Noch sei der Vertrag zwar nicht unterschrieben, aber das sei nur noch reine Formsache, sagt der 26-jährige Angel Rodriguez, der in Grenchen bereits das Kino Palace betreibt. Wie das Grenchner Tagblatt bereits letzte Woche berichtete, übernimmt der junge Kinoenthusiast auch das zweite Kino in der Stadt Grenchen, das «Rex» an der Bielstrasse. Dessen vormaliger Betreiber, Walter Loosli, hatte Ende April das Handtuch geworfen, nachdem er vor vier Jahren sehr viel Geld in die Modernisierung und Digitalisierung investiert hatte und sich entsprechend hoch verschuldete. Schulden, die er nicht mehr tilgen konnte, schon gar nicht mit den wenigen Kinobesuchern, die ins «Rex» kamen, wie Loosli sagte.

Diese Schulden müsse er zum Glück nicht übernehmen, sagt Rodriguez, Loosli habe das Meiste mit den Hausbesitzern geregelt. Auch sonst seien keine Investitionen nötig, das Kino sei auf einem Top-Niveau, sowohl technisch als auch vom Inventar her. Er könne sich jetzt voll und ganz dem Programm widmen, so Rodriguez, der in der Grenchner Kinowelt kein unbeschriebenes Blatt ist: Vor rund 10 Jahren begann er im «Palace» als Operateur und erlebte auch die Umstellung auf digital und 3-D. Der studierte Elektrotechniker wechselte vor drei Jahren nach Solothurn und wurde Mitglied des Teams im Kino Casablanca, wo er viel Erfahrung sammeln konnte. Anfang Jahr wurde er überraschend als Nachfolger der Zachs im «Palace» vorgeschlagen.

Synergien nutzen

«Mit zwei Sälen ist es tatsächlich wesentlich einfacher, das Programm zu gestalten: Man hat mehr Gestaltungsmöglichkeiten und man kann auch längerfristig planen», sagt der junge Kinofreak. Er könne nun Synergien nutzen, die beiden Kinos gegenseitig bewerben und Filme, welche im einen Kino zur Hauptzeit gelaufen seien und immer noch gute Besucherzahlen aufwiesen, im anderen Kino weiterlaufen lassen. «Auch werden wir eine Treuekarte einführen, beispielsweise nach 10 Kinobesuchen gibt es einen Gratiseintritt». Ebenso werden die Kinogutscheine, die für beide Kinos gültig sind, weitergeführt.

Das bestehende Team aus sieben Mitarbeitern werde er wahrscheinlich aufstocken und noch für weitere Personen einen Nebenjob anbieten.

«Das ‹Rex› ist das romantischere Kino», sagt Rodriguez. Unter diesem Gesichtspunkt werde er auch das Programm gestalten. Mainstreamfilme werden künftig eher im «Palace» gezeigt, romantische Filme und Studiofilme eher im «Rex». «Technisch sind beide Kinos auf dem allerneusten Stand, und von daher unterscheiden sie sich nicht.»

«Godzilla» zur Wiedereröffnung

Schon am kommenden Donnerstag wird das «Rex» wieder eröffnet, auf dem Programm steht «Godzilla», ein Remake mit der 1954 zum ersten Mal auf der Kinoleinwand erschienenen japanischen Monsterechse. Weitere Filmhighlights folgen, so unter anderem in den Sommerferien eine weitere Folge «Transformers», bevor dann Ende Jahr der letzte Teil des «Hobbit», das Sequel der «Hunger Games» und die Fortsetzung von «Horrible Bosses» über die Leinwand flimmern. Aber auch alternative Filme würden ihren Platz finden. Darüber hinaus könne er sich eine Belebung der beiden Kinos tagsüber mit Veranstaltungen für Firmen vorstellen.

Braucht längeren Atem

«Das war einfach nur Negativ-Werbung», meinte Rodriguez zum in der letzten Woche erschienenen Artikel über das Kino Rex. Der ehemalige Betreiber, Walter Loosli, hatte darin seine Gründe dargelegt, weshalb er in Grenchen das Handtuch wirft, und unter anderem auch festgestellt, dass es in Grenchen nicht einfach sei, ein Kino profitabel zu betreiben, sprich, genügend Kinobesucher vor die Leinwand zu locken. In der Stadt fehle ein Ausgangsangebot und die Leute führen deshalb eher nach Biel oder Solothurn, wenn sie ins Kino gehen wollen. «Grenchen ist eine tote Stadt», hatte Loosli provokativ gesagt.

«Wer will schon jeden Abend nach Solothurn?», so die Replik von Angel Rodriguez. Grenchen sei keineswegs tot, auch hier sei einiges los. «Aber es braucht halt einen etwas längeren Atem, um in Grenchen zu reüssieren.» Gute Ideen und ein gutes Angebot seien nötig, um die Leute ins Kino zu locken. Auch das Filmprogramm müsse entsprechend zusammengestellt werden. Das Angebot bisher sei zu klein gewesen. «Und man muss sich selber hinstellen und engagieren, selber vor Ort sein», so Rodriguez.

Tatsache ist: Das «Palace» und das «Rex» sind wieder vereint, ein junger Filmenthusiast hat dafür gesorgt.