Special Effects
Wie ein Grenchner zu seinem Oscar kam

Der Film «Blade Runner 2049» gewann für seine visuellen Effekte einen Oscar. Mitgearbeitet hat der Grenchner Yan Hirschbühl.

Lara Enggist
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Yan Hirschbühl mit der goldenen Statue: «Die ist übrigens ziemlich schwer».

Yan Hirschbühl mit der goldenen Statue: «Die ist übrigens ziemlich schwer».

zvg

Wir befinden uns im Jahr 2049, die Stimmung ist düster, die Welt von der Digitalisierung geprägt. Neben echten Menschen existieren auch künstliche Wesen, sogenannte Replikanten. Der Film lässt Realität und Fiktion verschmelzen.

Dass die düsteren Zukunftsvisionen im Film «Blade Runner 2049» so real erscheinen, dafür ist unter anderem der Grenchner Yan Hirschbühl verantwortlich. «Ich habe zum Beispiel an der grossen Hologramm-Frau gearbeitet», sagt der 36-Jährige. Für all jene, welche sich nicht wie Hirschbühl mit visuellen Effekten auskennen: ein Hologramm ist eine dreidimensionale räumliche Projektion eines Gegenstandes – in diesem Fall einer digital manipulierten Frau mit blauen Haaren und der Grösse eines Hochhauses. Neben vielen weiteren Aufgaben habe Hirschbühls Job darin bestanden, diese «unechte» Frau so lebendig und authentisch wie möglich erscheinen zu lassen.

An einem «Mammut-Projekt» wie «Blade Runner 2049» arbeiten mehrere Studios mit. «Alleine an den visuellen Effekten haben locker 400 bis 500 Personen gearbeitet». Laut Hirschbühl arbeiten manchmal bis zu 50 Personen während dreier Monate an einer einzelnen Szene. Doch wie kommt ein Grenchner überhaupt dazu, bei einem der bekanntesten Studios für visuelle Effekte in Hollywoodfilmen zu arbeiten?

Erste Anfänge in Solothurn

Yan Hirschbühl ist in Grenchen aufgewachsen und hat in Solothurn die Kantonsschule besucht. Mit einem Freund gründete er die Solothurner Firma «Hirschbühl und Hug», welche Unternehmen in Marketing- und Kommunikationsfragen unterstützt – auch auf digitaler Ebene. Nach der Kantonsschule habe er im Foto- und Videostudio Hegner in Solothurn erste Erfahrungen gesammelt.

Hirschbühl sagt von sich: «Ich bin immer auf der Suche nach etwas Neuem.» Das war wohl schon 2005 so: ohne Italienisch zu sprechen, zog es ihn 2005 in die «Sonnenstube» der Schweiz, nach Lugano. An der «Scuola universitaria della Svizzera italiana» (Supsi) absolvierte er den Bachelor in visueller Kommunikation. «Folglich musste ich da nebenbei Italienisch lernen», so Hirschbühl. Er habe nach dem Studium immer damit geliebäugelt, an grösseren Filmen mitzuarbeiten, «die Idee schien mir aber immer zu fern». Also liess er es bleiben. Vorerst.

Nach dem Bachelor begann er, an der Supsi zu unterrichten, und plötzlich war die Zeit reif; sein steter Drang nach Neuem und die Einstellung «man muss etwas riskieren, um sich weiterzuentwickeln» führten dazu, dass er seine Koffer packte und nach Kanada ging, um dort zu studieren und an den ganz grossen Hollywoodfilmen mitzuarbeiten.

Zwischen Realität und Fiktion

In Vancouver begann er, für die Effekte-Spezialisten «Double Negative» zu arbeiten. Seine Berufe nennen sich «VFX Compositor» und «visual effect artist». Für Normalsterbliche erklärt er: «Ich versuche aus realen und computergenerierten Elementen ein stimmiges, möglichst überzeugendes Gesamtbild zu komponieren». Dies tat er bereits für Filme wie «Startrek» oder «Wonderwoman», bevor im Frühjahr letzten Jahres die Arbeiten für «Blade Runner 2049» begannen.

Und wie sieht so ein normaler Arbeitstag aus? Normal existiere nicht wirklich, Routine stelle sich selten ein. Jede Szene sei anders und jeden Tag gelte es, neue Probleme kreativ zu lösen. «Kaffee! Die Qualität der Arbeit hängt von der Qualität des Kaffees ab», scherzt er. Denn die Arbeit könne stressig sein. Zeit ist Geld.

Zuerst sei wichtig, dass man alle Infos zur Produktion und zu den einzelnen Szenen habe. An täglichen Meetings bespreche das Team erste Rohversionen mit den «Supervisors», den Verantwortlichen des Projekts. «Dann betet man, dass man nichts vergessen hat.» Ganz wichtig sei nämlich, dass man Kritiken und Kommentare aus den letzten Sitzungen in seiner Arbeit berücksichtige. An einer einzelnen Szene arbeite man manchmal zwei bis drei Tage – und manchmal zwei bis drei Monate.

And the Oscar goes to ...

Was an den Effekten in «Blade Runner 2049» so speziell ist? Trotz der technischen Möglichkeiten gehe es in einem Film immer noch um die Geschichte und die Charakterentwicklungen. «Dass man für eine Weile in eine fiktive Welt hineingezogen wird». Hirschbühls Meinung nach müssen Effekte der Geschichte dienen und sollen niemals lautstark im Vordergrund stehen, «wie das bei all den Superhelden- und Riesen-Roboterfilmen der Fall ist». Diese wirken auf ihn nur noch ermüdend.

«Blade Runner 2049» fühle sich einfach realistisch an. Er habe den Film ein erstes Mal geschaut und gewusst, dem Regisseur war ein würdiger Nachfolger des 1982 erschienenen «Blade Runner» gelungen. «Ich schaute den Film ein zweites Mal und war mir sicher: Damit werden wir einen Oscar gewinnen», so Yan Hirschbühl.

Der Weltenbummler ist nun weitergezogen: «Zurzeit lebe ich in Montreal in Quebec.» Seine wahre Heimat sei aber immer noch die Region um Solothurn. So sehr ihm das Leben und die Arbeit im Süden Kanadas gefallen, seine Zukunft sehe er in der Schweiz. Er könne sich vorstellen, in der Schweiz im Fernsehbereich zu unterrichten. «Wer weiss, eine Schweizer Schule für visuelle Effekte wäre doch was.»