Historisch
Wie drei arbeitslose Männer 1937 die berühmte Staader Eiche retteten

Drei arbeitslose Männer zogen 1937 einen uralten Eichenstamm bei Staad aus der Aare. Heute allerdings sucht man hier den Eichenstamm vergebens.

Rainer W. Walter
Merken
Drucken
Teilen

Zur Verfügung gestellt

Der berühmte Solothurner Chronist Anton Haffner berichtete 1666 in seiner Chronik, im Gebiet von Staad befinde sich der schönste und grösste Eichenwald des Landes. Dass es sich tatsächlich um einen grossen Wald gehandelt haben musste, der die Grenzen von Staad bei weitem überschritt, geht daraus hervor, dass in zahlreichen Flurnamen in Staad selber und jenen angrenzender Gemeinden das Wort «Eiche» vorkommt. Zur Zeit Haffners war das «Staader Hölzli» 45,75 Jucharten gross. Insgesamt war der Wald in 109 Rechte geteilt, deren Nutzniesser nur etwa zur Hälfte in Staad lebten. Die Staader aber besassen das Recht, ihr Vieh im ganzen Waldgebiet weiden zu lassen. Das allerdings führte nicht selten zu Auseinandersetzungen, weil den Staadern vorgeworfen wurde, sie betrieben eine «intensiv Nutzung». 1824 erlaubte die Solothurner Regierung den Staadern, die Hälfte des Waldes zu roden und zwei Jahre später wurde auch die zweite Hälfte abgeholzt. Geblieben sind Flurnamen wie «Eichholz».

Man wusste, dass seit uralten Zeiten ein Eichenstamm im Aarewasser lag, etwa 20 Meter vom solothurnischen Ufer entfernt. Immer wieder versuchte man, diesen prächtigen Stamm zu bergen, doch immer vergebens. 1937 gelang es drei Arbeitslosen aus den Gemeinden Aegerten und Busswil: Mithilfe einfacher Zuggeräte und mit Unterstützung durch die Staader Bevölkerung, gelang es den drei, den Stamm ans Ufer zu ziehen. Der Stamm war 6 Meter lang, besass einen Umfang von 6.4 Meter und einen Durchmesser von 2 Meter. Man versuchte, das Alter des Stammes festzustellen, doch eine genaue Datierung war selbst für die eidgenössische Versuchsanstalt in Zürich schlicht unmöglich. Allerdings schätzte man, dass der Stamm einige hundert Jahre alt sein musste.

Am 7. Dezember 1938 beschloss der Solothurner Regierungsrat, es sei den drei Männern für die Bergung der Eiche zusammen 1'200 Franken aus der Staatskasse auszurichten. Der Baumstamm gehöre dem Staate Solothurn, und die Stadt Grenchen wurde verpflichtet, ihn aufzubewahren. Damit übernahm Grenchen die Verpflichtung, «für seine Erhaltung auf eigene Kosten zu sorgen und die Kosten des Transportes an den Aufbewahrungsort zu tragen.» In der Folge konnte der mächtige Baumstamm in Staad bewundert werden und galt als eigentliche Sehenswürdigkeit, eine echte Attraktion.

An dieser Stelle endet die Berichterstattung im «Grenchner Heimatbuch» von Werner Strub. Allerdings, die Geschichte endet hier – noch – nicht, sondern geht weiter: Man schrieb das Jahr 1965 oder 66, als in der Gemeinderatskommission der Stadt Grenchen der Sozialdemokrat Werner Stauffer, ein Landwirt, der den letzten Staader Hof in westlicher Richtung gegen Reiben zu bewirtschaftete, seine Ratskollegen darauf aufmerksam machte, dass es der sagenhafte Staader Eiche nicht besonders gut gehe und dass sie stark unter der Witterung leide. Werner Stauffer schlug vor, den Stamm zu überdachen oder sonstwie vor Witterungseinflüssen zu schützen.

In der Folge wurde in Zusammenarbeit mit verschiedenen Forstfachleuten abgeklärt, welche Massnahmen getroffen werden müssten, um dem Stamm eine Überlebenschance zu gewähren. Eines Tages war es so weit, der Stadtammann teilte den Mitgliedern der Gemeinderatskommission mit, die Abklärungen hätten dies und das ergeben – auf jeden Fall, sei die Rettung der Staader Eiche so billig nicht zu haben und die Ratskollegen müssten einem entsprechenden Nachtragskredit zustimmen. Werner Stauffer verlangte darauf das Wort und sagte: «Meine Herren, die Sache hat sich erledigt. Gestern haben wir die letzten Reste der Staader Eiche weggewischt.»