Grabmalkunst
Wie viel Aufwand das Geschäft mit dem Tod mit sich bringt

Die Bildhauerei Krebs setzt auf ungewöhnliche Mittel zur Verkaufsförderung ihrer Grabmalkunst. Lesen Sie hier, wie der Bildhauer seine Kunstwerke an den Mann bringen will.

Oliver Menge
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Ronald Krebs liest eine der zahlreichen Zeitungen, die er abonniert hat. Fotos: Hanspeter Bärtschi

Ronald Krebs liest eine der zahlreichen Zeitungen, die er abonniert hat. Fotos: Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Zwischen 40 und 50 Tageszeitungen und Anzeiger werden bei der Krebs Bildhauerei in Grenchen gelesen, und zwar täglich. Nicht etwa, dass Inhaber oder Angestellte News-Junkies wären. Denn nicht die lokalen, regionalen oder überregionalen Nachrichten interessieren, sondern einzig und alleine die Todesanzeigen. Darauf basiert das Geschäft von Ronald Krebs, der die Bildhauerei bereits in dritter Generation führt. «Wir haben mehr Tageszeitungen als das Bundeshaus abonniert».

«Jeder Mensch, der in der Schweiz auf einem Friedhof bestattet wird, mit Ausnahme von Bestattungen im Gemeinschaftsgrab, braucht einen Grabstein oder eine Grabplatte. Und genau das wollen wir in Erfahrung bringen: Ob der Bedarf an einem Grabstein besteht oder nicht», sagt Krebs. Zu diesem Zweck werden von den Angestellten zuerst alle Todesanzeigen aus den Zeitungen geschnitten, im Computer erfasst und die Telefonnummern der Angehörigen herausgesucht.

Danach rufen eigens dafür angestellte Telefonistinnen, momentan fünf an der Zahl, diese an und fragen nach, ob ein Grabstein gebraucht wird oder nicht. Falls ja – im Schnitt ist das noch bei 25 Prozent aller Todesfälle erforderlich – erhalten die Angehörigen der Verstorbenen einen Katalog der Bildhauerei Krebs mit Musterfotos der verschiedensten Grabsteine aus diversen Steinsorten inklusive Preisangabe.

Sieben Prozent Marktanteil

«Später werden diese Leute von Verkaufsberatern nochmals angerufen, um abzuklären, ob ein Stein aus unserem Hause für sie interessant wäre». Und da Krebs nicht nur regional sondern schweizweit tätig ist, ja sogar bis nach Lichtenstein Grabsteine liefert, benötigt er eben alle Tageszeitungen und Anzeiger, um an die Todesanzeigen zu kommen. Zusammen mit dem dafür nötigen Personalaufwand – also ohne Produktion, Bildhauerei und Vertrieb – entstehen so Kosten von rund 30000 Franken pro Monat.

Dieser Aufwand ist riesig, täglich fallen rund fünf Stunden Arbeit nur mit den Todesanzeigen an, aber er lohnt sich: Krebs hat inzwischen bereits 7 Prozent Marktanteil und möchte im Verlauf des nächsten Jahres auf 20 Prozent kommen. Kein unrealistisches Ziel, wie er meint. Es sei gut möglich, dass es in Kürze ein Gesetz gegen Werbetelefone gebe, und da müsse er schon im Vorfeld den Markt bearbeitet und besetzt haben.

Marmor aus Italien

«Nirgendwo erhält man Steine aus dem berühmten weissen Carrara-Marmor aus der Toskana so günstig wie bei uns». Schon sein Grossvater hatte mit den Carrara-Steinbrüchen gute Geschäftsbeziehungen gepflegt und davon könne er noch immer profitieren. Durch spezielle Abkommen sei es ihm möglich, Grosstransporte zu organisieren. Er gebe beim Steinbruch eine unbefristete Bestellung ab, und irgendwann Monate später würden dann 40 Tonnen Stein bei ihm abgeladen, zum Teil in grossen Platten, zum Teil schon fixfertig auf eine ungefähr passende Grösse zugeschnitten.

Aber auch andere Steinsorten, rund 40 an der Zahl, führt die Bildhauerei Krebs im Sortiment. Dazu kommen Eisenkreuze, die von einem Geschäftspartner, einem Eisenplastiker in Österreich hergestellt werden und Holzkreuze, die ein Holzbildhauer am Thunersee schnitzt.

Jede Schweizer Gemeinde mit eigenem Reglement

Im eigentlichen Produktionsbereich arbeiten zehn Personen, sieben Bildhauer, darunter eine Frau und zwei Lernende in der Werkstatt und drei Personen im Büro. Dort befinden sich auch 30 Bundesordner voller Friedhofsreglemente, denn jede Schweizer Gemeinde hat ein eigenes Reglement, das zu beachten ist, wenn es um Farbe, Form und Gestaltung der Grabsteine geht: In manchen Gemeinden sind schwarze Steine nicht erlaubt, in anderen weisse verboten.

In einigen Gemeinden dürfen Bilder der Verstorbenen nicht auf die Grabsteine montiert werden, in anderen schon. «Bei jeder Bestellung müssen wir das entsprechende Reglement konsultieren». Nur eines ist überall gleich: Spätestens zwei Jahre nach der Bestattung muss das provisorische Holzkreuz durch einen Stein ersetzt werden.

Lockeres Verhältnis zum Tod

Über seinen eigenen Grabstein habe er sich noch keine Gedanken gemacht, sagt Ronald Krebs. Aber er selber habe ein lockeres Verhältnis zum Tod. «Leben und Tod gehören zusammen und ich bin Atheist. Der Friedhof ist für mich in erster Linie Arbeitsplatz». In seinem Büro liegen eine ganze Reihe von Grabstein-Bestellungen, die zu Lebzeiten getätigt wurden, aber für sich selber werde er sicher keinen Stein entwerfen. «Dafür bin ich noch zu jung. Aber ich will einmal beerdigt werden, eine Einäscherung kommt für mich nicht infrage.»

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