Für Philipp Egli und seine Mitarbeiter Joël Carazzai und Beatrice Rubi herrschte Hochbetrieb in den vergangenen Tagen. Die Produktion der Dreikönigskuchen nahm einen Grossteil ihrer Zeit in Anspruch. Aus einem süssen Hefeteig mit Sultaninen formten sie die beliebten kleinen Kugeln und setzten sie rund um einen Mittelteil. Eines der sechs, acht oder zehn Kügelchen enthält den König aus Plastik. Wer ihn findet, darf sich die Krone aufsetzen und sich einen Tag lang als König fühlen.

«Das Rezept ist eigentlich überall dasselbe», erklärt Egli. Um ein Mittelteil von
90 Gramm Teig werden 40-Gramm-Kugeln angeordnet. Die Rezeptur stammt vom Bäckereiverband und lässt wenig Spielraum: In den Hefesüssteig kommen noch Mandelmasse, etwas Zitronenabrieb und die Sultaninen rein. «Die Mandelmasse stellen wir selber her», so Egli. Es sei auch wichtig, die getrockneten Weinbeeren, die Sultaninen im Wasser einzulegen, damit sie eben nicht so trocken würden.

Kein König in der Mitte

Die Kugeln mit den Königen verarbeiten die Fachleute separat. Pro Kuchen gibt es einen König oder eine Königin, denn seit ein paar Jahren werden die Plastikfiguren «geschlechterneutral» in gleicher Menge hergestellt und auf die Kuchen verteilt. «Es gibt natürlich immer wieder mal Ausnahmen: So bestellen Kindergärten öfters Kuchen, bei denen in jedem Stück ein König versteckt ist, so können alle Kinder König oder Königin sein.

Und bei Altersheimen ist es grade umgekehrt, die bestellen Kuchen ohne König – aus Sicherheitsgründen», erklärt Egli. In den meisten der verkauften Dreikönigskuchen hat Egli genau eine der kleinen Figuren versteckt. Und zwar in einer der kleinen Kugeln aussen. Der Tipp vom Bäcker: «Im Mittelteil hat es in der Regel keinen König, bei sozusagen keinem Bäcker, so viel ich weiss.»

Man ist natürlich bemüht darum, nicht schon durch zu viele Manipulationen dem Konsumenten zu verraten, in welchem Teil die Figur versteckt ist. «Wenn man den Teig nämlich zu stark manipuliert, wird er frühzeitig und übermässig aufquellen», so Egli. Und das verrät dann das kostbare Teil. «Aber wenn man exakt arbeitet, sieht der Kunde nichts Verdächtiges.»

Alle Bäcker an der Arbeit

Nachdem der Kuchen zusammengesetzt ist, wird er mit verquirltem Ei bestrichen und für 15 Stunden in den Kühlraum gestellt. Nach dieser Ruhephase, in der der Teig noch etwas aufgeht, wird er ein zweites Mal mit Ei bestrichen und dann gebacken. Zwischen 800 und 1000 Dreikönigskuchen produziert Egli diese Tage. Begonnen haben er und sein Team schon vorgestern. Die meisten gehen heute über den Ladentisch, aber eine gewisse Anzahl wurde bereits gestern verkauft, und auch für morgen sind einige Königskuchen vorrätig.

Wahlkampf beginnt

Auch bei den beiden anderen Bäckereien, Gassler-Beck und Back-Caffee, herrschte Dreikönigs-Hochbetrieb: Im Back-Caffee wurden rund 600 der süssen Kuchen hergestellt, bei Peter Gassler sind es rund 250 bis 300 Stück. Alternativ zu den Sultaninen gibts dort auch welche mit Schoggi-Stückli. Bereits wird auch ersichtlich, dass wir in einem Wahljahr angelangt sind.

Die Pendler wurden heute Morgen an den Bahnhöfen von der SP Grenchen mit Dreikönigskuchenstücken aus dem Back-Caffee überrascht, jedes ein «Gewinnerstück». In Grenchen gibts heute also Könige zuhauf – wenn das nur gut geht.