Wurden Sie am Freitag auch von verkleideten, maskierten, schröcklichen und Angst einflössenden Kindern ultimativ dazu aufgefordert, sie mit ungesunden, dickmachenden, vor Zucker strotzenden und die Zähne zerstörenden Süssigkeiten zu versorgen? Ansonsten...

Mit einem solchen, aus den Vereinigten Staaten importierten Brauch wie Halloween – manche nennen ihn «Hallo Wien» – konnte und kann der Schreibende rein gar nichts anfangen, zumal dieser ausgerechnet auf dessen Geburtstag fällt und er eigentlich nie grosse Lust verspürte, seine eigenen Festivitäten durch die Bengel und Gören, die man nicht mal kennt, stören zu lassen. Und ausserdem, liebe Eltern, lasst euch gesagt sein: Nicht alles von «ennet em Teich» ist eine gute Sache. 

Die Kinder hingegen finden es toll, und das soll man ihnen auch gönnen. Wider besseres Wissen über kaputte Zähne, Übergewicht oder übermässigen Zuckergenuss. An einem Tag im Jahr über die Stränge zu schlagen, sollte erlaubt sein.

Ausserdem bot Halloween eine gute Gelegenheit, sich jetzt schon für die Fasnacht, die ja auch schon bald stattfindet, einzukleiden und sich mit fürchterlichen Accessoires wie falschen Wunden, künstlichem Blut, Skelett-Kostümen und -masken einzudecken, die man dann an der Fasnacht gleich ein zweites Mal verwenden kann.

Sinnvoll? Wahrscheinlich nicht. Aber offensichtlich kommerziell interessant, wenn man die Angebote in den Warenhäusern so betrachtet.

Seis drum, wahrscheinlich sind die meisten froh, ist der Spuk vorbei. In Grenchen «spukte» es an der Kürbisnacht ja bereits eine Woche vor dem eigentlichen Termin. Nur dass es hier im Gegensatz zu gestern nicht um den Grusel, sondern um den Glanz der Lichter in den wunderschön geschnitzten Kürbissen und in den Augen der stolzen Kinder am Umzug ging.

Doch nun zu einem ernsteren Thema: Heute ist Allerheiligen, der Tag, an dem man der Verstorbenen gedenkt. Die meisten Menschen in unserem Kulturkreis haben ein ambivalentes Verhältnis zum Tod. Was kommt danach? Der ewige Schlaf? Eine neue Existenz? Die Hölle oder das Paradies? Nichts? Fragen, die kein Mensch schlüssig beantworten kann, und das kann mächtig verunsichern. Was aber ganz sicher bleibt, sind Erinnerungen. Erinnerungen an schöne Stunden und Momente mit den Menschen, die uns verlassen haben. Und die Erkenntnis, dass der Tod meist unerwartet genau dann auftritt, wenn man ihn am wenigsten brauchen kann. Oder eben genau dann nicht kommt, wenn man gerne gehen möchte.

Der römische Dichter Horaz hat das geflügelte Wort «carpe diem» erschaffen, «pflücke den Tag». Es handelt sich um eine Sentenz aus der um 23 vor Christus entstandenen Ode «An Leukonoë». Horaz wollte mit der Schlusszeile als Fazit des Gedichts dazu auffordern, die knappe Lebenszeit im Heute zu geniessen und nicht erst am Tag danach. Aus diesem Grund: Heute gedenken wir der Verstorbenen, denken an die vergangene Zeit, die wir zusammen verbringen durften. Und an all den anderen Tagen sollten wir uns um die Lebenden in der Gegenwart kümmern.  Und um uns selber. Das Leben ist kurz genug.