Mikrojet AG

Wieso verkauft sich das Mikrojet AG-Grundstück nicht?

Das Gebäude der Mikrojet AG an der Sportstrasse 51 wurde zeitweise von der Velodrome AG genutzt. Im hinteren Teil sind noch Fahrzeuge eingelagert.

Das Gebäude der Mikrojet AG an der Sportstrasse 51 wurde zeitweise von der Velodrome AG genutzt. Im hinteren Teil sind noch Fahrzeuge eingelagert.

Seit mehr als vier Jahren sucht man einen Käufer für das Grundstück und die stillgelegte Fabrik an bester Lage. Will der Besitzer zu viel dafür? Oder will keiner das Grundstück, weil es belastet ist?

Das Gebäude nördlich des Velodromes steht schon länger leer. In der grossen Halle im Nordteil sind lediglich zwei alte Kutschen, andere Fahrzeuge, Wohnwagen und ein Sattelschlepper sowie «Kleingemüse» eingelagert.

Gebäude und Grundstück gehören der Mikrojet AG, einer Firma, die Kleinteile aus Kunststoff herstellte, weiterverarbeitete und verkaufte.

Dahinter stand eine Aktiengesellschaft. Seit November 2011 befindet sich die Mikrojet AG in Konkurs.

Nun hat der Regierungsrat einen Beitrag über 65 000 Franken aus dem Altlastenfonds für eine technische Untersuchung bewilligt.

Erst historisch, dann technisch

«Dies ist ein normales altlastenrechtliches Verfahren», erläutert Jonas Tresch vom Amt für Umwelt.

Zuerst habe man eine historische Untersuchung vorgenommen, die das Konkursamt in Auftrag gegeben habe.

Bei einer «historischen» Untersuchung gehe es darum, festzustellen, was genau wo und mit welchen Stoffen hergestellt worden sei.

Darum, Hinweise zu finden, wo eventuelle Belastungen zu finden seien. Dies erreiche man durch Befragung von Zeitzeugen, zum Beispiel langjährige Mitarbeiter, die Auskunft über die Tätigkeiten im betreffenden Betrieb machen könnten, und durch das Studium eventuell vorhandener Akten.

«Aufgrund der Resultate der historischen Untersuchung können wir genau bestimmen, wo man in der technischen Untersuchung Proben aus dem Untergrund und/oder dem Grundwasser nehmen muss.»

Bei der Feststellung von Belastungen gehe es immer um Schutzgüter, also den Boden, das Grundwasser, fliessende oder stehende Gewässer an der Oberfläche und die Luft, die durch aus dem Boden austretende Gase belastet werde und die in ein Gebäude gelangen könnte.

Im Fall der Mikrojet AG untersucht man eine eventuelle Verschmutzung des Untergrunds und eine Gefährdung des Grundwassers, erklärt Tresch.

Eine auf die Untersuchung von belasteten Standorten spezialisierte Firma wird die technische Untersuchung in nächster Zeit an die Hand nehmen.

Bis im Frühling sollte die Untersuchung abgeschlossen sein und die Resultate vorliegen. Dann wird entschieden, was weiter geschieht.

Mehr als 70 belastete Standorte

Das Grundstück Nummer 1539 ist bei weitem nicht das einzige auf dem Gemeindegebiet Grenchens, das auf der interaktiven Karte mit den belasteten Grundstücken und Gebäuden des Kantons Solothurns figuriert: Im kantonalen Kataster der belasteten Standorte sind über 70 solcher Grundstücke oder Gebäude vermerkt.

Viele davon sind bereits untersucht und als belastet eingestuft, aber weder überwachungs- noch sanierungsbedürftig.

Zurzeit sind in Grenchen nur zwei Standorte sanierungsbedürftig, und zwar das Areal der ehemaligen Uhrenfabrik Baumgartner Frères an der Arnold Baumgartnerstrasse und ein unbebautes Grundstück nordöstlich des Alters- und Pflegeheims Kastels an der Kastelsstrasse, auf dem früher ein Wohnhaus und ein Bauernhof mit einer chemischen Reinigung standen.

Nördlich des Schmelzi-Quartiers und beim Standort an der Kastelsstrasse wurden bereits verschiedene Sanierungsvarianten geprüft. Als nächster Schritt wird die eigentliche Sanierung durchgeführt.

Seit mehr als vier Jahren zu

Die Mikrojet AG ging 2011 in Konkurs. Aktiven waren laut Konkursamt keine oder nur in ungenügendem Masse vorhanden.

Das wirklich Wertvolle ist der Boden, der ist aber verpfändet. Über den Zustand des Fabrikgebäudes lässt sich bis jetzt nicht viel sagen.

Während des Baus der Radrennbahn hatten sich die Bauleitung und die Betriebsleitung der Velodrome AG dort eingemietet.

Auch bei anderen Grossanlässen wie zum Beispiel der Tour de France oder den Rad-Europameisterschaften wurden einige Räume des Gebäudes zeitweise vermietet.

Dem Vernehmen nach ist das Dach nicht mehr dicht, es regne hinein, heisst es. Aber die Lage ist ideal für eine Firmenansiedlung oder -erweiterung mitten im Industriegebiet mit gutem Verkehrsanschluss.

Kaufinteressenten gab es und gibt es noch. Im Herbst 2013 beispielsweise lag dem Konkursamt im Rahmen einer Spezialliquidation ein Kaufangebot über 1,1 Mio. Fr. vor.

Nur fand dieses Angebot keine Zustimmung bei der Institution oder Privatperson, die der Mikrojet AG das Darlehen für das Grundstück gewährt hatte und die einen möglichst hohen Erlös aus dem Grundstücksverkauf erzielen möchte – um wen es sich dabei handelt, wird nicht bekannt gegeben.

Nur so viel konnte in Erfahrung gebracht werden: Es handelt sich nicht um eine Bank und auch keine Grenchner Person oder Institution.

Jegliche Kaufverfahren sind solange sistiert, bis die technische Untersuchung abgeschlossen ist und man weiss, ob und in welchem Umfang Sanierungsmassnahmen ergriffen werden müssen.

Die Kosten für die Untersuchungen und die Massnahmen werden zum Verkaufspreis dazugerechnet, denn schliesslich will der Kanton sein Geld, das er nun quasi «vorgeschossen» hat, auch wieder zurückerhalten.

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