Bäume haben die Eigenschaft, dass sie in die Höhe ragen. In der eben 100-jährigen Luftfahrtgeschichte der Schweiz gibt es viele Beispiele, wo sie zum Verhängnis von Luftfahrzeugen wurden. Auch in Grenchen kam es zu einer Kollision zwischen einer militärischen C-35 und einem Baum: Man schrieb den 23. Juli 1923. Eine Staffel von Häfeli-DH-5-Flugzeugen flog von Dübendorf nach Hilfikon im Kanton Aargau. Dort, in der Nähe von Wohlen, befand sich einst ein militärisches Flugfeld.

Der 26-jährige Leutnant Ernst Reber flog als Letzter an. Während des Endanfluges beobachtete er wahrscheinlich über die linke Motorenseite die Piste und bemerkte nicht, dass er sich auf der rechten Seite einem Baum näherte. Der Doppeldecker touchierte den Baum, wurde zu Boden gerissen und der Pilot so schwer verletzt, dass er vier Tage später im Kantonsspital Zürich verstarb.

Kollision mit Baum

Glimpflicher abgelaufen ist ein ähnlicher Unfall fast 20 Jahre später in Grenchen. Oberleutnant Charles Sandoz erhielt am 4. Dezember 1942 den Befehl, ein revisionsfälliges Aufklärungsflugzeug des Typs C-35 von Emmen nach Grenchen zur Firma Farner zu überfliegen. Dort sollte er mit einer frisch revidierten Maschine einen Kontrollflug machen und diese nach Emmen zur Truppe bringen. Zusammen mit Beobachter Oberleutnant Ernest Aubort startete er in Grenchen um 15.24 Uhr zu diesem Abnahmeflug mit dem Flugzeug C-127. Es war ein trüber Dezembertag: Die Wolkenuntergrenze war sehr tief und lag auf 150 Meter über Grund. Dadurch musste der Pilot relativ tief mithilfe von Motorenleistung anfliegen.

Charles Sandoz hatte wegen des herunterhängenden Wolkenplafonds aber nicht nur tiefer als gewohnt anzufliegen, auch der Landepfeil war wegen eines nahestehenden Fussballtors südlicher als sonst ausgelegt. Genau in der neuen Achse stand ein etwa 14 Meter hoher Baum. Als er anflog, bemerkte er den Baum nicht, wodurch es zur Kollision kam. Etwa einen Kilometer vor dem Platz «nahm ich im Gleitflug die Kurve, um in die gewünschte Landerichtung zu kommen», schrieb Sandoz am Tag nach dem Unfall in seinem Rapport. «Nachdem mir dies gelungen war, richtete ich meine Aufmerksamkeit auf den Landepfeil und die Höhe. Plötzlich hörte ich einen abnormalen Lärm und bemerkte, wie von den Flügeln Äste wegflogen.» In der Anflugkurve und beim Geradeanflug selber sei der Baum verdeckt gewesen.

Trotz Schäden an beiden Unterflügeln, der Verkleidung der Fahrgestell-Streben sowie einem Propellerblatt konnte Sandoz die Maschine normal landen. Das Flugzeug konnte aber nicht nach Emmen überführt werden, sondern musste bei der Firma Farner zur Reparatur bleiben.

Keine Strafe für Unfallpiloten

Der zuständige Untersuchungsrichter hielt später fest, dass der Baum der Aufmerksamkeit des Piloten nicht hätte entgehen dürfen. Aber die Platzverhältnisse in Grenchen lasse es als entschuldbar erscheinen, dass er seine volle Konzentration auf den Landeplatz gerichtet habe. Zudem wird er als seriöser und ruhiger Offizier geschildert.

Auch Sandoz’ Vorgesetzter, Hauptmann Nievergelt, hielt fest, dass der Pilot noch nie einen Materialschaden verursacht habe und immer mit der entsprechenden Vorsicht geflogen sei. Der Kommandant des Detachements 60 des Armeeflugparks beantragte, dass von einer Bestrafung abzusehen sei. Ebenso meinte der Untersuchungsrichter, dass der Sache keine Folge zu geben sei. Oberst Burkhard, der Kommandant des Armeeflugparks, konnte sich diesem Antrag anschliessen, worauf die Akten geschlossen wurden. Nievergelt wollte aber noch den Pachtvertrag mit dem Flugplatz Grenchen kontrolliert wissen, ob das Fussballtor, das sich zwar knapp ausserhalb des Flugplatzgeländes befand, überhaupt hätte aufgestellt werden dürfen.

Das Flugzeug kam bei diesem Unfall in Grenchen mit kleinem Schaden davon. Aber rund vier Jahre später wurde genau diese Maschine mit der Kennung C-127 total zerstört. Und das unweit von Grenchen: Auf einem Überflug von Payerne nach Dübendorf flog ein Wachtmeister des Überwachungsgeschwaders am 26. August 1946 bei wechselhaftem Wetter in eine Wolke, kam in einen unkontrollierten Flugzustand und musste sich mit dem Fallschirm retten. Die C-35 zerschellte auf freiem Feld beim Weiler «Rumistal» in der Nähe von Heimiswil bei Burgdorf.