Financier
Wer ist der Grenchner, der Geld für den FC Biel lockermachen will?

Martin von Burg will beim FC Biel Hauptaktionär werden, um den Verein zu retten und zu verhindern, dass das Gleiche passiert wie mit dem FC Grenchen. Doch wer ist dieser Mann?

Oliver Menge
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Foto der Website des «Bieler Tagblatts», dem Martin von Burg 2013 ein Interview zum FC Grenchen gab.

Foto der Website des «Bieler Tagblatts», dem Martin von Burg 2013 ein Interview zum FC Grenchen gab.

Oliver Menge

«Ich kann Ihnen dazu nur eines sagen, und das ist auch sehr kurz. Ich habe eine Lebensphilosophie: Liebe, um zu leben und lebe, um zu lieben.» So der Grenchner Martin von Burg am Telefon, kurz angebunden, in Eile und auf dem Weg nach Zürich. Auf die Frage, weshalb er dem FC Biel 800'000 Franken geben wolle, sagt er: «Fussball habe ich eben auch im Herzen. Mit dem FC Biel darf einfach nicht dasselbe passieren wie mit dem FC Grenchen. Gerade den FC Biel, mit dieser ausgezeichneten Infrastruktur, den muss man retten. In Grenchen hat man nur dieses Neidpack, Idioten, die nur deshalb dort stehen, wo sie jetzt sind, weil sie nicht auf mich gehört haben. Ich tue das aus reinem Herzblut. Und mehr habe ich dazu nicht zu sagen», sagt’s und hängt auf.

Informationen über Martin von Burg zu finden, ist nicht einfach. Denn viele Leute in Grenchen kennen ihn zwar schon lange, aber keiner will sich hinstellen und etwas über den Mann erzählen, der offensichtlich entweder über ein sehr grosses Vermögen oder über sehr gute Verbindungen zu finanzkräftigen Kreisen verfügt – oder einfach nur blufft.

Klar ist nur, dass von Burg – wie bereits am Mittwoch an dieser Stelle erwähnt– während 16 Jahren in der ersten Mannschaft des FC Grenchen spielte. Erwin Ballabio hatte ihn in den Sechzigerjahren als 16-Jährigen in die Mannschaft geholt, er schoss schon im ersten Spiel gegen Basel zwei Tore, Grenchen gewann 3:1. Von Burg blieb Grenchen treu, trotz guten Angeboten wie von den Young Boys. 1985 stellte er als Sportchef eine starke NLB-Mannschaft zusammen, mit Spielern wie Jörg Stohler und Jean-Pierre Maradan, die man von Basel holte.

Trainer war Bert Theunissen, ein Erfolgstrainer, der den Aufstieg in die NLA möglich machte. Doch mit dem Aufstieg ging der finanzielle Niedergang einher: Hauptsponsor Senn, eine Stahlbau- und Kranunternehmung aus Oftringen, zog sich zurück. Theunissen musste entlassen werden, das Team platzte auseinander und am Ende der Saison klaffte ein Riesenloch in der Kasse: «680'000 Franken Schulden (später erwies sich diese Summe als um einiges zu tief gegriffen) hatte der ‹NLA-Aufstieg um jeden Preis› eingebracht», heisst es dazu in der FCG-Chronik.

Von Burg war nicht mehr länger Mitglied des Vorstands oder der Crew, bekleidete offenbar auch niemals mehr eine offizielle Funktion beim FCG. Mit dem Verein hat er offiziell abgeschlossen, wie er bereits vor zwei Jahren in einem Interview mit dem «Bieler Tagblatt» sagte, auch wenn sein Herz «Blau-weiss schlage».

Und doch bleibt der FC Grenchen irgendwie Thema. So sagt beispielsweise eine vertrauenswürdige Quelle, dass von Burg auch beim Fiasko mit den französischen Investoren vor zwei Jahren seine Finger mit im Spiel gehabt habe und damals oft mit Strippenzieher Paul Kocher sei gesehen worden. Geflossen ist bekanntlich keine müde Mark.

Hat er das Geld?

Die Frage, ob von Burg tatsächlich über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, 800'000 für den FC Biel aufbringen zu können, bleibt offen. Ein Grenchner Banker meinte, Martin von Burg gehöre zu der Sorte Leute, mit der man lieber nicht in Verbindung gebracht werde. Offenbar hat er sich auch mit seinem Bruder, der in Grenchen einen Transport- und Getränkehandel betreibt, verkracht. Und so wie es aussieht, ist man nun auch auf der Stadtverwaltung hellhörig geworden, darf aber aus Berufung aufs Amtsgeheimnis keine Auskunft geben.

Einer, der den ominösen Financier besonders gerne kennenlernen möchte, ist Dietmar Faes. Der Bieler vertritt eine Gruppe aus Bieler Investoren, die den FC Biel in eine neue Zukunft führen möchten, ohne Carlo Häfeli, den Zürcher Anwalt, der den FC Biel letztes Jahr übernommen hat. Faes, selber designierter Präsident, der eine Reihe namhafter und bekannter Leute, ehemalige Präsidenten und Verwaltungsräte des FC Biel neben sich weiss, möchte einfach gerne wissen, was das für ein Mensch ist, der bereit ist, 800'000 Franken in ein Loch zu werfen, von dem niemand so genau wisse, wie tief es tatsächlich sei.

Er selber schätzt die Verschuldung auf 2,5 Millionen. Und ausserdem stellt Faes zwei wichtige Fragen: «Warum 800'000 und nicht eine Million? Warum braucht jemand ein paar Tage, um einen Check auszustellen? Man nimmt ihn hervor, schreibt die Zahl drauf, auch in Worten, datiert und unterzeichnet. Mehr braucht es nicht.»

Für Faes wäre ein Konkurs wünschenswert, weil dann könnte man in Ruhe und von vorne beginnen und aufbauen, ohne Altlasten. Der Richter habe ihnen mit dem zweimonatigen Aufschub ein Kuckucksei gelegt, sagt er. Und von Burg reiche jetzt ein zweites nach. Denn es gebe seriöse Investoren, die bereit seien für einen Neuanfang, ohne Häfeli und Co.
Nun, da die Disziplinarkommission dem FC Biel die Lizenz entzogen hat, hat sich das Ganze ja vielleicht schon erledigt und von Burg kann aufatmen, weil er sich entweder die 800'000 Franken oder die Blamage spart.