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Will Grenchen die «mia» wieder zum Leben erwecken?

So viele Messebesucher wie 2013 hatte es noch nie an der «mia», meinte damals Messeleiterin Caroline Möri. Der Andrang in die neue Halle war gross. Archiv Oliver Menge

So viele Messebesucher wie 2013 hatte es noch nie an der «mia», meinte damals Messeleiterin Caroline Möri. Der Andrang in die neue Halle war gross. Archiv Oliver Menge

Die CME Event GmbH hat der Stadt die Marke angeboten und der Verkauf wäre eigentlich unter Dach und Fach – jetzt müssen die Details verhandelt werden.

Wenn in Grenchen etwas als Gerücht herumgeistert, dann ist in der Regel etwas dran an der Sache. So auch an diesem Gerücht, das der Redaktion auf diversen Wegen zu Ohren kam: Die Stadt stehe in Verhandlungen mit Caroline Möri, welche die «mia» vor zwei Jahren zum letzten Mal in Grenchen durchgeführt hatte. Man wolle ihr den Markennamen «mia» abkaufen. Zwar wollte sich bis vor kurzem offiziell niemand dazu äussern, das Gegenteil behauptete auf diverse Anfragen hin aber auch niemand.

Der Verkauf des Namens war schon einmal Thema, nach der letzten «mia» 2013. Nur klafften die Preisvorstellungen von Inhaberin und Interessenten damals weit auseinander. Jetzt, 15 Monate später, unternimmt man also offensichtlich einen neuen Versuch. Und dem Gerücht zufolge soll der Betrag, um den es jetzt geht, nur noch ein Bruchteil dessen sein, worum ursprünglich verhandelt wurde.

Verhandlungsführer bei der Stadt ist allem Anschein nach Stadtpräsident François Scheidegger persönlich, der sich aber noch nicht dazu äussern will.

Es stellt sich heraus: Kein Gerücht, sondern Tatsache

Etwas Klarheit bringt Christof Möri, der Ehemann von Caroline und Zeichnungsberechtigter bei CME Event GmbH, der Firma von Caroline Möri, in die Sache mit der Marke. Diese sei markenrechtlich geschützt: «Wir haben den Namen ‹mia› bereits im Oktober 2012 beim Eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum angemeldet. Dieses wollte den Namen aber aus diversen Gründen nicht eintragen. In der Folge kam es zu einem Gerichtsfall, der vom Bundesverwaltungsgericht Mitte Dezember letzten Jahres zu unseren Gunsten entschieden wurde. Die 30-tägige Einsprachefrist ist inzwischen ohne Einsprache abgelaufen, aber die Marke mia ist noch nicht eingetragen, weil das Amt mit den Eintragungen in Verzug ist.»

Tatsächlich sei es so, dass zwischen der CME Event GmbH und der Stadt schon im letzten Sommer Gespräche im kleinen Kreis stattgefunden hätten, «sie wurden auf unsere Initiative hin aufgenommen», erklärt Möri. Auch mit anderen Interessenten habe man Verhandlungen geführt, die aber erfolglos geblieben seien. Man sei nach einigen Gesprächsrunden mit der Stadt, vertreten durch den Stadtpräsidenten und seinem Finanzverwalter, handelseinig geworden, Grenchen den Namen «mia» zu verkaufen und habe bezüglich des Preises Stillschweigen vereinbart. Nun gelte es im Grunde nur noch, an den Vertragdetails zu feilen. Denn die Stadt habe in ihrem Vertragsentwurf einige Bedingungen gestellt, die man so nicht akzeptieren und unterschreiben könne. «Wenn diese Details geregelt sind, werden wir einen Termin mit der Stadt vereinbaren und eine ‹offizielle Stabsübergabe› vornehmen.» Sie selber, also Caroline und Christof Möri, seien nicht mehr sonderlich daran interessiert, eine «mia» durchzuführen, würden aber ihr Know-how und ihre guten Beziehungen einem Veranstalter gerne zur Verfügung stellen. «Es wäre schön, wenn in Grenchen wieder eine ‹mia› stattfinden könnte, denn da gehört sie hin.»

Wird aus «Grega» wieder die «mia»?

Es liegt nahe, dass man der Nachfolgemesse wieder den alten, erfolgreichen und überall gut verankerten Namen geben möchte. Daniela Keller, die Messeleiterin der «Grega», hat von den Verhandlungen gehört, ist allerdings selber nicht involviert, wie sie sagt. Die Verträge für die «Grega 2015» sind allerdings unterschrieben und so könnte frühestens 2016 die «Grega» wieder zur «mia» werden, falls die Parteien sich einig werden. Aber einiges deutet darauf hin, dass man seitens der Stadt nicht nur Freude am Konzept der «Grega» hat und sich eventuell für die Zukunft einige Optionen offen-halten will.

Konkret wird Stadtpräsident Scheidegger nämlich bezüglich eines ganz bestimmten Punktes. So habe Daniela Keller beispielsweise laut darüber nachgedacht, den Lunapark an einen anderen Ort zu verlegen oder unter Umständen ganz wegzulassen, um mehr Platz für die Aussteller zu haben. Hier hat die Stadt bereits korrigierend eingegriffen und wurde mit Willy Marti, dem Luna-Park-Verantwortlichen der letzten Jahre, persönlich einig. An der «Grega» soll es wieder einen tollen Lunapark und Rummelplatz geben, auf einer separaten Fläche, welche die Stadt zur Verfügung stellt. «Das zieht Familien mit Kindern an und damit letztlich Messebesucher», sagt Scheidegger. Eine Messe ohne Rummelplatz sei einfach undenkbar in Grenchen. Auch sonst mache er sich Gedanken, wie man die Grenchner Messe – unabhängig vom Namen – positionieren wolle, einige Ideen seien vorhanden, aber noch nicht spruchreif.

Ein Rückblick auf die letzte mia und die nachfolgenden Wirren

Das Ende der «mia» in Grenchen war alles andere als erfreulich, so viel steht fest. Das az Grenchner Tagblatt hat in der Vergangenheit und insbesondere Ende 2013 mehrfach darüber berichtet. «Schuld» an der Misere war im Grunde das Wetter und das Velodrome Suisse, welches schon, bevor es gebaut wurde, als zukünftiger Austragungsort für diverse Veranstaltungen, so auch der «mia», bestimmt worden war. Im ersten Jahr der «mia» am neuen Ort stand das Velodrome noch im Bau und die Veranstalter hatten mit scheusslichem Wetter, Unmengen an Regen, sodass das Wasser an manchen tieferliegenden Orten in der Halle fast meterhoch stand, und mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen.

Und doch verzeichnete man einen Publikumsrekord, und ausser den Aussenständen und den Betreibern des Lunaparks hatte niemand Grund zu jammern. Hinter den Kulissen brodelte es aber gewaltig. Caroline Möri und ihr Mann Christof hatten alle Hände voll zu tun, schlugen sich mit nachträglich eingebauten Heizungen und unzufriedenen Bahnbetreibern herum. Zwischen ihnen und der Leitung des Velodrome gab es dem Vernehmen nach ebenfalls Zoff.

Möri stellte ein paar Monate nach der Messe im Spätherbst 2013 bei der Stadt den Antrag, die nächste «mia» 2014 am alten Ort, westlich des Stadions Brühl auf den Trainingsfussballfeldern, durchzuführen – und blitzte ab. In einem offenen Brief an die Aussteller auf der Homepage der mia konnte man danach lesen, dass es im Folgejahr keine «mia» gebe und man über die weiteren Schritte informieren werde. Das akzeptierte die Stadt nicht. Vertreter der Stadt und des Velodrome präsentierten in der Folge die fvf Messe-Event AG aus Frauenfeld mit Sandro und Daniela Keller als neue Messeveranstalter. Sie waren zuvor jahrelang Lieferanten der «mia» gewesen und waren selber Veranstalter diverser Messen in der Ostschweiz. Die «Grega» wurde geboren und anstelle der «mia» durchgeführt.

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