Wie sich die Feuerwehr verändert hat

Freitagabendtalk im Kulturhistorischen Museum mit Aron Müller und Marco Kropf.

André Weyermann
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Aron Müller (links) und Marco Kropf diskutierten über die Entwicklung der Feuerwehr in Grenchen.

Aron Müller (links) und Marco Kropf diskutierten über die Entwicklung der Feuerwehr in Grenchen.

Bild: Roy Matter

Das Kulturhistorische Museum hat ein neues Format kreiert. Im Freitagabendtalk diskutieren Fachleute zu diversen Themen in einem offenen Gespräch, gefolgt von einem gemütlichen Zusammensitzen. «Ein Ort der Begegnung, um das Wochenende einzuläuten», wie sich Museumsleiter Marco Kropf ausdrückte. Diesmal ging es um die Feuerwehr, der ja noch bis Ende August eine informative Gastausstellung gewidmet ist.

Marco Kropf und Aron Müller, selber Feuerwehrmann und Kulturvermittler, unterhielten die Anwesenden in einem kurzweiligen Gespräch jedoch bestens. Aron Müller konnte sich bei seinen Recherchen auf das Stadtarchiv und auf das im Grenchner Feuerwehrgebäude untergebrachte Archiv des kantonalen Verbandes stützen. Die Idee der Feuerbekämpfung gebe es schon lange. Während man sich in der Antike und im Mittelalter vor allem auf das Verhindern des Übergreifens der Feuer auf weitere Gebäude beschränken musste, habe die technische Revolution zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu mehr Effizienz und zu gezielterem Eingreifen geführt.

Verheerende Feuersbrunst von 1864

Aron Müller führte die Besucherinnen und Besucher sodann in das verheerende Jahrzehnt um 1860 zurück, als in Grenchen gleich eine ganze Brandserie wütete. Insbesondere das Ereignis 1864 sei dank eines Augenzeugenberichts gut dokumentiert. «Damals geriet ein Gebäude beim heutigen Kino Palace in Brand. Durch den Wind angefacht, konnte das Feuer sich bis zum ‹Rössli› ausbreiten und grossen Schaden anrichten», erklärte Aron Müller. 24 Familien verloren Obdach, Hab und Gut. Versicherungen in der heutigen Form gab es noch keine. Durch Spenden von Nachbarn, Freunden und Vereinen, sowie einem von offizieller Seite ausgestellten «Bettelbrief» wurde die grösste Not gelindert. Besonders grosszügig zeigte sich der polnische General Marian Langiewicz, der die für diese Zeit immense Summe von 100 Franken beisteuerte und sich so dafür bedankte, dass ihn Grenchen in Zeiten persönlicher Gefahr aufgenommen hatte. Grenchen konnte auch auf die Hilfe der Nachbarorte zählen. So entsandten Biel und Solothurn Feuerspritzen (teilweise per Bahn). Im 20. Jahrhundert ging es rasant vorwärts. Ein Hydrantennetz wurde erstellt, Atemschutzgeräte erfunden und 1958 erhielt Grenchen das erste Tanklöschfahrzeug im Kanton. Heute fassen diese «fahrbaren Feuerwehr-Weiher» bis zu 3000 Liter. Dazu verfügt die Feuerwehr über eine Drehleiter, die bis 30 Meter ausgefahren werden kann.

Diese Veränderungen hätten, so Aron Müller, natürlich auch Auswirkungen auf die Korpsgrösse gehabt. Zählte dieses zu Beginn des Jahrhunderts noch gegen 240 Männer, so komme man heute mit knapp 100 Personen aus. Rekrutierungsprobleme kenne man kaum, wohl nicht zuletzt dank der Tatsache, dass die Grenchner Feuerwehr heute auch Frauen sowie Ausländerinnen und Ausländern offenstehe. Als sein markantestes Ereignis bezeichnete Aron Müller den Passage-Brand, bei welchem zum Glück keine Personen zu Schaden gekommen seien. Und überhaupt: Brände machten nur noch einen kleinen Teil der Arbeit aus, Elementarereignisse zum Beispiel führten häufiger zum Ausrücken der Feuerwehrleute.

Nächster Freitagabendtalk 28. August, 17 Uhr, zum Thema «Generationenwechsel im Gewerbe» mit Roland Guex und Philipp Egli.