Alain Hinzen, der mehrfache Weltmeister mit dem Liegerad, startete schnell und lag lange auf Kurs in Richtung 55 Kilometermarke. Auch wenn er gegen Schluss zu kämpfen hatte, absolvierte er seine Runden stets unter 17 Sekunden, der Zeit also, die zum Erreichen des Rekordes gerade so gereicht hätte. Der neue Rekordhalter vollendete auf dem ultraschnellen Oval, angefeuert von seinen Eltern und etlichen Radfreunden, etwas mehr als 219 Runden.

Er zeigte sich nach seiner Rekordfahrt verständlicherweise erschöpft, aber glücklich, auch wenn er gerne die 55 Kilometer geschafft hätte: «In der Euphorie bin ich vielleicht etwas gar schnell gestartet. Ich war mir aber stets sicher, dass ich den Rekord brechen werde. Härteste Gegner waren die Monotonie und die hohe Geschwindigkeit.» Er habe gewusst, dass es schwer werden würde. Man müsse sich im Kopf beschäftigen und immer wieder Teilziele anpeilen. Trotzdem beschleiche einen manchmal das Gefühl, die Zeit bleibe stehen, gab er weiter zu Protokoll.

Vorbereitungen zum Start von Alain Hinzen mit seinem Liegevelo im Tissot Velodrome

Vorbereitungen zum Start von Alain Hinzen mit seinem Liegevelo

Die Leistung von Alain Hinzen ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass die Vorbereitung nicht gerade ideal war. Er hat erst kürzlich einen neuen Job angetreten, musste den Umzug in eine andere Stadt organisieren, und schliesslich erwartet seine Frau schon bald Nachwuchs.

Dazu kommt, dass er sich kurzfristig für einen Wechsel der Kategorie entschieden hat, da er mit seinem unverkleideten Gefährt nicht so zurecht kam, wie er es sich gewünscht hatte. So setzte er eben auf das für ihn übliche Rennfahrzeug, die «Cobra», welche mit einer Heckverschalung und Frontantrieb ausgerüstet ist. Der Erfolg gibt ihm recht. Alain Hinzen hält auch die Weltrekorde über 100 Meilen, 6 Stunden und 12 Stunden.

«Aber ganz klar, der Stundenweltrekord ist die Königsdisziplin», hielt er unmissverständlich fest. Die äusseren Bedingungen mit hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit seien optimal in Bezug auf aerodynamisches Verhalten und Luftwiderstand gewesen. Dank Luftlöchern im Helm und dem Fahrtwind habe ihm die Hitze nichts anhaben können.

Stolze Leistung für Amateur

Der 33-jährige Ingenieur bestreitet auch Strassenrennen in der Amateurklasse, insbesondere Bergzeitfahren. Mit Quervergleichen soll man ja vorsichtig sein. Trotzdem sei angemerkt, dass Alain Hinzen auf seinem Liegerad knapp 300 Meter mehr zurückgelegt hat als Bradley Wiggins bei seinem immer noch gültigen Stundenweltrekord des Weltradverbandes UCI.

Er ist mit seinen 54,818 Kilometern selbstredend nun der Athlet, der im Tissot Velodrome in einer Stunde die weiteste Strecke zurückgelegt hat (bisher Rohan Dennis 52,491 Kilometer). Wahrlich mehr als nur beachtlich für einen Amateur-Rennfahrer.