Übungsleiter Leutnant Christoph Scholl von der Feuerwehr Lengnau, Pieterlen und Meinisberg LePiMe hatte sich eine heikle Anlage ausgedacht. Oberhalb der Gemeinde Meinisberg im Gebiet Gryfeberg ist ein Waldbrand ausgebrochen. Der Brand konnte zwar unter Kontrolle gebracht werden, aber kräftige Westwinde drohen die Glutnester wieder anzufachen, die noch überall im Gebiet zu finden sind. Eine schwierige Aufgabe für die Feuerwehr, zumal da oben kein Hydrant steht, von dem man Wasser beziehen könnte.

Wie also bringt man das Wasser hoch auf den Berg? Scholl war selber bei den Rettungstruppen und hat immer noch gute Beziehungen. Diese Übungsanlage erwies sich auch als interessant für die Schweizer Armee und man beschloss, eine gemeinsame Übung daraus zu machen und sogar die Schweizer Luftwaffe miteinzubeziehen. Denn die Armee sollte das Wasser auf den Berg liefern, damit die örtliche Feuerwehr ihre Arbeit verrichten kann.

Armee als Wasserlieferant

Schon am Nachmittag waren Soldaten der Rettungskompanie 2/3 mit Kommandant Hauptmann Marco Imboden damit beschäftigt, sich im Dorf einzurichten und mit grossen Lastwagen Material anzuliefern. Am Ufer der Aare wurde eine Pumpe installiert mit einer Leistung von 4000 Litern pro Minute. Von dort legten die Soldaten eine Leitung mit Schläuchen von 15 Zentimetern Durchmesser – wesentlich grösser als die der Feuerwehr.

Mitten im Dorf wurde ein Becken aufgebaut, mit einer Fassungskapazität von 50'000 Litern. Von der Aare sollte das Wasser zuerst in dieses Becken gepumpt werden. Eine zweite Pumpe wurde installiert und eine weitere Schlauchleitung wurde von hier aus hoch zum Berg gelegt, wo ein zweites Becken gleicher Grösse bereitgestellt wurde.

Übung der Feuerwehr LePiMe (Lengnau-Pieterlen-Meinisberg) unter dem Titel «Der Walt brennt»

Übung der Feuerwehr LePiMe

Einsatz des Super Puma

Der Helikopter des Lufttransportgeschwaders 3 mit den beiden Piloten
Major Ralf Müllhaupt und Hauptmann Christoph Widmer sowie den Loadmastern Markus Mitteldorf und Samuel Hunziker hatte zwei Aufgaben: Zum einen musste er Wasser auf den Berg transportieren, bis die Leitung fertiggezogen war, zum anderen sollte er den Brand aus der Luft bekämpfen.

Der Super Puma holte mit seinem 2500 Liter-Sack – technisch korrekt: Löschwasser-Aussenlastbehälter – Wasser aus der Aare und füllte damit als erstes das Becken auf dem Berg. Als das Wasser dann schliesslich aus der Leitung ins Becken floss und dieses füllte, holte sich der Heli das Wasser dort, um es dann über dem «brennenden» Wald abzuwerfen. In der Übung natürlich supponiert, weil 2,5 Tonnen Wasser auf kleinem Raum abgeworfen doch grosse Schäden anrichten würden.

Die starken Abwinde der Rotoren des Super Puma übrigens machten es nötig, dass das Zwischenbecken der Armee vor den ersten Flügen mit Sandsäcken beschwert werden musste, weil es drohte, weggewindet zu werden. Der Einsatz des Helis war denn auch lange Zeit fraglich.

Regionale Feuerwehr rückt ein

Die Feuerwehrleute der LePiMe wurden erst am Abend um 19 Uhr per Alarm aufgeboten. Rund 30 Einsatzkräfte befanden sich wenig später mit zwei Tanklöschfahrzeugen und mehreren kleinen Einsatzfahrzeugen rund 300 Meter oberhalb des zweiten Beckens beim Waldhaus der Gemeinde. Die Armee hatte auch hierhin eine Leitung gezogen, was den Aufbau eines kleineren Zwischenbeckens ermöglichte.

Aus diesem konnten die Einsatzkräfte dann ihre Wasserwerfer speisen und mit ihren eigenen Mitteln die verschiedenen Brandherde bekämpfen – auch dies natürlich supponiert, denn es regnete zu dem Zeitpunkt schon lange und jeder echte Waldbrand wäre längst erloschen. In der Einsatzzentrale, die im Feuerwehrmagazin Meinisberg eingerichtet worden war, eröffnete Kdt Imboden den Anwesenden, dass seine Kompanie bald abrücken müsse. In Genf sei «der Krieg ausgebrochen», weshalb er mit einem Eurocopter dorthin geflogen werde. Seine Soldaten, welche überall im Dorf verteilt den Verkehr um und über die Schlauchleitung lenkten, müssten von Leuten der Feuerwehr ersetzt werden.

Zahlreiche Schaulustige beobachteten im Dorf und auf dem Berg die Aktivitäten. Insbesondere der Super Puma war natürlich die Attraktion. Auch Vertreter der Gemeinden und des regionalen Führungsstabs waren als Beobachter anwesend. Um 22 Uhr zirka hiess es dann «Übungsabbruch, Übung erfüllt.»