Grenchen

Wie man ein Stofftier operiert

Kinder entdeckten im Rahmen des Ferienpasses die Geheimnisse einer Tierarztpraxis. Zur Operation am Stofftier warfen sich die Ferienpass-Teilnehmer wie Profis in Schale.

«Sind das echte Tiere?», staunt ein Bub, weil Toby und Taffy bewegungslos auf dem Boden des Sprechzimmers liegen. Die Mischlingshunde sind erfahrene Ferienpasshelfer. Tierärztin Irene Keller hat unzählige Kinder ihre Herzen abhören und mit der Hand den Puls fühlen lassen. In kleinen Gruppen erforschen 13 Kindergärteler und Schüler im Alter von fünf bis zwölf Jahren die Geheimnisse der Kleintierpraxis.

Nach Überwindung von Berührungsängsten wollen die Kinder die Tiere nicht mehr loslassen. Eifrig wickeln sie Verbände um Hundebeine. Nach kurzer Anleitung stellen sie sich ganz geschickt an dabei. Dann folgt der Höhepunkt im Hundeprogramm: Die Ferienpasskinder dürfen ein Brettspiel mit Hundeguetzli bestücken und diese mit Holzpflöcken abdecken und zusehen, wie Toby und Taffy die Klötze durch Rillen schieben, bis sie an die Belohnung kommen.

Eine Spritze fürs Stofftier

Im Operationssaal behandelt die Tiermedizinische Praxisassistentin Daniela Rätz ein Stofftier. Zuerst werfen sich die Kinder wie Profis in Schale. Latexhandschuhe, Haube und Mundschutz dürfen sie behalten. Dann geht die «Bauchoperation» los. Das Skalpell gibt Rätz nicht aus der Hand, doch beim Nähen dürfen die Kinder Hand anlegen. Geduldig erklärt die Praxisassistentin, wie die Fäden verknotet werden. Immer wieder vergessen Kinder, dass auf dem Tisch kein Lebewesen liegt. «Oh, das tut bestimmt weh», rufen sie mitleidig. Rätz beruhigt: «Wenn ein richtiges Tier operiert wird, bekommt es eine Narkose.»

Als die Praxisassistentin zur Spritze greift, erinnern sich die Kinder an eigene Erfahrungen mit dem unliebsamen Gerät. Auch zur Infusion, die Rätz zum Schluss steckt, haben die Zuschauer einiges zu sagen. Rätz freut sich am Interesse und der Anteilnahme. Weiter geht es zum Mikroskop, wo die angehenden Praxisassistentinnen Jennifer Gerber und Estelle Möschberger Parasiten-Präparate zeigen. Da ist das Interesse grösser als der Ekel. Doch die Kinder haben klare Ideen, was in der Tierwelt gut und böse ist. Als sich die Gelegenheit bietet, das Modell eines Hundegebisses in die Hand zu nehmen, greifen zwei Buben damit Zecken- und Flohmodelle an.

Kätzchen zählen

Bei der Analyse von Röntgenbildern zeigt sich, dass die Kinder den Darm leichter ausmachen als das Herz. Fasziniert zählen sie «Babys» im Bauch einer trächtigen Katze, ehe sie nebenan die Aktivierung eines echten Büsis mit fast verheiltem Beinbruch verfolgen. «Weil man der Katze nicht wie dem Hund sagen kann, was sie tun soll, lässt man sie unter Überwachung aus dem Käfig und schaut, dass sie nicht zu wilde Klettereien unternimmt», erklärt Chefin Irene Keller. Bei einem Becher Sirup verarbeiten die Kinder die Eindrücke vom Tierarztbesuch in Zeichnungen und widmen diese Toby und Taffy.

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