Grenchen
Wie das Bachtelen vom Sozialheim zur Sprachheilschule wurde

Die neuste Geschichte und die Zukunft des Bachtelen, des Zentrums für Verhalten und Sprache, war Gegenstand einer Gesprächsrunde im Kulturhistorischen Museum.

Andreas Toggweiler
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Rainer W. Walter, Brigitte Meier, André Weyermann, Anton Meier, Karl Diethelm und Hans Herrmann (v. l.) diskutierten über den Wandel im Bachtelen.

Rainer W. Walter, Brigitte Meier, André Weyermann, Anton Meier, Karl Diethelm und Hans Herrmann (v. l.) diskutierten über den Wandel im Bachtelen.

Andreas Toggweiler

Noch bis Mitte Jahr läuft im Museum eine Sonderausstellung zur Geschichte des Kinderheims Bachtelen. Im vergangenen Jubiläumsjahr wurde vor allem historische Aspekte der Institution gewürdigt. Die neuste Entwicklung in der 125-jährigen Geschichte, diejenige vom Sozialheim zur heilpädagogischen Institution mit kantonalem Leistungsauftrag, stand jetzt im Zentrum einer Diskussionsveranstaltung.

Gesprächsleiter André Weyermann konnte dabei «Oral History» betreiben mit ehemaligen Bachtelen-Mitarbeitenden, welche diesen Umbruch in ihrem Berufsleben miterlebt- und mitgestaltet haben: Anton Meier (Leiter von 1968 bis 1995), Brigitte Meier (Sozialpädagogin) und die Lehrer Rainer W. Walter und Hans Herrmann diskutierten mit dem heutigen Bachtelen-Gesamtleiter Karl Diethelm.

Nötige Professionalisierung

«Wohl an die 200 Jahre Bachtelen-Berufserfahrung sind hier versammelt», meinte denn auch der Gesprächsleiter zu Beginn. Dass diese Referenten aus dem vollen schöpfen konnten, war damit klar. Prägende Elemente waren die Professionalisierung und der damit einher gehende Rückzug der Ingenbohler Schwestern, die während Jahrzehnten das Rückgrat für die Betreuung der Zöglinge bildeten.

Anton Meier erinnert sich: «Als ich 1968 übernahm, arbeiteten die Schwestern während 7 Tagen der Woche. Ich habe ihnen dann gleich einen Tag frei gegeben, später zwei. Doch dann kamen manche zu mir und klagten , sie wüssten nichts anzufangen mit ihrer Freizeit. Ich habe sie dann zu Vorlesungen an die Uni Bern und Freiburg geschickt.» Der Rückzug der Schwestern erfolgte allmählich - nicht etwa, weil man sie im Bachtelen nicht hätte brauchen können, sondern weil es in der Gemeinschaft immer weniger wurden.

«Viele Heime in der Schweiz waren zu jener Zeit im Vergleich mit dem Ausland rückständig», so Meier weiter. In Studienreisen nach New York und nach Deutschland und Holland verschaffte sich der damals neue Heimleiter die Perspektiven für den nötigen Wandel, für welchen er auch von der Trägerschaft freie Hand bekam.

Auch die Schwestern hätten die Neuerungen unterstützt, betonte Meier. Im Endeffekt habe die Neuausrichtung und Professionalisierung auch das lokale Image des Bachtelens in Grenchen selber nachhaltig verbessert. Man war von einer Anstalt mit eher zweifelhaftem Ruf zu einer Institution geworden, auf die man in der Stadt mit Stolz blickt.

Rückständig, auch baulich

Doch der Anfang war nicht leicht. «Als ich den ersten Psychologen einstellen wollte, hat er gleich wieder abgesagt, als er den baulichen Zustand des Heims sah.» Damit war eine weitere Aufgabe vorgegeben: die Erneuerung der Infrastruktur, die in den 1970er-Jahren eingeleitet wurde.

Brigitte Meier und Rainer Walter gehörten zur Lehrergeneration, welche noch Kinder bei sich zuhause Aufnahmen, wie beide berichteten. Dieser besondere «Bachtelengeist», das Comittment zur Aufgabe, zu den Kindern und der Zusammenhalt untereinander seien das, was auch in den Jahrzehnten des Wandels geblieben sei. «Im Kern geht es auch heute darum, den Tag zu meistern mit Kindern, die oft nicht einfach sind. Es braucht Menschen die das können und denen das auch Freude macht», fasste Hans Herrmann zusammen.

Weiter thematisiert wurde die Entwicklung des Bachtelen-Angebotes über Grenchen hinaus sowie der Trend weg von stationären zu ambulanten Angeboten und zur integrativen Schulung. Und die Frage nach der Zukunft der Institution mit heute 200 Mitarbeitenden und 25 Mio. Fr. «Umsatz».

Für Karl Diethelm heisst diese kurzristig, die Ausarbeitung und Verhandlung einer neuen Leistungsvereinbarung mit dem Kanton im Jahr 2018. Dieser sei bisher immer ein verlässlicher Partner gewesen, betonte er.

Langfristig, so die Wünsche der Diskussionsteilnehmer, hoffe man, (ausgedrückt in den Worten von Anton Meier) «dass das Bachtelen immer wieder die richtige Antwort und die richtigen Angebote findet, um auf die gesellschaftlichen Entwicklungen zu reagieren.»