Mit der Stiftung für Schwerbehinderte haben sich die Sicherheitsdienste am Freitagabend eine spezielle Herausforderung für ihre Evakuationsübung ausgesucht. Unkontrollierbare Bewegungen und Panikattacken, gekonnt gespielt von Figuranten, hielten die rund 60 Retterinnen und Retter auf Trab. Einzelne Bewohner der Stiftung entschieden sich spontan zum Mitmachen, als sie die Drehleiter vor ihren Balkonen auftauchen sahen. Für einmal erlebten sie eine verkehrte Welt: die Betreuerin, zitternd und mit einem Stofftier im Arm im Rollstuhl und die Bewohnerin, die sich um sie kümmert und ihr sagt, dass alles nicht so schlimm ist.

Die Übung von Zivilschutz, Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei war zugleich die Feuertaufe für das neue Einsatzfahrzeug, wobei das Feuer aus einer Rauchbombe im Dachgeschoss des Hauses B bestand. «Skywalker» bewies, dass er auch abseits der Strasse, auf dem unebenen Rodania-Areal, voll funktionstüchtig ist.

Lerneffekte für alle Beteiligten

Neben dieser Erfolgsmeldung notierten die Beteiligten einige Lerneffekte, wie sie im Zwischenbericht nach der Hälfte der Übung bekannt gaben. Vonseiten Rodania war das die Erkenntnis, dass es im Ernstfall nicht genügt, Mitarbeitende, die mit den Rettungskräften zusammenarbeiten, auf dem Sammelplatz zu haben.

Die Mitarbeitenden müssen an allen Aussengrenzen des Areals sicherstellen, dass verängstigte Bewohner nicht verloren gehen.

Die zweite Erkenntnis zeigte sich im Bus, der bereitstand, um die Evakuierten zur Zivilschutzanlage zu bringen. Die vielen Rollstühle bedingen wenigstens drei grosse BGU-Busse für den Transport.

Besuch in der Zivilschutzanlage Einschlag

Neben den Vertretern der Regionalen Bevölkerungs- und Zivilschutzkommission, nahm auch Stadtpräsident François Scheidegger an der Übung teil. Er lobte die gute Zusammenarbeit der Dienste sowie der Rodania-Mitarbeitenden und den Einsatzeifer aller Beteiligten. «Ich war selbst im Haus und habe den Stress gespürt, der dort herrschte», sagte er.

Dann fuhr der Bus mit den Figuranten, wenn auch nur mit einem Teil ihrer Rollstühle, nach Bettlach, zur Zivilschutzanlage Einschlag. Wäre das Feuer echt gewesen, würde die Stiftung für Schwerbehinderte sich hier einrichten, wenn nötig, sogar für längere Zeit. «100 Schlafplätze stellen wir im ‹Einschlag’ innerhalb einer Stunde bereit, die restlichen 200 sind in zwei bis drei Stunden parat», erklärte Zivilschutzkommandant Markus Böhi.

Seine Mitarbeiter erklärten den Gästen den Belegungsplan und die Infrastruktur, nachdem jeder Besucher am Eingang des unterirdischen Labyrinths ordnungsgemäss registriert und mit Namenschild versehen worden war.