Grenchen

Wie man aus dem Grenchner Alltag ausbrechen kann

Käser Fred Fischer zeigt den Rodania-Leuten, wie man ein feines «Frisch-Mutschli» herstellt.  Hanspeter Bärtschi

Käser Fred Fischer zeigt den Rodania-Leuten, wie man ein feines «Frisch-Mutschli» herstellt. Hanspeter Bärtschi

Der Grenchner Stadtkäser führt auf dem Romontberg Menschen mit Behinderung in seine Geheimnisse ein. Dabei hängen die interessierten dem Käser an den Lippen.

Normalerweise sind sie in eine Tagesstruktur eingebunden. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnheims Rodania Grenchen haben Aufgaben und Pflichten und gehen morgens wie die meisten Menschen einer Arbeit nach. Während andere im Büro, auf der Baustelle oder sonst wo ihr Tagewerk verrichten, arbeiten sie in der hauseigenen Tagesstätte.

Vom Montag bis Mittwoch konnten nun zehn von ihnen aus dem Alltag ausbrechen und auf dem Romontberg oberhalb von Grenchen abschalten, die Natur geniessen und nicht ganz nebenbei lernen, wie man selber Käse machen kann. «Die Bewohner haben es sehr geschätzt», weiss Betreuerin Diana Hess zu erzählen. Eine habe regelrecht frohlockt: «Ich finde es ganz toll, dass ich endlich einmal nicht arbeiten muss.» Eine Aussage, die man bestimmt auch oft im Büro, auf der Baustelle oder sonst wo hört.

Interessiertes, dankbares Publikum

Von Montagmorgen bis gestern Mittwochabend waren insgesamt zehn Behinderte und sechs Betreuerinnen und Betreuer in der Berghütte Hochwacht auf dem Romontberg. Die Rodania-Wohngruppe «Alpha» besucht den Ort jeden Monat. Dieses Mal aber haben Leiter André Baerel und Diana Hess das Projekt nicht für die eigene Wohngruppe organisiert, sondern für eine gemischte, welche vor allem aus Bewohnern besteht, die nicht auf den Rollstuhl angewiesen und sprachlich einigermassen gewandt sind. Leiter André Baerel sagt: «Es sind die Starken, die wir hier haben. Wir wollten einfach auch einmal etwas für die anderen organisieren und nicht allein für die aus unserer eigenen Wohngruppe.» Projekte werden regelmässig organisiert.

Dienstagnachmittag fand das eigentliche Highlight des Bergbesuchs statt: Stadtchäser Fred Fischer ist zu Besuch und zeigt den Leuten, wie «im Chessi über em Füür» eigener Käse hergestellt wird.

Von Grenchen auf die Alp

Beeindruckend, mit wie viel Freude und Interesse die Rodania-Bewohner den kompetenten Erklärungen Fischers lauschen. Sie probieren von der Molke, «ui, das isch denn fein», sie geben Tipps für den späteren Käsenamen, «Alpöhi wär doch en guete Name, oder?». Auch wenn nicht alle gleich viel davon mitbekommen, auch wenn nicht alle im selben Mass aufmerksam sind, auch wenn 20 Mal gefragt wird, ob der Käse bald fertig sei – es wird gelacht, gewitzelt, kommentiert. Vom Milchholen bis zum Käseessen, vom Lab bis zum Salzbad lernen die Bewohner das ganze Prozedere kennen.

Der Käser selbst hat Erfahrung mit dem Käsen auf dem Berg, auch wenn auf dem Romontberg alles ein wenig improvisiert sei. Die letzten beiden Jahre wechselte Fischer im Sommer für vier Monate seinen Arbeitsplatz von Grenchen auf eine Alp oberhalb von Beatenberg. Rodania-Betreuerin Diana Hess ist begeistert: «Es war einfach super, wie spontan Fred unserem Projekt zugestimmt hat. Wir sind ihm ein grosses Merci schuldig.»

Fred Fischer selbst braucht das gar nicht. Er zieht – genauso wie die Gruppenbetreuer am Ende des dreitätigen Projekts – ein positives Fazit. Er hat es gern gemacht, nicht nur, weil die Rodania ein sehr guter Kunde ist. «Es ist ein dankbares Publikum, und ich teile meine Leidenschaft für das Käsen natürlich mit Freude», erklärt er. Fischer gibt das Merci gerne zurück. Besonders gefreut hat ihn die Herzlichkeit der behinderten Menschen. Eine Herzlichkeit, wie man sie im Büro, auf der Baustelle oder sonst wo vielleicht nicht so häufig findet.

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