Geschichte
Wie ein Grenchner seine Frau verkaufte

Der «Solothurner Kalender» für das Jahr 1861 befasste sich, wie es sein Name versprach, mit dem ganzen Kanton, aber auch mit einer kuriosen Geschichte aus Grenchen.

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Kritisch befasste sich der «Solothurner Kalender 1861» mit Kaiser Louis Napoleon. Der Illustrator Heinrich Jenny zeichnete ihn als Befreier Italiens und erwähnte mit «Vive Mazzini» jenen Grenchner Bürger, der in der Geschichte, nicht nur jener Grenchens, eine wichtige Rolle spielte.

Kritisch befasste sich der «Solothurner Kalender 1861» mit Kaiser Louis Napoleon. Der Illustrator Heinrich Jenny zeichnete ihn als Befreier Italiens und erwähnte mit «Vive Mazzini» jenen Grenchner Bürger, der in der Geschichte, nicht nur jener Grenchens, eine wichtige Rolle spielte.

Zur Verfügung gestellt

Der Kalender, reich illustriert vom damals sehr bekannten in Langenbruck geborenen Künstler Heinrich Jenny (1824–1891), beginnt mit dem Kalendarium für das Jahr 1861, wobei selbstverständlich die Jahrmärkte, die monatlich bald hier und bald da stattfinden, nicht fehlen durften. – Ein Wort zu Jenny: Nach abgebrochenen Lehren etablierte er sich als gesuchter Schlachtenmaler. Unter anderem war er während des österreichisch-preussischen Krieges tätig. In Solothurn er von 1878 bis 1891 an der Kantonsschule als Zeichnungslehrer tätig. Er arbeitete als freier Illustrator für den «Postheiri» und illustrierte unter anderem ein Buch über den Sonderbundskrieg.

Schreckliche Nachricht

Unter dem Titel «Kuriositäten aus alter Zeit» berichtet der Kalendermacher die folgende aufregende Geschichte: «Im Jahre 1548 verkaufte Hans Stampfler von Grenchen seine Frau um eine Mass Wein. Sie scheint wirklich nicht viel mehr werth gewesen sein. Denn Derjenige, der sie kaufte, wurde bald reukäufig und wäre sie gerne wieder los geworden. Allein die Regierung machte nicht Spass, legte ihn in das Gefängnis und zwang ihn, mit ihr zu haushalten.» – Diese Geschichte, die eigentlich nicht Grenchner Wesen entspricht, führt zu Fragen. Sicher ist nur eine Sache, die Mass Wein – sie entspricht heute 1,5 Liter – stammte nicht aus Grenchner Weinbergen. So sauer mochte die Frau nicht gewesen sein. Die Geschichte ereignete sich zu jener Zeit, als die Männer ihre Zöpfe, Erinnerungen an die Zeit der Aristokratie, still und leise abschnitten.

Nicht so aber Schuhmacher Brotschi aus Selzach. Eines Tages war er bei Walker Klaus in Bettlach auf der Stör. Walker Klaus war bekannt für seine Witze: «Er weiss in einer halben Stunde mehr Witz, als mancher Kantonsrat in wochenlanger Sitzung.» Walker drohte Brotschi, er werde ihm gleichentags noch den Zopf abschneiden. Nach dem Znüni klopfte er Brotschi auf die Schulter und schnitt mit einer Schere scheinbar dessen Zopf ab. In Tat und Wahrheit hielt er ein Büschel Rosshaar in der Hand, an dem er herumschnipselte. Brotschi war überzeugt, dass sein Zopf gefallen sei und jagte seinen Widersacher quer durch Bettlach. Auf der wilden Jagd klatschte der Zopf ihm auf den Rücken, und als er sich vergewissert hatte, dass seine Kopfzier noch unversehrt vorhanden war, gab Brotschi die Verfolgung des Bettlachers Walker auf.

Irgendwann schien dann Brotschi doch noch das Sinnbild der alten Zeit der gnädigen Herren, seinen Zopf, abgeschnitten zu haben. Er wurde später als erfolgreicher Taubenzüchter bekannt, weshalb ihm der Dorfname «Dubebrotschi» verliehen wurde. Er war derart eng mit diesen Vögeln verbunden, dass er nach dem Brand seines Hauses nur sie als seinen Verlust meldete, die Ziegen aber und den gesamten Hausrat jedoch vergass. (rww)