Vor ziemlich genau einem Monat hatte die SWG während der öffentlichen Planauflage zu einem Inforundgang zum geplanten Windpark auf den Grenchenberg eingeladen. Etliche Fragen wurden beantwortet. Aber andere, insbesondre solche, welche sich um die zu erwartenden Lärmimmissionen drehten, konnten aus naheliegenden Gründen – noch stehen ja auf dem Grenchner Hausberg keine Windräder – nicht veranschaulicht werden.

SWG-Direktor Per Just sprach damals spontan eine Einladung zur Besichtigung des seit 18 Jahren bestehenden Windparks auf dem Mont Crosin aus. Dieser grösste Windpark der Schweiz ist mit 16 Windturbinen bestückt (auf dem Grenchenberg werden es deren sechs sein) und befindet sich ebenfalls auf den Jurahöhen.

Kaum ein Rauschen

Gesagt, getan. Eine Busladung voll Interessierter liess sich die Gelegenheit nicht entgehen und machte sich letzten Samstag auf Richtung Berner Jura. Die Sonne hatte längst den Nebel vertrieben, der Wind hingegen zierte sich ein wenig. Die Windräder drehten sich zwar, allerdings unübersehbar in nur geringer Frequenz. Beim Spaziergang war kaum ein Rauschen auszumachen. Erste Sprüche über den Lärm, oder besser gesagt über die Stille, machten die Runde. Man musste schon bis auf einige Meter an die neueste Anlage, ein 140 Meter hohes Gebilde, herangehen, um zumindest die Eigengeräusche der Turbine zu vernehmen.

Pierre Berger, einer der Verantwortlichen des Windparkes, versah die Besucher mit nützlichen Informationen. So erfuhr man, dass sich die 45 Meter langen Rotorblätter ab einer Windstärke von 7 km/h drehen würden. Strom werde ab 14 km/h produziert, wobei die Rotorgeschwindigkeit 9 bis 15 Umdrehungen pro Minute beträgt. In diesem Bereich bewegte sich die Windgeschwindigkeit während des Besuchs aus der Uhrenstadt.

Blick ins Innnenleben

Die Elektronik im Inneren des Turmes versorgte die Interessierten mit weiteren Daten. So war die modernste Windturbine in diesem Gebiet während der bisherigen einjährigen Laufzeit zu hundert Prozent in Betrieb, und zu 78 Prozent konnte auch Strom produziert werden.

Und wie steht es nun um die Lärmbelästigung? Im ungünstigsten Fall sei das Rauschen 200 bis 300 Meter weit zu vernehmen. Interessanterweise nimmt der «Lärm» bei zunehmendem Wind ab. Der die Jurahöhen umgebende Baumbestand absorbiere nämlich ab einer bestimmten Windstärke die Emissionen. Zu hören sei dann nichts mehr von den Windrädern. Die naturgegebenen Geräusche des Waldes behielten die Oberhand.

Der Juvent-Windpark versorgt übrigens 18 000 Familien im Berner Jura mit Strom. Und er ist für das eher strukturschwache Gebiet auch von wirtschaftlicher Bedeutung. 50 000 Besucher zählt man im Jahr. Nicht ganz die Hälfte davon entscheidet sich für einen geführten Rundgang. Das Infozentrum beschäftigt so acht Angestellte. Und natürlich profitiert auch die ansässige Gastronomie.

Diesen Weg wird man in Grenchen in diesem Ausmass nicht begehen. «Wir wollen nicht noch mehr Individual-Verkehr herbeirufen», erklärt Per Just unmissverständlich. Punktuell werde es natürlich Info-Tafeln geben. Als Auskunftspersonen sehe man Personen aus der lokalen Gastronomie vor. Eventuell könnten diese auch für einen «1st Level support» an den Windrädern geschult werden. Es versteht sich aber von selbst, dass zumindest während der Bauphase das Publikumsinteresse gross sein wird. «Da streben wir Lösungen mit dem öffentlichen Verkehr an», erklärt der Direktor der SWG weiter. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Per Just rechnet mit einem Baubeginn im günstigsten Fall im Frühling 2016