Flughafen Grenchen

Wie soll es nun mit der Pistenverlängerung weiter gehen?

Der Grenchner Flughafen ist für die Region ein Wirtschaftsfaktor.Andreas Toggweiler

Der Grenchner Flughafen ist für die Region ein Wirtschaftsfaktor.Andreas Toggweiler

Die Grenchner Parteien möchten die «beste Lösung» für den Flughafen. Doch sie sind sich uneinig, wie diese aussehen soll. Soll die Kantonsstrasse um die verlängerte Piste herumführen oder in einem Tunnel unter der Piste durchführen?

Im Juni hat der Regierungsrat zwei Lösungen für das Pistenverlängerungs-Projekt des Flughafens favorisiert und damit als zurzeit möglich bezeichnet. Die Frage ist jetzt: Soll die Kantonsstrasse um die verlängerte Piste herumführen (Kosten von 22 Mio. Fr.) oder in einem Tunnel unter der Piste durchführen (Kosten von 77 Mio. Fr.). Die Grenchner Parteien sind sich nicht einig.

Die Pistenverlängerung an sich ist bei den Grenchner Parteien unbestritten. Bei den Varianten scheiden sich aber die Geister. «Wir bevorzugen die Untertunnelung, weil dies der geringste Eingriff in die Natur bedeutet. Die Umfahrung ist unseres Erachtens ein noch grösserer Eingriff in die Witi-Landschaft als die Variante ‹Ost› und ein zu grosser Verlust von wertvollem Kulturland für die Bauern», erklärt CVP-Fraktionschef Andreas Kummer.

Bedürfnisse des Flughafens zählen

Anders tönt es bei der SVP: «Wir würden falls möglich die günstigste Variante bevorzugen», meint Fraktionschef Heinz Müller. «Nachdem das gegen Osten nicht geht, dann halt gegen Westen.» Wichtig sei, dass das Projekt die Bedürfnisse des Flughafens erfülle, betont Müller.

«Ich bevorzuge klar die Variante Umfahrung», meint auch SP-Fraktionschef Urs Wirth. «Dies nicht nur der Kosten wegen, sondern auch wegen des unsicheren geologischen Untergrunds.» Dieser ist für die auf den ersten Blick sehr hohen Kosten der Tunnellösung verantwortlich.

Keine Variante überzeugt

Hubert Bläsi, Gemeinde-Vizepräsident und FDP-Fraktionschef, schliesslich ist von keiner der beiden Varianten wirklich überzeugt. «Es besteht die Gefahr, Scheinlösungen kreiert zu haben.» Ist bereits eine Entscheidung nötig, würde Bläsi der Umfahrung den Vorzug geben. «Damit könnte zugleich auf das steigende Verkehrsaufkommen reagiert werden.»

In der Tat moniert Stadtpräsident Boris Banga, dass die Archstrasse zugleich Autobahnzubringer zur A 5 wie auch Verbindung Richtung Arch, Büren, Leuzigen und Bucheggberg ist. «Zu Stosszeiten ist die Strasse überlastet. Eine Trennung der beiden Verkehrsströme wäre unter Umständen sinnvoll», denkt der Stapi laut nach.

Wer soll das bezahlen?

Die Kosten für das Projekt werden sich der Flughafen, die Stadt Grenchen, der Kanton und der Bund teilen müssen, wobei der Kanton den Löwenanteil tragen müsste. «Mit der Ablehnung der variante Ost war dem Regierungsrat die kostspielige Kollision mit dem Autobahnzubringer bewusst», meint Kummer. «Wir hoffen auf die Solidarität der Kantonsbürger, die z. B. auch bei der Umfahrung Olten spielte», ruft Kummer in Erinnerung. Diese hat in der Tat ein Mehrfaches selbst der Tunnelvariante gekostet. Kantonsrat Bläsi sieht hingegen die dunklen Wolken am Finanz-Horizont: «Im Kanton wird ein markantes Sparpaket geschnürt und auf kommunaler Ebene sieht der Finanzplan tiefrote zahlen vor.» Auch er verweist darauf, dass der Kanton in den anderen Städten grosse Verkehrsvorhaben realisiert hat. «Jetzt ist Grenchen an der Reihe.»

Und die Wirtschaft?

Soll sich die Wirtschaft an den Kosten der Pistenverlängerung beteiligen? Sie würde ja von der Geschäftsfliegerei unter anderem profitieren: «Auf freiwilliger Basis ja», erklärt Heinz Müller, «denn die Firmen tun das Ihre bereits. Sie schaffen oder erhalten Arbeitsplätze, die mit dem Flughafen in Zusammenhang stehen.» Der Flughafen habe eine überregionale Bedeutung, weshalb sich auch angrenzende Gemeinden einen Beitrag überlegen sollten, meint der SVP-Vertreter.

Ost-Lösung nicht fallen lassen

Gäbe es eigentlich weitere Lösungen? Die Piste nach Osten und Westen gleichmässig erweitern? Wohl kaum: Dann müsste man Probleme gleich auf zwei Seiten lösen. «Rein geografisch wäre die Erweiterung nach Osten nach wie vor die sinnvollste Lösung, sagt Urs Wirth. Auch Bläsi sieht es so. «Man kann ja die Piste nicht an einen beliebigen Ort verpflanzen.» Die «Lösung Ost» ist so gesehen für ihn noch nicht gestorben. Vielleicht könne man auch die Pistenausrichtung ändern. «Die Variante Ost muss erneut auf den Tisch», fordert auch Kummer. «Sie ist weitaus am günstigsten und auch für die Umwelt zumutbar.»

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