Coronavirus

Wie wirkt sich die Maskenpflicht auf das Gewerbe in Grenchen aus?

Nachbarländer sind viel rigoroser, was die Maske anbelangt: Dort wurde die Maskenpflicht vor Monaten eingeführt.

Nachbarländer sind viel rigoroser, was die Maske anbelangt: Dort wurde die Maskenpflicht vor Monaten eingeführt.

Ähnlich wie im Schwarzbubenland sind die Einkaufsmöglichkeiten, wo man keine Maske tragen muss, nicht weit entfernt.

Liest man die Einträge in den sozialen Medien, die zum Zeitpunkt geschrieben wurden, als im Kanton Solothurn die Maskenpflicht eingeführt wurde, müsste man meinen, das ohnehin schon angeschlagene Gewerbe hier in der Stadt sei dem Untergang geweiht. Die Maskenpflicht gebe den serbelnden Einkaufsläden den endgültigen Todesstoss. Auch der Kantonale Gewerbeverband zeichnete einen Monat später ein düsteres Bild von eingebrochenen Umsätzen, Personalabbau und Entlassungen, alles nur, weil die Kundschaft beim Einkauf nun eine Maske tragen muss.

Die Situation in Grenchen ist zudem speziell, als dass der Kanton Bern, in dem noch keine Maskenpflicht herrscht, nahe liegt und das Einzugsgebiet der Stadt Grenchen beispielsweise auch die Berner Gemeinden «ännet» der Aare umfasst. Zudem ist Grenchen de facto mit der Berner Gemeinde Lengnau zusammengewachsen.

In Grenchen ist offenbar alles halb so wild

Der Gewerbeverband Grenchen beobachte die Lage und die Aktivitäten des «grossen Bruders» aufmerksam. Laut Präsident Heinz Westreicher gebe es für den GVG noch keinen Anlass, aktiv zu werden. Denn von den Mitgliedern habe er noch keine Rückmeldungen erhalten, die auf eine katastrophale Lage im Zusammenhang mit der Maskenpflicht hindeuten, sagt er auf Anfrage.

Hört man sich hingegen auf der Strasse um, gibt es schon die einen oder anderen, die beispielsweise ihre Einkäufe statt in Grenchen jetzt in Lengnau erledigen, wie sie sagen. Oder statt den Wochenendeinkauf in der eigenen Stadt zu tätigen, würden Grenchnerinnen und Grenchner vermehrt nach Biel in die grossen Einkaufszentren fahren, sei es im Bözingen- oder Brüggmoos oder in der Stadt selber – nebenbei bemerkt: Seit der Solomarkt in Solothurn zugemacht hat, trifft man im Manor Biel des Öfteren auch Solothurner, die dort Spezialitäten einkaufen oder das grosse Angebot an Fisch und Meeresfrüchten nutzen wollen, und das nicht erst, seit die Maskenpflicht im Kanton Solothurn eingeführt wurde.

Grossverteiler halten sich bedeckt

Konkrete Angaben, ob und wie sich die Maskenpflicht auf die Kundschaft und das Einkaufsverhalten auswirkt, können (oder wollen) die Grossverteiler Migros und Coop nur bedingt beantworten. Andrea Bauer, Mediensprecherin bei Migros Aare, welche nicht nur die Berner Filialen, sondern auch das Grenchner Migros Einkaufszentrum beliefert, sagt auf Anfrage, dass man diese Frage effektiv nicht beantworten könne. «Dafür müssten wir die Cumulus-Kundendaten analysieren, um festzustellen, woher die Kunden kommen, und das machen wir sowieso prinzipiell nicht.»

Das Einkaufsverhalten schwanke auch so, mit oder ohne Maskenpflicht. Zudem seien jetzt beispielsweise Herbstferien, wo beispielsweise Eltern mit den Kindern den wöchentlichen Einkauf im Westside erledigten, weil man anschliessend noch baden gehen könne. «Die Gründe, weshalb Kunden dort einkaufen, wo sie einkaufen, sind so vielfältig, dass es reine Spekulation wäre, daraus Rückschlüsse zu ziehen.»

Beim Grossverteiler Coop ist die Antwort auf die Frage, ob man schon Auswirkungen der Maskenpflicht habe feststellen können, so diplomatisch, dass es schon fast schmerzt: Man habe keinen Unterschied im Kundenverhalten feststellen können, in denjenigen Kantonen mit oder ohne Maskenpflicht. Die Kundinnen und Kunden in Kantonen mit Maskenpflicht würden sehr viel Verständnis zeigen, sagt Andrea Ruberti, Mediensprecher bei Coop Schweiz.

Allerdings scheint ein Teil derjenigen Kundinnen und Kunden aus dem ehemaligen Bürenamt, die bis vor der Einführung der Maskenpflicht am Wochenende jeweils in Grenchen eingekauft haben, jetzt vermehrt auf die bereits erwähnten anderen Einkaufsmöglichkeiten in Biel auszuweichen, ist unter vorgehaltener Hand von Coop-Mitarbeitern in Grenchen zu vernehmen. Offiziell will man sich aber offenbar nicht in die Nesseln setzen.

Die Kleinen spüren die Maskenpflicht eher

Bei kleineren Lebensmittelgeschäften scheint sich die Maskenpflicht etwas auszuwirken, wenn auch nicht mit gravierenden Folgen: Die Metzgerei Guex in Grenchen verzeichne über den Daumen gepeilt etwa einen Umsatzrückgang von 10%, sagt Cornelia Guex, die zusammen mit ihrem Mann Roland die Metzgerei an der Centralstrasse in Grenchen führt.

Im Gegenzug hat die Markthof Metzgerei an der Jungfraustrasse in Lengnau insbesondere am Samstag etwas mehr Kundschaft als gewöhnlich, sagt Inhaber Franz Bieri. Wobei er auch von Kundinnen und Kunden vernommen habe, dass sie lieber im Kanton Solothurn einkaufen würden, weil sie sich dort sicherer fühlen. Insbesondere ältere Personen zögen es vor, ihre Einkäufe mit Maske zu tätigen. Eine Beobachtung, die man auch in Biel machen kann, wo viele Leute es vorziehen, auch ohne Pflicht beim Einkauf Maske zu tragen.

Es ist davon auszugehen, dass sich das Thema dieses «Einkaufstourismus» über die Kantonsgrenzen hinweg über kurz oder lang in Minne auflöst, weil angesichts steigender Fallzahlen auch der Kanton Bern auf diesen Zug aufspringen und eine Maskenpflicht verordnen muss. Dann brauchen weder die Solothurner noch die Fribourger in den Nachbarkanton zu fahren, sondern können zu Hause shoppen.

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