tower-Angestellten den Sichtverkehr der Kleinflugzeuge und Helikopter in den übrigen Flugverkehr.

Die Abteilung APP, also die Anflugleitstelle, führt die Flugzeuge mittels Radar und Funk vom Start bis in die Luftstrassen. «Es ist wichtig, dass hier die Anweisungen über Geschwindigkeit, Kurs und Flughöhe genau überwacht werden», erklärt Binggeli. Die dritte Abteilung ist das Area Control Center (ACC), welches für einen flüssigen Verkehr in den Luftstrassen zuständig ist.

Theorie und Simulationsübungen

Bereits in der Ausbildung werden die Abteilungen unterschieden, weiss Markus Binggeli: «Die ersten sieben Monate bestehen aus Theorie und Simulationsübungen. Die fünf folgenden Monate spezialisieren sich die Auszubildenden auf eine der drei Richtungen.» Nach dem ersten Jahr folge ein Praktikum, welches je nach Grösse des Flughafens kürzer oder länger dauert. «Hier in Grenchen sind wir ständig auf der Suche nach neuen Leuten.

Das Problem ist, dass die Selektion sehr rigide ist und nur ein Bruchteil der Interessierten die Prüfungen besteht. Für Flugverkehrsleiter bestehen dieselben hohen Anforderungen wie für Piloten», erläutert Binggeli. Er selbst liebe seinen Job, weil er abwechslungsreich und spannend sei. Für ihn ist klar, dass er bis zu seiner Pensionierung nur das Eine machen will: Die Piloten sicher durch die Luft begleiten.

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