Die SWG steht wieder allein mit ihrem Windpark auf der ersten Jurakette. Die Bürger der bernjurassischen Gemeinde Court haben am Montagabend an der Gemeindeversammlung einen Überbauungsplan abgelehnt, der einer Baubewilligung für sieben Windturbinen entsprochen hätte. Diese Anlage wäre in direkter Nachbarschaft zum Windpark Grenchenberg gestanden und hätte Synergien sowohl beim Bau (Benutzung der Grenchenbergstrasse) als auch bei der Einleitung des Stromes ins Netz ausgelöst.

Wie die Gemeindeverwaltung mitteilte, stimmten 222 Bürger gegen den Plan und 93 dafür, was einem Nein-Stimmen-Anteil von etwa 70 Prozent entspricht. Der Energiedienstleister Energie Service Biel (ESB) hätte für 40 bis 50 Millionen Franken die bis zu 180 Meter hohen Windräder aufstellen wollen. Der Gemeinderat stand hinter dem Projekt.

Die Optik geht vor

Die Gegner des Windparks sagten, die dank der Windräder erzeugte Energie stehe in keinem Verhältnis zur visuellen Beeinträchtigung, welche durch den Windpark entstehe. Besser sei es, Strom zu sparen und Solarenergie zu nutzen. Wie regionale Medien berichteten, brachten die Gegner des Windparkprojekts an der Versammlung auch Bedenken wegen möglicher störender Geräusche vor.

«Die Vernunft gewann»: Das schreibt der Verband «Freie Landschaft Schweiz» in einer Mitteilung vom Dienstag. Der Entscheid zeige, dass die Bevölkerung nicht bereit sei, ihre letzten Erholungsräume zu opfern. Auch die Windparkgegner von Grenchen frohlocken. «Die städtischen Werke Grenchen müssen nun das Projekt Windkraft Grenchen redimensionieren», schreibt Pro-Grenchen-Präsident Elias Meier in einer Mitteilung, denn die Stromleitungen und das Unterwerk beim Untergrenchenberg seien «für mindestens 13 Turbinen ausgelegt». Meier beziffert die Kosten für die Stromleitung auf den Grenchenberg auf 14,1 Mio. Franken.

Windpark Grenchen nicht betroffen

SWG-Geschäftsführer Per Just stellt hingegen in Abrede, dass für die SWG Mehrkosten entstehen. «Das Nein von Court hat für das Projekt Windkraft Grenchen keine finanzielle Bedeutung», schreibt Just in einer Stellungnahme. Dies, weil die Netzverstärkung ohnehin von der nationalen Netzwerkgesellschaft Swissgrid rückvergütet werde. «Dass diese Netzverstärkung notwendig ist, wurde der SWG von der Elcom bestätigt», so Just.

Hingegen würden mögliche Synergien mit dem ESB-Projekt hinfällig. Die SWG habe aber von Anfang an ihre Berechnungen ohne diese allfälligen Synergien vorgenommen. Von Just werden die Kosten für die Stromabführung auf 7,6 Mio. Franken beziffert.

Enttäuscht zeigt sich erwartungsgemäss der Energieservice Biel ESB. Der ESB schreibt in einer Mitteilung von einer «verpassten Chance». Das Windparkprojekt Montoz-Pré Richard «wäre ein wesentlicher Beitrag des ESB zur Umsetzung der Energiestrategie der Eidgenossenschaft in der Region gewesen». Zehn Jahre lang habe das Unternehmen am Windparkprojekt gearbeitet. (sda)