«Region im Aufbruch» lautete die Affiche, unter der sich die lokale Wirtschaftsprominenz anlässlich der Grega im Velodrome versammelte, um den offensichtlichen Wohnbau- und Wirtschaftsboom am westlichen Jurasüdfuss und im Seeland zu thematisieren.

Allen voran in Biel, das seit der Expo 02 sein Stadtbild nachhaltig verändert und daran ist, die zweite, noch markantere Stufe zu zünden, wie Thomas Gfeller, Delegierter des Stadtmarketings Biel ausführte. Allerdings habe die Stadt noch immer Altlasten aus der Uhrenkrise zu bewältigen. Vorrangig sei die Bereinigung der Strukturprobleme im Wohnungspark.

Zweisprachigkeit als Trumpf

Schon fortgeschritten ist die Stadt in der Diversifikation des Branchenmixes, wobei die Zweisprachigkeit helfe, Dienstleistungs- und IT-Betriebe anzusiedeln. Einige baulich «ganz grosse Kisten» sind in Biel in der Pipeline oder, wie die Stades die Bienne, bereits im Entstehen. Gfeller erwähnte ferner den geplanten Fachhochschul-Campus und die Wohnüberbauungen Agglolac direkt am See sowie Esplanade beim Kongresshaus. Ferner stehe der Baubeginn für einen neuen Hauptsitz der Swatch Group bzw. der Marke Omega unmittelbar bevor.

Die weitere Entwicklung steuere die Stadt in erster Linie über eine aktive Bodenpolitik. Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri zeigte einen Kontrapunkt auf mit einer stark aufs Wohnen ausgerichteten Stadt mit einem vielfältigen kulturellen Angebot. «Die Industrie befindet sich in Solothurn traditionell in der Agglomeration und das wird auch so bleiben», sagte Fluri. Dafür verfügt die Stadt ebenfalls über grossflächige Wohnbau-Projekte wie die Überbauung Weitblick und das Projekt der «Wasserstadt» direkt an der Aare, das allerdings noch einige Hürden bewältigen muss. Institutionell erhoffe sich Solothurn Schub aus einer angedachten Gemeindefusion mit den Agglogemeinden, «auch wenn eine solche vielleicht erst im zweiten oder dritten Anlauf gelingt», wie Fluri meinte.

Die Seeländer Gemeinde Lyss ist in den letzten Jahren markant gewachsen, auf inzwischen über 14 000 Einwohner. Wie die Stadt, welche noch immer ein grosses Dorf sein will, damit umgeht, erläuterte Gemeinderat Stefan Nobs. Die Herausforderung bestand unter anderem in der Wiederbelebung des Zentrums nach der Aussiedlung der Grossverteiler. Etliche Überbauungen sind auch nach der Realisierung des Lyssbach-Parks in der Pipeline, die grösste (Beundengasse) ganz im Westen inklusive der Realisierung eines neuen Bahnhofs.

Zwischen Biel und Solothurn

Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger oblag es schliesslich, die spezifischen Probleme und Herausforderungen der Uhrenstadt darzulegen – wobei sich diese oft mit den Nachbarstädten überschneiden: die Strukturprobleme im Wohnungsmarkt und der hohe Ausländeranteil mit Biel, der Branchenmix im Zentrum mit Lyss. Grenchen profitiere hingegen auch von einem Boom im Wohnungsbau und könne dank den schönen Wohnlagen und der guten Verkehrsanbindung auch wieder gute Steuerzahler anlocken. Nicht zu vergessen, so Scheideggers «ceterum censeo», die Bedeutung des Flughafens für die Industrie am gesamten Jurasüdfuss.