Grenchen
Wie soll der Bahnhofplatz künftig aussehen? Diese vier Varianten stehen zur Diskussion

Der Gemeinderat Grenchen soll vorerst unverbindlich diskutieren, wie es mit dem Bahnhofplatz weitergehen soll.

Andreas Toggweiler
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Der Platz beim Südbahnhof soll neu gestaltet werden.

Der Platz beim Südbahnhof soll neu gestaltet werden.

Oliver Menge

Der erste Beschluss der Bau- und Planungskommission bzw. des Gemeinderates geht auf das Jahr 2007 zurück. Damals wurde ein Projektierungskredit mit dem Titel «Neugestaltung Bahnhofareal mit Busumsteigeplatz» bewilligt. Seither, so zeigt die Vorlage, die am Dienstagabend im Gemeinderat diskutiert werden soll, sind 15 weitere Beschlussfassungen der beiden Gremien zum Thema erfolgt. Nur: Der Bahnhofplatz beim Südbahnhof sieht heute noch genau gleich aus wie 2007. Und er war schon damals keine Augenweide.

Immerhin wurde inzwischen ein neuer Veloparkplatz realisiert und der Güterschuppen abgerissen. Dort ist heute das Park+Ride der SBB. Jetzt ist die Zeit bald reif für einen neuen Beschluss, findet die Stadt und legt dem Gemeinderat vier Varianten zur Diskussion vor. Der Gemeinderat soll sich im Sinne einer ersten Lesung mit der Materie vertraut machen und seine Präferenzen signalisieren.

Die Varianten

- Variante: Beibehaltung des Verkehrsregimes, östliche Verschiebung der Buskanten, westliche Verschiebung der Kurzzeitparkplätze, gebührenpflichtige Parkplätze beim «Hallgarten»-Gebäude; Kosten 4,2 Mio. Fr. (jeweils +/– 25%)

- Variante: Mittelperron: Verkehrsentflechtung gemäss Projekt 2009; keine Autos vor dem Bahnhof, Mittelperron als Bushaltestelle mit Dach, Kurzzeitparkplätze zwischen Kunsthaus und Migros (Hausabbruch) Kosten 4,2 Mio. Fr.

- Variante: Verkehrsentflechtung mit nahezu verkehrsfreiem Bahnhofplatz (nur Taxi), Kurzzeitparkplätze wie Variante 2; Busterminal ostseitig, Wendeplatz für Autos westseitig , Kosten 5,1 Mio. Fr.

- Variant: Teilweise Verkehrsentflechtung mit Priorisierung Autos und Taxis vor dem Bahnhof, Bushaltestelle Nord-Süd-Achse, Kurzzeitparkplätze und Taxi vor Bahnhof und Kunsthaus. Kosten 4,6 Mio. Fr. (at.)

Ist das nicht etwas unverbindlich für ein Projekt, von welchem allen fordern, dass es jetzt endlich vorwärtsgehen soll? – «Gut Ding will Weile haben», meint Stadtpräsident François Scheidegger sinngemäss dazu. Denn nicht einmal er selber hat sich bisher eine Meinung darüber gemacht, welche der vier Varianten die richtige ist, wie er einräumt.

Das zaghafte Vorgehen wird damit begründet, dass man zuerst eine Einigung über die Eckpunkte erzielen will. «Entgegen dem Vorgehen im Jahr 2009 soll mit einer detaillierten sowie kosten- und zeitintensiven Projektausarbeitung erst begonnen werden, wenn die grundsätzliche Verkehrserschliessung rund um den Bahnhof Süd durch einen Behördenentscheid festgelegt und genehmigt ist». Denn das 2009er-Projekt endete in einem politischen Seilziehen um Kosten und um die Verkehrsflächen für Autos und Taxis.

Auch nicht einfacher wurde es, als noch die Migros Ausbaupläne anmeldete. Nachdem sich diese mit der Landi nicht über den Kauf ihres Areals handelseinig wurde, kaufte die Migros vorerst einmal das Mehrfamilienhaus südlich ihres Gartencenters. Mit dem Grossverteiler habe man sich inzwischen über das weitere Vorgehen geeinigt, sodass man sich nicht mehr ins Gehege kommen sollte, erklärt Scheidegger.

Konrad Schleiss: «Nur mit Aggloprogramm»

Jetzt kommt aber noch eine weitere Klippe. «Für die Gestaltung des Bahnhofplatzes müssten unbedingt die Mittel des Agglomerationsprogrammes angezapft werden können, sonst können wir uns diese Investition angesichts der Finanzlage der Stadt gar nicht leisten», meint nämlich Konrad Schleiss, Präsident der Bau- und Planungskommission Bapluk. «Im Finanzplan haben wir 4,5 Millionen eingestellt für das Projekt. Die Varianten gehen bis 6,5 Millionen Franken», gibt Schleiss zu bedenken. Er ist der Überzeugung, dass keines der Projekte befriedigt. «Wir müssen grösser denken!», fordert er. «Wenn ich sehe, dass Olten für sein Bahnhofareal 50 Millionen ausgeben will, kommen wir mit diesen Ideen nicht weit.» Nur wenn Mittel eines Agglomerationsprogramms zur Verfügung stünden, sei überhaupt ein vernünftiges Projekt finanzierbar.

Insbesondere eine Velounterführung vom Stadtzentrum in die Sportzone müsse in die Planung einbezogen werden, meint Schleiss. Diese wird aber in der Vorlage explizit ausgeschlossen. Der Bapluk-Präsident meint aber, dass er eine Mehrheit des Rates überzeugen kann, auch wenn eine Realisierung dann frühestens 2023 möglich wäre, wenn die Agglomerationsprogramme 4. Generation in Kraft treten. Dass Grenchen, Bettlach und Lengnau mitmachen, ist überdies noch nicht offiziell beschlossen.

Eine Umsetzung der Bahnhofplatzpläne zu einem früheren Zeitpunkt müsste die Stadt allein finanzieren und erhielte allenfalls Beiträge vom Kanton, nicht aber vom Bund. In der Vorlage wird auf den Parkplatzfonds der Stadt verwiesen, der mit für einen «namhaften Beitrag» angezapft werden könnte.

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