«Wir rechnen mit rund 25 Millionen Kilowattstunden, die wir so jährlich produzieren können», erklärt Per Just, Geschäftsführer der SWG, die das Projekt umsetzt. «Damit lassen sich 5000 bis 6000 Haushalte mit Strom versorgen.»

Immer mehr konkrete Angaben zum Projekt werden bekannt: Die Anlagen sollen auf der ersten und zweiten Krete auf dem Plateau zwischen Unter- und Obergrenchenberg zu stehen kommen. Grundbesitzer sind die Bürgergemeinde Grenchen und die Burgergemeinde Lengnau. Die Standorte wurden mit aufwendigen Messungen festgelegt.

Der Kanton gab in einer Studie 2008 vor, dass an den Standorten von Windenergieparks mindestens eine Windgeschwindigkeit von durchschnittlich viereinhalb Meter pro Sekunde erreicht werden muss. Bei den gewählten Standorten auf dem Grenchenberg erreicht man einen Durchschnitt von sechseinhalb Metern pro Sekunde.

Frühster Baubeginn ist 2014

Noch wird nicht gebaut, und noch sind nicht alle Hürden genommen. Erst letztes Jahr wurde die Richtplananpassung des Kantons rechtskräftig. Das Verfahren blieb infolge von Problemen länger beim Bund «hängen», und erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahres gab dieser dann grünes Licht. Für Anlagen, die über 5 Megawatt Strom liefern - die geplanten sechs Windräder liefern zusammen 12 Megawatt - ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben.

Erst nach Abschluss derselben kann der Gemeinderat aufgrund der nun geschaffenen Rechtsgrundlage die Zone für Windenergie ausscheiden und die SWG kann ein Baugesuch einreichen. Frühester Baubeginn sei somit 2014, sagt Per Just, 2015 könnte man ans Netz gehen.

Radarsystem für Vogelschutz als weltweites Novum

Teil der Umweltverträglichkeitsprüfung seien auch Fragen zu Fauna und Flora, Fledermäusen und Vögeln, die durch die Windräder betroffen sein könnten (wir berichteten). Um herauszufinden, ob Fledermäuse gefährdet würden, hat man letzten Sommer zwei Messmasten aufgestellt, welche mit Hilfe von Ultraschalldetektoren die Bewegungen und die Anzahl der Tiere messen. Die Messungen würden im Frühling fortgesetzt, um genaue Ergebnisse zu erhalten, sagt Just.

Hier werden die Windräder stehen.

Hier werden die Windräder stehen.

Bereits jetzt habe man potenzielle Kritiker ins Boot geholt, erklärt der Geschäftsführer weiter. «Wir arbeiten zum Beispiel mit der Vogelwarte Sempach zusammen. Zugvogelrouten führen durch unser Gebiet, Vögel könnten verletzt werden. Andernorts stellt man während Flug-intensiver Zeiten die Anlagen ab. Wir haben vor, ein Radarsystem zu installieren, welches Vogelschwärme erkennt und einen Alarm auslöst, damit wir die Anlagen abschalten können. Das wäre ein Novum weltweit.»

Kein Risiko eingehen

Finanziert wird das ganze Projekt von der SWG. «Wenn wir alles so umsetzen können, wie geplant, sind wir ertragsmässig langfristig auf der sicheren Seite, weil der Strom über die kostendeckende Einspeisevergütung finanziert wird. Im Gegensatz zum Geldtopf für Photovoltaik-Anlagen ist derjenige für Windenergie noch voll. Wir können so das Marktrisiko ausschliessen. Und weil unser Geschäftsmodell über die ganze Laufzeit von 20 bis 25 Jahren genügend Ertrag abwirft, werden wir keine Mühe haben, die nötigen Mittel für die Investitionen zu beschaffen», sagt Per Just. Darum habe man bis jetzt nicht in Erwägung gezogen, zusätzliche Partner an Bord zu holen.

100 Tonnen schwerer Kran belastet Bergstrasse

Die Anlageteile der Windenergie-Anlagen auf den Berg zu bringen, ist alles andere als einfach. So können die bis 40 Meter langen Rotorblätter nicht zerlegt werden und wiegen sechs bis sechseinhalb Tonnen. Spezielle Transportfahrzeuge können die sperrigen Teile in Kurven aber senkrecht stellen und das so Problem entschärfen. Die Generatoren wiegen 20 bis 30 Tonnen, auch das sei machbar, meint Per Just, Direktor der SWG.

Was zur echten Herausforderung werde, sei der Kran, der die Generatoren bei der Montage auf 100 Meter Höhe hebt und ebenfalls auf den Berg muss. Dieser wiegt um die 100 Tonnen. An verschiedenen Stellen müsste aus diesem Grund die Tragfähigkeit der Bergstrasse verstärkt werden. Man will mit im Fels verankerten Betonelementen die Fahrbahn seitlich abstützen und ein Abrutschen verhindern.

Nach ersten groben Schätzungen betragen die Kosten dafür gegen 2 Mio. Franken; Kosten, die aber bereits im Gesamtprojekt enthalten sind. Nun prüfe man, ob die Zufahrt von Norden her von Court aus besser geeignet sei, weil sie nicht eine so exponierte Hanglage aufweist. Bevor man viel Geld in die Finger nehme, wolle man die andere Variante prüfen, erklärt Per Just, denn auch ein 40 Meter langes Rotorblatt durch die Stadt Grenchen zu manövrieren, sei nicht einfach. Auf der Nordseite habe man unter Umständen mehr Platz.