Er ist Grenchner, arbeitete zuvor als Gemeindeplaner in Köniz und steht seit dem 1.Januar als Stadtrat dem Ressort Bau, Verkehr und Umwelt in Rapperswil-Jona (St. Gallen) vor. Thomas Furrers Werdegang zu diesem Exekutivamt ist wahrlich aussergewöhnlich.

Am Anfang stand ein Inserat. Dieses hatte ein Ausschuss mit Vertretern des Gewerbes sowie der FDP, GLP und EVP von Rapperswil-Jona geschaltet, um Personen für das Amt des Bauchefs zu suchen. Im Kanton St. Gallen ist es nämlich möglich, auch als Auswärtiger zu kandidieren. Nachdem sein Dossier als bestes (von 14) angesehen wurde, hatte sich Thomas Furrer einer Volksabstimmung zu stellen. Dort wurde er im zweiten Wahlgang – im ersten hatte er das absolute Mehr um lumpige vier Stimmen verpasst – klar gewählt. Pikantes Detail dabei: Nur die SVP und die «eigenen» Sozialdemokraten – Furrer war SP-Präsident in Grenchen und vertrat diese auch in der Bau-, Planungs- und Umweltkommission sowie als Ersatz-Gemeinderat – hatten ihn nicht von Beginn an unterstützt.

Die Luft ging ihm nie aus

Dass er sich schliesslich doch durchsetzen konnte, spricht für seine Kompetenz, Ausgeglichenheit und seine Kommunikationsfähigkeiten. «Geholfen hat mir sicher auch, dass Köniz letztes Jahr den begehrten Wakker-Preis zugesprochen bekam», fügt Thomas Furrer hinzu. Tatsächlich hatte er im letzten halben Jahr ein wahres Marathon-Pensum zu bestehen. Neben seiner Tätigkeit als Stadtplaner in Köniz besuchte er abends Podiumsgespräche und stellte sich den Parteien in Rapperswil-Jona vor. Dass ihm dabei nie die sprichwörtliche Luft ausging, dürfte auch auf seine Affinität zum Sport zurückzuführen sein. Immerhin beendete er als Läufer elfmal den Grand Prix Bern, und beim Engadin Skimarathon erreichte er gar die letzten siebzehnmal das Ziel.

Thomas Furrer hat zwar vor gut 20 Jahren in Rapperswil sein Studium als Raumplaner absolviert, seither aber kaum mehr Kontakte zur Region gehabt. Ihn habe einfach die Kombination aus politischem Amt und Fachkompetenz angesprochen, erklärt er auf eine entsprechende Frage. Rapperswil-Jona sei nach der Fusion – die beiden Gemeinden hatten sich 2007 zusammengetan – eine städteplanerische Herausforderung und mit fast 27000 Einwohnerinnen und Einwohnern eine attraktive Kleinstadt am Zürichsee. «Es stehen verschiedene spannende Bauprojekte an, und vor allem muss das Problem mit dem Durchgangsverkehr gelöst werden», fügt er bei.

2,6 Millionen für den Kunstrasen

26000 Fahrzeuge hat die Gemeinde pro Tag zu verkraften. Eine knifflige Aufgabe, welche Grenchen bereits elegant gelöst hat. «Das stimmt», sagt dazu Thomas Furrer. «Dafür hat Rapperswil-Jona kürzlich einem 2,6 Millionen-Kredit für einen Kunstrasen zugestimmt», fügt er schmunzelnd hinzu.

Da sich der 45-Jährige verpflichtet hat, innert eines Jahres am Zürichsee Wohnsitz zu nehmen, ist auch seine Familie betroffen. Seine Frau Tanja Beyeler wird ihren Stoffladen in Lyss aufgeben müssen, möchte mit einem neuen Laden in Rapperswil-Jona aber weiterfahren. Tochter Mirja und Sohn Andrin werden ab Mitte dieses Jahres eine neue Schule besuchen. Das Haus an der Allmendstrasse soll verkauft und am neuen Wohnort eine geeignete Familienwohnung bezogen werden. Als Übergangslösung hat er für sich ein Zimmer gefunden. Natürlich sei das Ganze auch für seine Familie eine grosse und nicht ganz einfache Umstellung und der Familienrat habe mehr als einmal getagt. Schliesslich könnten aber alle die Entscheidung mittragen. Furrers Überzeugungskraft und Kommunikationsfähigkeiten dürften auch hier gefragt gewesen sein.