Grenchen
«Wir müssen für die Menschen denken, nicht für die Technik»

Am «Innovations-Frühstück» der Standortförderungen von Grenchen und Solothurn im Velodrome ging es am Freitag um die Creaholic SA aus Biel.

Andreas Toggweiler
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5. Innovationsfrühstück im Velodrome Grenchen
9 Bilder
Begrüssung durch Stadtpräsident François Scheidegger
Blick ins Publikum
Small Talk zum Frühstück
Innovativ: Wirtschaftsförderin Karin Heimann hat das Innovationsfrühstück erfunden
Inivationsfrühstück mit Katja Leu von Creaholic SA in Grenchen
Käfele gehört jeweils dazu
Erwin Fischer, Präsident des Industrie- und Handelsverbandes Grenchen
Inivationsfrühstück mit Katja Leu von Creaholic SA in Grenchen

5. Innovationsfrühstück im Velodrome Grenchen

Hansjörg Sahli

Sie ist eine Art Kultfirma geworden, die 1986 von Swatch-Erfinder Elmar Mock gegründete Creaholic SA in Biel. Sie zählt heute rund 55 Ingenieure und Materialwissenschaftler, Designer, Psychologen, Juristen und Marketingleute und hat illustre Kunden aus aller Welt, welche sie bei der Einführung und Umsetzung von Innovationen begleitet.

Katja Leu ist eine dieser 55 Mitarbeitenden, und sie liess das Publikum des «Innovations-Frühstücks» im Velodrome etwas hinter die Kulissen dieser Firma blicken, die laut Leus Angaben keinerlei Hierarchiestufen kennt, sondern «Dream Teams», die sich situativ je nach Auftrag bilden.

Technik als Mittel zum Zweck

Den Innovationsprozess beschrieb sie anhand des Beispiels der Swisscom, für welche sie sieben Jahre gearbeitet hat, bevor sie vor einem Jahr zu Creaholic wechselte und dort als «Human Centered Design Expert» tätig ist. Der Name sagt es schon. «Es geht zuerst einmal darum, aus der Sicht der Menschen zu denken, nicht aus der Sicht der Technologie.» Die Technik sieht sie als Mittel zum Zweck für ein positives Kundenerlebnis. «Wir müssen das Herz des Kunden erreichen.»

Nur, wie geht das in der Praxis? «Gut zuhören, beobachten und verstehen, was die Kunden wollen», sieht Leu als Voraussetzung. «Die Swisscom erzielt heute 8 Milliarden Umsatz mit Produkten, die es vor acht bis zehn Jahren noch gar nicht gab.» Die Digitalisierung habe den Einfluss der Kunden massiv ausgeweitet. Umso wichtiger sei es, Bedürfnisse zu erkennen. «Wir haben dadurch beispielsweise herausgefunden, dass die Eltern bei den All-in-One-Paketen die Surfgeschwindigkeit ihrer Kinder im Internet steuern möchten.»

Trial and Error

Schritt zwei: Lösungen im Sinn von Prototypen erarbeiten, ausprobieren, Feedback einholen, überarbeiten oder neu starten. «Auch Prozesse und Dienstleistungen können Prototypen sein.» Der iterative Prozess lasse zwar ein «Tal der toten Ideen» zurück. Diese gehörten aber auf dem Marsch zum Gipfel der erfolgreichen Produktevermarktung einfach dazu: «Fail fast, fail early, fail cheap», so brachte Leu diesen Prozess auf Neudeutsch auf den Punkt.

Creaholic bezeichne intern sieben «Design Skills», zu denen das erwähnte Lernen durch Ausprobieren gehört. Ein weiterer sei der Perspektivenwechsel, der durch intensive Zusammenarbeit verschiedenster Disziplinen entstehe. «Wer ein Problem immer nur aus einer Optik anschaut, bekommt einen Tunnelblick», erklärte Aymeric Niederhauser, ein weiterer Creaholic-Mitarbeiter, der nach dem Vortrag ebenfalls Red und Antwort stand.

Das Innovations-Frühstück, ein Projekt verschiedener Partnerorganisationen der Region Solothurn, wurde von der Grenchner Wirtschaftsförderin Karin Heimann ins Leben gerufen und fand am Freitag zum fünften Mal statt. Heimann zeigte sich erfreut, dass sich der Anlass etabliert habe und auch in Solothurn auf Interesse stosse. Dies kommt nicht zuletzt im Veranstaltungsort der nächsten Ausgabe zum Ausdruck. Am 5. Dezember wird man sich bei der Firma Carrosserie Hess in Bellach treffen.

Live-Hack im Parktheater

Bereits am kommenden Mittwoch laden der Handels- und Industrieverein und der Gewerbeverband zum «Grenchner Wirtschaftsforum» ins Parktheater ein, der laut IHVG-Präsident Erwin Fischer dem Thema «Cyberangriffe – Gefahr für die KMU?» gewidmet sein wird. «Ein Hacker wird sich für uns live eine Unternehmensseite vornehmen», stellte Fischer in Aussicht.